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Wirtschaft Vorstandschef Cryan soll vor dem Aus stehen
Nachrichten Wirtschaft Vorstandschef Cryan soll vor dem Aus stehen
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16:45 27.03.2018
John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank (links) steht unter Druck, Aufsichtsratchef Paul Achleitner will ihn offenbar loswerden. Quelle: dpa
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Frankfurt

 Die Deutsche Bank sucht offenbar nach einem Nachfolger für Vorstandschef John Cryan. Nach einem Bericht der Londoner Zeitung „The Times“ sichtet Aufsichtsratschef Paul Achtleitner bereits das Feld der Kandidaten, die den 57-jährigen Briten an der Spitze ersetzen können. Wegen der anhaltend schlechten Geschäfte gebe es zwischen Cryan und Achtleitner einen Streit über die Strategie der Bank.

 Das Frankfurter Geldhaus habe den Europachef der Wall-Street-Bank Goldman Sachs, Richard Gnodde, angesprochen, berichtete „The Times“ am Dienstag ohne Quellenangabe. Dieser habe das Angebot aber wohl abgelehnt. Eine Sprecherin der Deutschen Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Cryans Vertrag endet regulär im Jahr 2020 – zuletzt zeigte sich der Manager bereit, diesen auch zu erfüllen. Seine Arbeit sei nicht immer einfach gewesen, hatte Cryan bei  Bilanzvorlage Anfang Februar verkündet und hinzugefügt: „Ich fange an, meinen Job zu mögen.“ 

 Laut „Times“ ist die Beziehung zwischen Cryan und Achleitner hingegen zerrüttet. Der Brite wolle die Deutsche Bank radikaler umbauen als bisher, namentlich das Kapitalmarktgeschäft - einst der Gewinnbringer der Bank und heute das Sorgenkind. Darüber habe es einen heftigen Streit in der Führungsetage gegeben. Schon vergangenes Jahr waren Spannungen zwischen Cryan und Achleitner kolportiert worden. Damals ging es um den Umgang mit dem Großaktionär HNA aus China. 

 Außer dem Goldman-Manager Gnodde seien der Chef der italienischen Großbank Unicredit, Jean Pierre Mustier, und der Chef der britischen Großbank Standard Chartered, Bill Winters, als mögliche Nachfolger für Cryan erwogen worden, schreibt die „Times“. Intern gelte der fürs Kapitalmarktgeschäft zuständige Co-Vizechef Marcus Schenck als starker Kandidat. 

 Cryan hatte Mitte 2015 das Ruder bei der Deutschen Bank übernommen. Seither baut er das von teuren Rechtsstreitigkeiten schwer in Mitleidenschaft genommene Institut kontinuierlich um. So integriert er die Tochter Postbank komplett in den Konzern, um eine stärkere Stellung im deutschen Privatkundengeschäft zu erlangen. Zugleich wurde die Fondstochter DWS an die Börse gebracht, um ihr mehr Freiheiten zu geben. 

 Doch die gute Nachricht über den soliden Börsenstart der DWS am vergangenen Freitag ging rasch unter: Wenige Tage zuvor hatte Finanzvorstand James von Moltke Investoren mit dem Hinweis auf ein schwieriges erstes Quartal im Kapitalmarktgeschäft geschockt. 

 Seit dem Wochenende gibt es zudem Wirbel um IT-Vorstand Kim Hammonds: Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hatte Hammonds bei einem Treffen der 150 wichtigsten Führungskräfte gesagt, die Bank sei das „dysfunktionalste Unternehmen“, für das sie je gearbeitet habe.

 Für öffentliche Kritik sorgten ferner die üppigen Boni. Trotz des Verlusts 2017 schüttet die Bank 2,3 Milliarden Euro an ihre Mitarbeiter aus, vor allem im schwächelnden Investmentbanking. 

Von Daniel Schnettler und Jörn Bender

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