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Online-Handel

Amazon zahlt hohen Preis für Wachstumsdrang

Amazon ist und bleibt der weltgrößte Online-Händler. Doch der Konzern will noch höher hinaus. Bei seinem Wachstumsdrang nimmt Gründer und Firmenchef Jeff Bezos hohe Kosten in Kauf. Das rächt sich.
Amazon zahlt einen hohen Preis für sein Wachstum.

Amazon zahlt einen hohen Preis für sein Wachstum.

© dpa

Seattle. Amazon baut seine Stellung als weltgrößter Onlinehändler weiter aus. Mit Kampfpreisen und kostenlosem Versand hat der US-Konzern im vergangenen Jahr zahlreiche neue Kunden gewonnen. Das ungestüme Wachstum ging allerdings auf Kosten des Gewinns, der im vergangenen Jahr um beinahe die Hälfte eingebrochen ist. Die Anleger waren vor den Kopf gestoßen. Die Aktie brach am Mittwoch in New York um 10 Prozent ein.

Besonders negativ schätzten die Anleger die Lage im wichtigen Weihnachtsquartal ein: Die Umsatzsteigerung blieb mit 35 Prozent auf 17,4 Milliarden Dollar hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf 177 Millionen Dollar.

Im Gesamtjahr sahen beide Wert besser aus: Der Umsatz sprang um 41 Prozent auf 48,1 Milliarden Dollar hoch (31,4 Mrd Euro). Der Gewinn schmolz um 45 Prozent auf 631 Millionen Dollar. Die meistverkauften Produkte waren sowohl in den USA als auch in Europa nach Angaben von Gründer und Konzernchef Jeff Bezos erneut die Kindle-Lesegeräte für elektronische Bücher und der neue Tablet-Computer Kindle Fire, der derzeit nur in den USA verfügbar ist.

Analysten gehen allerdings davon aus, dass Amazon am Kindle wenig verdient oder sogar etwas drauflegt. So kostet der Kindle Fire in den USA weniger als die Hälfte des Apple iPad: 199 Dollar statt 499 Dollar. Bis zu 15 Dollar dürfte Amazon pro verkauftem Kindle-Gerät derzeit drauflegen, vermutete Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray, im „Wall Steet Journal“.

Der Absatz der Lesegeräte befeuert allerdings auch den Verkauf digitaler Bücher und trägt maßgeblich zu den Umsätzen bei. In Deutschland seien inzwischen mehr als eine Million Titel verfügbar, sagte Ralf Kleber, Chef von Amazon Deutschland, der dpa am Mittwoch. Damit habe sich das Angebot innerhalb von sechs Monaten weit mehr als verdoppelt. Mit sechs Millionen Euro finanziert Amazon zudem das Programm „Kindle Direct Publishers“, wo Autoren im Selbstverlag ein E-Book publizieren können.

Amazon steckt zudem jede Menge Geld in den Ausbau seiner Lieferzentren, auch in Deutschland. Zwei neue Logistikzentren, in Pforzheim und Koblenz, sollen im dritten Quartal eröffnet werden. „Damit werden wir langfristig über 3000 neue Stellen in Deutschland schaffen“, sagte Kleber. Hinzu kämen für die saisonalen Spitzen voraussichtlich noch einmal über 20 000 Saison-Arbeitsstellen.

Firmenchef Bezos betonte vor allem das überdurchschnittliche Wachstum der Fremdanbieter. Amazon verkauft über seine Website nicht nur eigene Waren, sondern stellt seine Verkaufsplattform auch für Dritte bereit. Auf diese fremden Händler entfielen nach Stückzahlen mittlerweile 36 Prozent aller Verkäufe, sagte Bezos.

„Wir arbeiten intensiv daran, dass unsere Partner ihre Angebote attraktiv präsentieren und die Waren ebenso schnell und einfach wie Amazon liefern können“, sagte Kleber. So könnten Drittanbieter inzwischen von Deutschland aus auch nach England und Frankreich liefern und profitierten dabei von Amazons Logistik-Infrastruktur.

Die Anleger konnte das nicht besänftigen. Die Börsianer hatten nicht nur mit einem besseren Abschneiden zu Weihnachten gerechnet. Sie waren auch unzufrieden mit dem Ausblick auf das laufende Quartal. Der Konzern stellt ein vergleichsweise schwaches Umsatzwachstum von 22 bis 36 Prozent in Aussicht und schlimmstenfalls einen Verlust.

Dennoch verteidigt Amazon weiterhin nachdrücklich seine Strategie. “Über alle Produktgruppen hinweg verzeichnen wir ein ungebremst starkes Wachstum“, sagte Kleber.

frx/dpa


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