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Neues Geschäftsfeld

VW-Konzern will jetzt auch eigene Versicherungen anbieten

Der Volkswagen-Konzern steigt mit einer eigenen Gesellschaft ins Erstversicherungsgeschäft ein. Die Wolfsburger wollen künftig nicht mehr nur für die Allianz Verträge vermitteln, sondern über eine Tochterfirma das sogenannte Garantieversicherungsgeschäft selbst betreiben.
In diesem Gebäude in Braunschweig residiert die VW-Versicherungssparte.

In diesem Gebäude in Braunschweig residiert die VW-Versicherungssparte.

© HAZ

Die Volkswagen Financial Services AG in Braunschweig will vom 1. Januar 2011 an über die neue Tochter das sogenannte Garantieversicherungsgeschäft selbst betreiben, wie das Unternehmen jetzt mitteilte – also das Geschäft mit der Anschlussgarantie nach dem Ablauf der zweijährigen gesetzlichen Gewährleistungsfrist.

„Das Versicherungsgeschäft ist ein elementarer Bestandteil unserer automobilen Finanzdienstleistungsstrategie“, erklärte Frank Witter, der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen Financial Services. Mit dem Einstieg in die Erstversicherung positioniere sich das Unternehmen „als Absatzförderer der Marken des Volkswagen-Konzerns in einem dynamischen Wachstumsmarkt“.

Für die neue Gesellschaft bedient sich die VW-Finanzsparte der schon bestehenden Rückversicherung Volkswagen Reinsurance, die einen neuen Namen erhalten soll – voraussichtlich Volkswagen Versicherungs-AG, wie der für diesen Bereich zuständige Manager Andreas Götz durchblicken ließ.

Er ist Sprecher der Geschäftsführung des Volkswagen Versicherungsdienstes (VVD), welcher schon seit vielen Jahrzehnten über die Autohändler Versicherungen verkauft. Allerdings bietet der VVD den Kunden des Volkswagen-Konzerns bisher keine eigenen Versicherungen an, sondern kooperiert mit der Allianz. Diese Kooperation steht auf dem Feld der Autohaftpflicht- und Kaskoversicherung, wie betont wurde, nicht zur Disposition. Allerdings gibt man bei VW zu erkennen, dass es dafür keine Ewigkeitsgarantie gibt.

Derzeit werden die Details der weiteren Zusammenarbeit ausgehandelt, weil die Vertragsverlängerung ansteht. Die enge Verbindung mit der Allianz hält man bei VW Financial auch wegen des großen Allianz-Außendienstes vorerst für unverzichtbar. Dieser könnte für VW noch einmal wichtig werden.

Das 2002 gestartete Geschäft mit den Anschlussgarantien läuft beim VW-Konzern auf Hochtouren. Heute schließen den Angaben zufolge 42 Prozent der Neuwagenkäufer einen solchen Vertrag ab, der etwa 100 Euro jährlich kostet und Reparaturen abdeckt, die nicht mit dem normalen Verschleiß zusammenhängen. Im ersten Halbjahr 2010 wurden 145 000 derartige Verträge verkauft, der Bestand liegt nun bei 900 000 Verträgen. Das jährliche Prämienvolumen beträgt gegenwärtig etwa 90 Millionen Euro.

Der Chef von Volkswagen Leasing, Lars-Henner Santelmann, hob hervor, dass das Dienstleistungsgeschäft insgesamt eine immer bedeutendere Rolle für den Konzern spiele. Er nannte als Beispiel die sogenannten Full-Service-Verträge, die von Unternehmen mit größeren Fuhrparks immer stärker nachgefragt würden. Hier sei das Neugeschäft im ersten Halbjahr 2010 um satte 50 Prozent gestiegen, und „das zweite Halbjahr wird noch stärker“. Die Angebotspalette werde demnächst um weitere Dienstleistungen erweitert – wie zum Beispiel eine Langzeitvermietung von Geschäftsfahrzeugen für bis zu zwölf Monate mit weitgehend standardisierten Autos.

„Überraschend gut“ gehen nach Angaben ihres Chefs Rainer Blank ebenfalls die Geschäfte der Volkswagen Bank, die den Autokäufern Kredite anbietet, aber auch eine ansehnliche Direktbank betreibt. Die Finanzkrise habe dieser viele Neukunden und erhebliche Einlagenzuflüsse beschert.

„Das Vertrauen in den VW-Konzern ist groß, davon haben wir sehr profitiert.“ Von Mitte 2008 bis Mitte 2010 habe die Bank 8,5 Milliarden Euro neue Einlagen gewonnen, „jetzt schrammen wir die 20-Milliarden-Marke“. Als eine „angenehme Erscheinung“ wertet Blank die derzeitige Niedrigzinsphase. Die Zinsmarge habe sich „deutlich“ ausgeweitet.

Albrecht Scheuermann


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