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Nachrichten Wirtschaft Deutsche Fischer bangen um den Hering
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08:52 05.05.2017
Von Michael B. Berger
Die deutsche Fischfangflotte ist stark geschrumpft. Quelle: dpa
Hannover

Bislang dürfen deutsche Trawler noch bis zwölf Meilen vor der britischen Küste fangen. Doch mit der Aufkündigung der Mitgliedschaft in der EU könnten die Briten eine 200-Meilen-Zone um ihre Insel ziehen. Dann wären große Teile der Nordsee für hiesige Fischer tabu. Ein Lieblingsfisch der Deutschen, der Hering, könnte dann Mangelware werden. „Das wäre eine Katastrophe“, sagt Claus Ubl vom Deutschen Fischerei-Verband.

Vor allem sogenannte Schwarmfische wie Hering, Makrele oder Blauer Wittling werden vor Englands Küsten gefangen. 50 Prozent der deutschen Fangmenge und 30 Prozent der Gesamtumsätze der Fischerei wären bedroht, wenn die Deutschen nur noch in einem kleinen Teil der Nordsee fischen dürften. Beim Hering wären es sogar rund 100 Prozent.

Uwe Richter, Vorsitzender des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes, rechnet im schlimmsten Fall mit einem Verlust von rund 100 Millionen Euro im Jahr. Eigner wären gezwungen, ihre Schiffe aufzugeben, auch eine große Fischfabrik in Sassnitz Mukran auf Rügen wäre bedroht. Denn allein hier werden pro Jahr 40 000 Tonnen Nordseehering verarbeitet. Allein mit Ostseehering hätte die ­Euro-Baltic-Fischverarbeitung keine Chance, sagt Richter, der auch Geschäftsführer dieser Fabrik ist.

Die deutsche Fischfangflotte, nach dem Krieg noch eine Armada, ist ohnehin schon stark geschrumpft. Acht große Trawler sind in der Großen Hochseefischerei unterwegs, davon vier in der Schwarmfischerei rund um England. Doch auch für die acht Schiffe der Kleinen Hochseefischerei, die meist von Cuxhaven starten, könnte die Lage brisant werden. „Wenn das so eintritt, haben wir ein Problem“, sagt Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Kutterfisch-Zentrale. Seelachs werde meist vor den Shetland-Inseln gefangen, Kaisergranat im Ärmelkanal. Schmidt fürchtet einen verheerenden Verdrängungswettbewerb mit anderen EU-Nationen, wenn die Briten nach dem Brexit zur 200-Meilen-Zone übergingen. „Zurzeit ist noch kein Franzose oder Portugiese vor Dänemark.“ Auf keinen Fall dürften die Fischereibelange mit den Briten separat verhandelt werden, warnen die Experten. Das wäre der Untergang.

„Tatsächlich ist die EU deutlich abhängiger vom Zugang zu den britischen Gewässern als umgekehrt“, sagt Niedersachsens Agrarminister Christian Meier. „Um den Erhalt der Zugangsrechte zu den britischen Gewässern wird es harte Verhandlungen geben, und das ist auch nötig.“

Zur Stärkung der europäischen Verhandlungsposition sei es erforderlich, dass die Fischerei nicht isoliert, sondern als untrennbarer Teil eines Gesamtpaketes verhandelt wird.

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