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14:56 28.11.2018
Der Besucherandrang bei der Cebit im Juni hielt sich in Grenzen. Quelle: dpa
Hannover

Die Aufsichtsräte der Deutschen Messe sind böse Überraschungen gewohnt. Als der Vorstand im März 2017 während der Cebit verkündete, dass für das Überleben der IT-Schau ein völlig neues Konzept nötig sei, erfuhren das die meisten Mitglieder des Kontrollgremiums aus den Medien. Nur einen kleinen Kreis der Aufseher hatte man zuvor in einer Telefonkonferenz vorgewarnt. „Offenbar steht der Cebit das Wasser bis zum Hals“, klagte ein Aufsichtsrat damals.

Im Anschluss ist der Pegel weiter gestiegen – und spätestens seit Anfang November zeichnete sich ab, dass die Zeit der einst weltgrößten IT-Messe abläuft. Für die im Juni 2019 geplante Veranstaltung lagen nur Anmeldungen für knapp 7000 Quadratmeter vor, zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hatten Aussteller bereits mehr als die doppelte Fläche reserviert. Das Gros der Interessenten waren dieses Mal kleine Start Ups und Firmen aus China; der deutsche Mittelstand hingegen hatte sich abgewandt und auch Großkonzerne wie Vodafone und Salesforce wollten dem Vernehmen nach ihr Engagement deutlich verkleinern.

Die Aufsichtsräte der Deutschen Messe ahnten von dieser Entwicklung nichts. Als sie kürzlich die Unterlagen für ihre Sitzung am nächsten Montag erhielten, fand sich darin kein Hinweis, der auf das geplante Aus für die Cebit hindeutete. „Ganz im Gegenteil“, verlautete aus dem Kontrollgremium: „Das las sich noch so, als sei dort alles in bester Ordnung.“ Auch Cebit-Chef Oliver Frese hatte bis zuletzt diesen Eindruck vermittelt – man müsse 2019 wieder mehr Besucher nach Hannover bekommen als die knapp 120.000 Gäste aus diesem Sommer, sagte er kürzlich in einem Interview.

Dass die Wahrnehmung der Veranstalter eine andere war als die der Aussteller, hatte sich bereits im Sommer gezeigt. Die Deutsche Messe hatte die Cebit vom März in den Juni verlegt, um das harte Business in den Hallen mit einem Festival-Charakter auf den Flächen unter dem Expo-Holzdach zu verbinden. Auch die abendlichen Konzerte neben dem Riesenrad von SAP sollten wie einst bei der Weltausstellung neues Publikum anlocken. Doch während die Cebit-Macher von der „ersten Cebit der neuen Zeitrechnung“ schwärmten, schauten die Aussteller enttäuscht in ihre Auftragsbücher: Für viele hatte sich der Auftritt in Hannover nicht ausgezahlt.

Das war wenig verwunderlich, schließlich hatte es nur 75.000 Menschen in den Hallen gezogen. Die Veranstalter hatten hingegen erklärt, dass 90 Prozent der Cebit-Gäste Fachbesucher gewesen seien. Dieser Widerspruch wurde von Seiten der Deutschen Messe nie aufgeklärt – insbesondere die großen Aussteller hätten das Missverhältnis aber zu ihren Gunsten nutzen – und die Preise für 2019 drücken wollen, heißt es bei der Messe. „Was uns wirklich den Stecker gezogen hat, war jedoch die Abkehr der mittleren und kleinen Softwareanbieter“, sagte ein Beteiligter. Auch von Seiten des Branchenverbandes Bitkom, der offiziell bis zuletzt als Unterstützer der Cebit auftrat, habe man hier kaum Hilfe bekommen.

Damit hatte der Messe-Vorstand kaum noch eine Wahl: Trotz des abermaligen Rückgangs bei Ausstellern und Besuchern sei bei der diesjährigen Cebit unter dem Strich noch Geld hängen geblieben, verlautete aus dem Unternehmen. Für 2019 hingegen zeichnete sich nach HAZ-Informationen ein Verlust von 5 Millionen Euro ab.

Von Jens Heitmann

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