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00:24 19.07.2018
Vor allem Handwerker werden gesucht: Firmen brauchen dringend Auszubildende. Quelle: dpa
Hannover

Personalchefs sprechen vom „War for Talents“, dem Krieg um Talente. Das klingt martialisch, aber beschreibt die Trendwende präzise: Früher rangelten Bewerber um Ausbildungsplätze, mittlerweile rangeln Firmen um Bewerber. Und das, obwohl Betriebe, Kammern und Behörden seit Jahren vor dem Problem warnen und sich mit zahllosen Projekten dagegenstemmen.

Firmen locken 16-jährige Schulabgänger mit Boni, Kammern entwickeln neue Berufsbilder, schalten teure Image-Kampagnen und arbeiten enger mit Schulen zusammen, die Arbeitsagentur berät Bewerber und bezuschusst Praktika für Flüchtlinge – die Initiativen gegen den Azubi-Mangel würden Bibliotheken füllen. Manches wirkt – zum Beispiel haben die besonders gebeutelten Handwerker zuletzt wieder etwas mehr Azubis gefunden. Flüchtlinge stellen in Hannover schon mehr als 10 Prozent der Bewerber, weil viele von ihnen Sprachkurse absolviert und einen Schulabschluss nachgeholt haben.

Um den Bedarf der Wirtschaft zu decken, reicht all das jedoch bei Weitem nicht. Das liegt an der demografischen Entwicklung, aber auch an Vorurteilen. „Meine Tochter macht eine Ausbildung“, das sagen wenige Eltern mit Stolz. Viele Jugendliche denken ähnlich. Mittlerweile fängt rund die Hälfte jedes Jahrgangs ein Studium an. Es geht um den sozialen Status – nüchterne Aufklärung über Studienabbrecherquoten und die Vorteile der Ausbildung richtet da nicht viel aus. Erfolg versprechender sind Projekte, die eine Ausbildung mit Abitur oder Studium verknüpfen. Solche Modelle gibt es zwar, aber längst nicht überall und in allen Branchen.

Von Christian Wölbert

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