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Nachrichten Wirtschaft Chancen und Risiken des möglichen Glyphosat-Stopps
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09:37 22.10.2017
Demonstranten protestieren 2016 vor der EU-Kommission in Berlin gegen eine Verlängerung der Zulassung des Pestizids Glyphosat in der Europäischen Union. Quelle: dpa
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Berlin

Am 25. Oktober will die EU-Kommission erneut über die Verlängerung der Mitte Dezember auslaufenden Genehmigung für Glyphosat um zehn Jahre beraten – und vielleicht auch abstimmen lassen. Die Debatte um das Herbizid wurde in den vergangenen Monaten immer emotionaler geführt. Im Zentrum steht die Frage, ob das Mittel krebserregend ist oder nicht.

Was würde tatsächlich passieren, dürfte Glyphosat in den 28 EU-Mitgliedsländern nicht mehr verwendet werden? „Beim Unkrautmanagement wären erhebliche Anpassungen nötig“, sagt Horst-Henning Steinmann von der Universität Göttingen. „Man kennt das ja aus dem Garten: Das Unkraut ist nie ganz weg, es kommt immer wieder.“

Kanister mit einem glyphosathaltigen Mittel. Quelle: dpa

Zunächst gäbe es bei einem Auslaufen der Glyphosat-Genehmigung eine mehrmonatige Aufbrauchfrist, erklärt Silvia Pieper vom Umweltbundesamt (UBA). Danach könnte das Pflügen eine ungeahnte Renaissance erleben. „Die Stoppelfelder nach der Ernte zum Beispiel könnte man einfach öfter mit Bodenbearbeitungsgeräten bearbeiten“, sagt Steinmann, Projektleiter am Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung.

Kniffliger sei die Situation vor der Aussaat. Derzeit werde häufig Glyphosat aufgebracht und der Boden nur flach bearbeitet. „Das spart Geld, Zeit und Mitarbeiter“, erklärt Steinmann. „Ein positiver Nebeneffekt ist, dass die Erosionsgefahr kleiner ist, wenn der Boden nur angekratzt wird.“

Extrem betroffen wären demnach Sonderkulturen wie der Weinanbau vor allem in Steillagen. „Dort kann man kaum Geräte einsetzen und die Bewirtschaftung würde deutlich teurer.“ Viele andere Landwirte wiederum würden den Verlust von Glyphosat gar nicht bemerken, nimmt Steinmann an. „Nur diejenigen, die ihre komplette Betriebsbewirtschaftung auf Glyphosat ausgerichtet haben, hätten größere Probleme.“ Wirklich gleichwertige Ersatzprodukte gebe es nicht.

Ein Traktor mit Sprühanlage (Symbolbild). Quelle: epd

Glyphosat sei für die Produktion vieler Nutzpflanzen-Kulturen ein wesentlicher Baustein, betont auch Thoralf Küchler, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG), einem Zusammenschluss von sieben Glyphosat-produzierenden Unternehmen. „Wenn er fehlt, müssen Landwirte auf andere Herbizide setzen.“ Wegen der weniger breiten Wirkung wären Mischungen nötig. „Damit steigen die benötigten Mengen, der Aufwand und der Preis.“ Auch das vermehrte Pflügen bedeute höhere Kosten etwa für Mitarbeiter und Maschinen. „Die Produktion sämtlicher Kulturpflanzen würde teurer“, sagt Küchler. „Gerste und Silomais wären für Landwirte in der EU möglicherweise gar nicht mehr rentabel.“

Der Göttinger Agrar-Experte Steinmann hingegen hält Preissteigerungen bei einem Glyphosat-Stopp für sehr unwahrscheinlich. „Der Markt für Agrarprodukte reagiert auf so etwas nicht.“ Eher sei zu erwarten, dass Lebensmittelhändler auf Glyphosat-freie Produktionsverfahren drängen werden – und das ohne Preisänderungen erreichen wollen.

Generell biete ein Glyphosat-Stopp auch große Chancen, betont Steinmann. Glyphosat sei ein Innovationskiller, und das seit Jahrzehnten. „Gegen einen so billigen Standard anzukämpfen – da konnte man nur scheitern.“ Ein Auslaufen der Zulassung führe zu einer aufgefrischten Suche nach Alternativen auch bei der nicht-chemischen Unkrautkontrolle. „Es würde Bedarf, aber auch Raum und Nachfrage für neue Ideen geben“, ist Steinmann überzeugt.

„Deshalb ist ein schlichter Ersatz keine Lösung“

Auch Pieper sieht Chancen: Die Diskussion um Glyphosat könne den Start für einen ganz anders aufgestellten Agrarsektor bedeuten. Es wäre wichtig zu entscheiden, welche Art von Landwirtschaft die europäische Agrarpolitik weiter unterstützen will, erklärt die UBA-Expertin. „Statt des Verbots einer einzelnen Substanz wäre eine generelle Reduzierung des Herbizideinsatzes sinnvoll.“

Mit einem Glyphosat-Stopp allein nämlich wäre für Umwelt und Natur nach Einschätzung der Experten noch nicht viel gewonnen. Möglicherweise kämen dann einfach andere Substanzen auf die Zulassungslisten, fürchtet Pieper. Glyphosat könne vielleicht nicht leicht, aber doch durch andere Wirkstoffe ersetzt werden. 

„Deshalb ist ein schlichter Ersatz keine Lösung“, betont sie. Auch der Göttinger Agrar-Experte Steinmann sagt: „Glyphosat ist schon ein modernes Herbizid, dessen Umweltwirkung vergleichsweise günstig zu beurteilen ist. Würde es einfach nur durch ältere Wirkstoffe ersetzt, wäre für die Umwelt nichts gewonnen.“

Von Annett Stein, dpa/RND

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