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Bestechung

MAN-Skandal weitet sich aus

Die Schmiergeldaffäre beim Münchener MAN-Konzern weitet sich aus. Offenbar sind nicht nur nachgeordnete Mitarbeiter der Lkw-Sparte verwickelt.
Das MAN-Image bekommt Kratzer.

Das MAN-Image bekommt Kratzer.

© ddp

Wie der „Spiegel“ ohne Angabe von Quellen meldete, gehört zum Kreis der bislang drei Beschuldigten in München auch ein Top-Manager der Konzerntochter MAN Nutzfahrzeuge AG. Nach Darstellung des „Focus“ ist ein früherer leitender Mitarbeiter bereits festgenommen worden. Zwischen 2002 und 2005 sollen in Deutschland rund eine Million Euro fragwürdige Provisionen an Vermittler bei Lkw- und Bus-Geschäften gezahlt worden sein.

Auch im Ausland ist offenbar Schmiergeld geflossen. Der Athener Staatsanwalt Giannis Sakellakos hat Ermittlungen angeordnet. Er will klären, ob bei der Vergabe von Staatsaufträgen an MAN illegale Provisionen gezahlt wurden. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen legte am Wochenende der frühere sozialistische Verkehrsminister Christos Verelis sein Parlamentsmandat nieder. In seine Amtszeit fällt eine staatliche Großbestellung bei MAN. Verelis weist aber jede Verwicklung in die Auftragsvergabe weit von sich.

Die Staatsanwaltschaft will nun vor allem einen Auftrag aus dem Jahr 2002 durchleuchten. Am 23. und 24. Dezember 2002 unterschrieb die staatliche Athener Nahverkehrsgesellschaft Ilpap zwei Verträge mit der MAN-Tochter Neoman und dem griechischen Fahrzeugbauunternehmen Elvo über die Lieferung von 140 Bussen der Marke Neoplan. Montiert werden sollten die Busse bei Elvo im nordgriechischen Thessaloniki. Auftragswert: 85,9 Millionen Euro.

Der Vergabe an die MAN-Tochter war ein mehr als einjähriges Tauziehen vorangegangen. Die Experten von Ilpap hatten sich zunächst gegen die Neoplan-Busse ausgesprochen, weil das Nahverkehrsunternehmen mit zuvor gelieferten Fahrzeugen des Herstellers unzufrieden war. Dennoch entschied Ende 2002 eine vom Verkehrsministerium eingesetzte Kommission für Neoplan. Dabei sollen der niedrigere Preis und die Montage bei Elvo den Ausschlag gegeben haben. Die Athener Zeitung „Ta Nea“ berichtet allerdings, bei dem Auftrag seien Provisionen in Höhe von rund 50 000 Euro im Spiel gewesen. „Ta Nea“ beruft sich auf das Umfeld des Ex-Verkehrsministers Verelis.

Der unterstreicht, sein Rücktritt sei keinesfalls als Schuldeingeständnis zu verstehen. Er habe mit der Auftragsvergabe gar nichts zu tun gehabt. Das klingt allerdings für Kenner der griechischen Verhältnisse überraschend. Es erscheint schwer vorstellbar, dass der Vorgang nicht über seinen Schreibtisch ging. Der Auftrag hatte bereits ein Nachspiel: Zwei bei der Auftragsvergabe unterlegene MAN-Konkurrenten riefen die EU-Kommission an. Die prüfte die Auftragsvergabe, bei der auch EU-Fördermittel verwendet wurden – und stellte zahlreiche Verstöße gegen die EU-Vorschriften fest.

von Gerd Höhler


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