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Wirtschaft Darauf kommt es beim E-Bike-Kauf an
Nachrichten Wirtschaft Darauf kommt es beim E-Bike-Kauf an
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17:20 18.04.2018
Der Trend geht zu Tempo statt treten: 2017 wurden in Deutschland 19 Prozent mehr Elektrofahrräder verkauft. Quelle: Foto: dpa
Berlin

E-Bikes holen mächtig auf. Für 2017 verzeichnet der Zweirad-Industrie-Verband mit 720 000 hierzulande verkauften Modellen ein Plus von fast einem Fünftel (19 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Ein Grund sei die mittlerweile große Vielfalt: vom E-Trekkingrad über das E-Lastenrad bis zum E-Mountainbike. Selbst E-Falträder gibt es. Für Interessenten stellen sich damit eine Menge Fragen.

Einsatzzweck

„Beim Kauf sollte man den Einsatzbereich abstecken“, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). „Das entscheidet über die Art des Rads.“ Für viele eigne sich ein E-Trekkingrad, mit dem man sowohl auf der Straße als auch auf Feldwegen gut zurechtkommt. Ein faltbares E-Rad eignet sich für Pendler, die oft öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Wer ein S-Pedelec ins Auge fasst, das statt Geschwindigkeiten bis 25 sogar bis zu 45 Kilometer pro Stunde unterstützt und als versicherungspflichtiges Kleinkraftrad gilt, sollte wissen: Kinderanhänger sind dort verboten.

Akku

„Wenn ich keine Touren mache und nur in der Stadt unterwegs bin, brauche ich nicht den Megaakku“, sagt Filippek. Wer eine Batterie mit weniger Kapazität kauft, spart beim Preis und auch an Gewicht. Und das Ersatzteil ist bei einem möglichen Akkuversagen günstiger.

Am weitesten verbreitet sind Akkus mit 400 bis 500 Wattstunden (Wh), die laut Filippek eine Reichweite bis 80 Kilometer haben. „Allerdings gibt es kein standardisiertes Verfahren zur Bestimmung der Reichweite.“ Diese hängt von der Beschaffenheit des Fahrgebiets, dem Gewicht von Fahrer und Gepäck sowie der Stärke des Gegen- oder Rückenwinds ab. Mittlerweile sind die Akkus oft entnehmbar, was das Laden vereinfacht.

Rainer Hauck vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) empfiehlt, auf eine zusätzlich zu der gesetzlichen Gewährleistung ausreichende Garantie zu achten. Denn Batterien sind Verschleißteile. „Gut sind beispielsweise zwei Jahre oder 1000 Ladezyklen.“

Motor

Die meisten E-Bikes fahren mit einem Mittelmotor, es gibt aber auch Räder mit Motoren an der Vorder- oder Hinterradnabe. Der Vorteil des Mittelmotors liegt in den besseren Fahreigenschaften.

Allerdings erfordert der Mittelmotor auch einen speziellen Rahmen, was das Rad teurer macht. Hinzu kommt: „Der Verschleiß von Kette, Ritzel und Komponenten der Kettenschaltung ist höher, weil die Motorkraft auf den Antrieb wirkt“, sagt Filippek. Front- und Heckantrieb schonen diese Komponenten und sind leiser, doch besteht die Gefahr, dass entweder das Vorderrad durchdreht oder das Fahrrad sich aufgrund des Mehrgewichts hecklastig fährt. Andererseits wirkt die Kraft bei den Hinterradnabenmotoren direkt dort, wo sie gebraucht wird, und nur bei ihnen ist eine Rekuperation möglich – also die Energierückgewinnung beim Bergabfahren. Der Vorderradnabenmotor gilt laut Thomas Geisler vom Pressedienst Fahrrad (PD-F) als eine preisgünstige Einstiegslösung.

Schaltung

Neben Ketten- und Nabenschaltung kommt als dritte Möglichkeit die Automatikschaltung hinzu, die Hersteller wie Nuvinci oder Continental als eine mit einem Mittelmotor gemeinsam verkapselte und damit verschleißarme Einheit anbieten. Soll es ein Heckmotor sein, ist eine Nabenschaltung laut Hauck schwierig umzusetzen, denn die sitzt an der Hinterradnabe. Nicht alle Fahrradhersteller arbeiten mit allen Komponentenherstellern zusammen, was die Suche nach der idealen Motor-Getriebe-Kombination nicht vereinfacht.

Bedienung

Neben Schalt- und Bremshebeln sowie der Klingel sollte auch der Bildschirm gut zu bedienen sein, rät Hauck. Bei der Bedieneinheit des Antriebs besteht eine gewisse Produktvielfalt: Vom einfachen Schwarz-Weiß-Display mit Basisfunktionen etwa für die Stufen der Tretunterstützung und die Akku-standsanzeige bis zum vollwertigen Gerät mit Navigation und Digitalschnittstellen ist vieles zu haben.

Probefahrt

Sich mit einem E-Bike vertraut zu machen, ist neben dem für Anfänger gewöhnungsbedürftigen Antrieb vor allem aufgrund des höheren Gewichts notwendig. „Um dafür ein Gefühl zu bekommen, ist eine Probefahrt eminent wichtig“, sagt Filippek. Um die Unterschiede verschiedener Motor- und Getriebekonzepte kennenzulernen, sollte am besten ein spezialisierter Händler aufgesucht werden. Laut VCD-Mitarbeiter Hauck überlassen diese Kunden oftmals ein Proberad für einen Nachmittag oder sogar für 24 Stunden.

VCD und PD-F weisen mit Blick auf das erhöhte Unfallrisiko auch auf spezielle Fahrtechnikschulungen für E-Bike-Einsteiger hin. Besondere Bedeutung kommt den Bremsen zu, die beim schweren E-Bike besonders standfest sein sollten. Geeignet sind vor allem Hydraulikbremsen.

Preis

Filippek rät von Rädern unter 1800 Euro ab. Weil allein die Elektrokomponenten viel Geld kosteten, laufe man bei günstigeren Rädern Gefahr, dass die übrigen Bestandteile von minderwertiger Qualität sind. Bei S-Pedelecs mit einem 500 Watt statt 250 Watt starken E-Motor nennt er eine Richtschnur von 2500 Euro.

Von Stefan Weißenborn/dpa/RND