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Wirtschaft Ex-Beluga-Chef Stolberg muss ins Gefängnis
Nachrichten Wirtschaft Ex-Beluga-Chef Stolberg muss ins Gefängnis
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00:17 18.03.2018
Muss ins Gefängnis: Der Angeklagte Niels Stolberg (li.) neben seinem Anwalt Bernd Groß. Quelle: dpa
Bremen

Sieben Jahre nach dem Zusammenbruch der Bremer Beluga-Reederei ist Firmengründer Niels Stolberg am Donnerstag zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Bremen hielt ihn für schuldig, zwischen 2006 und 2010 mehrfach Kreditbetrug, Bilanzfälschung und besonders schwere Untreue begangen zu haben.

Der krebskranke 57-Jährige hatte vergeblich um eine maximal zweijährige Bewährungsstrafe gebeten, während die Staatsanwaltschaft viereinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Drei mitangeklagte damalige Manager, die in wechselnder Beteiligung an den Taten mitwirkten oder Beihilfe leisteten, erhielten Bewährungsstrafen zwischen acht und 19 Monaten.

Beluga war nach Stolbergs Angaben bis zur Insolvenz im Frühjahr 2011 die größte Schwergut-Reederei der Welt. Bekannt wurde sie vor allem durch den Einsatz von Zugdrachen als Frachter-Hilfsantrieb. Der Gründer und Chef war Multimillionär und galt als großzügiger Spender. Nach der Beluga-Pleite musste er Privatinsolvenz anmelden.

Laut Urteil hatte die Reederei seit 2006 gegenüber vier Banken überhöhte Investitionskosten für 20 neue Frachter vorgespiegelt, um höhere Kredite für die Schiffsneubauten als üblich zu bekommen. Nur so konnte die Reederei die Schiffe finanzieren und damit Stolbergs Ziel näherkommen, Weltmarktführer zu werden.

Nach Beginn der Weltwirtschaftskrise suchte Beluga externe Kapitalgeber. Um die Finanzlage der Firmengruppe zu schönen, erfand das Management 2010 laut Urteil Umsatzerlöse und fälschte Bilanzen. So wurde der US-Investor Oaktree, der 2010 bei Beluga einstieg, dazu bewogen, dreistellige Millionenbeträge als Darlehen zu gewähren. Ferner veruntreute Stolberg 2010 fünf Millionen Euro eines Privatanlegers, wie aus dem Urteil hervorgeht.

Strafmildernd hielt die Gerichtsvorsitzende Monika Schaefer dem Firmengründer zugute, dass er sich offenbar nicht persönlich bereichert habe. Bei den Taten ab 2010 habe er nur seine Firma und die Arbeitsplätze vor der Krise retten wollen. Nach dem Scheitern dieser Versuche habe er einen „tiefen Fall“ erlebt, sein Lebenswerk verloren und 2,2 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Zudem sei er während des Prozesses schwer erkrankt. Das Gericht hielt ihm ferner zugute, dass er geständig sei und die Schuld auch für seine Mitangeklagten übernommen habe, die auf seine Anweisung gehandelt hätten.

Als strafverschärfend wirkte sich dagegen aus, dass er ein „erhebliches Maß an krimineller Energie“ gezeigt habe, um eine Vielzahl von Rechnungen, Quartalsabschlüssen und Auftragslisten von seinen Mitarbeitern fälschen oder manipulieren zu lassen - und das teilweise schon vor der Krise.

Die Große Wirtschaftsstrafkammer sah keine Belege dafür, dass die Täuschung der Banken bei der Schiffsfinanzierung damals ein branchenübliches Finanzierungsmodell gewesen sei. Laut Urteil spricht auch nichts dafür, dass Oaktree Manipulationen bemerkt und von vornherein eine komplette Übernahme der Reedereigruppe geplant hätte. Der US-Investor hatte Stolberg nach dem Bekanntwerden der Fälschungen sofort als Firmenchef abgesetzt.

Verteidigung und Staatsanwaltschaft wollen jetzt prüfen, ob sie Revision einlegen. Das Urteil sei „viel zu hart“, sagte einer der beiden Stolberg-Anwälte.

Der krebskranke Stolberg verfolgte die anderthalbstündige Urteilsbegründung ohne sichtbare Regung.

Von Eckhard Stengel

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