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Hilfe für Erdbebenopfern

Rettern in Haiti läuft die Zeit davon

Bei der Suche nach Verschütteten nach dem schweren Erdbeben in Haiti läuft den Rettern die Zeit davon. Den Opfern droht Gefahr durch Wassermangel und Infektionen - sowie weitere Erdstöße.

Die Suche nach Überlebenden nach dem schweren Erdbeben in Haiti wird zum Wettlauf mit der Zeit. In der Regel können Menschen nur wenige Tage ohne Wasser überleben, auch wenn nach ähnlichen Katastrophen immer wieder Langzeitüberlebende gerettet wurden. Abgesehen vom Wassermangel sind die Menschen in der Erdbebenregion auch mit anderen Problemen konfrontiert, viele sind traumatisiert, wie Frank Dörner, Geschäftsführer der deutschen Sektion der Organisation Ärzte ohne Grenzen berichtet.

Viele Verletzte konnten bisher nur behelfsmäßig oder gar nicht versorgt werden, weil die Krankenhäuser zerstört oder überfüllt sind. Auch zunächst nicht lebensbedrohliche Verletzungen können ohne die nötige Behandlung fatale Folgen haben. Gefahr droht Erdbebenopfern und Verschütteten durch das so genannte Crush-Syndrom. Dabei gibt das durch innere Verletzungen beschädigte Muskelgewebe große Mengen Gift an das Blut ab, was zu akutem Nierenversagen führen kann. Unbehandelt kann das Crush-Syndrom tödlich sein. Zum Katastrophenteam, das Ärzte ohne Grenzen nach Haiti schickt, gehören daher auch Nierenfachärzte.

Durch den Zusammenbruch der Infrastruktur, fehlende Vorräte an sauberem Wasser und die in den Straßen liegenden Leichen können sich zudem Infektionen schnell ausbreiten. Wenn die Menschen gezwungen sind, verunreinigtes Wasser zu trinken, drohen vor allem Durchfallerkrankungen, sagt Dörner, der als Arzt selbst schon in Erdbebengebieten im Einsatz war.

Viele Erdbebenopfer sind zudem traumatisiert, auch wenn sie äußerlich unverletzt geblieben sind. Sie leiden unter einem posttraumatischen Stresssyndrom, weil sie miterleben mussten, wie Angehörigen oder Freunde verschüttet wurden oder ums Leben kamen. Die Betroffenen haben Angststörungen, Schlafstörungen und Albträume. Eine schnelle psychologische Hilfe kann laut Dörner verhindern, dass sich das Trauma verfestigt.

Die wohl größte Gefahr droht Verschütteten durch Verdursten. Während Menschen drei Wochen oder länger ohne Nahrung auskommen können, können sie in der Regel nur drei Tage ohne Wasser überleben. Normalerweise sollte ein Erwachsener bis zu zwei Liter am Tag trinken. Bei Flüssigkeitsentzug kommt es zu Austrocknungserscheinungen, der Kreislauf wird schwächer, die Nieren funktionieren kaum noch und können giftige Stoffwechselprodukte nicht mehr ausscheiden. Die Überlebenschancen sind auch abhängig von der Art der Verletzungen und der Kondition der Betroffenen sowie von der Umgebungstemperatur - je heißer es ist, desto geringer die Überlebenschance.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle von Langzeitüberlebenden. Nach einem Erdbeben nahe der südiranischen Stadt Bam im Jahr 2003 wurde ein 56 Jahre alter Mann nach 13 Tagen gerettet, 1986 überlebte eine 75-jährige Frau im südgriechischen Kalamata zehn Tage unter den Trümmern. Und bei dem Erdbeben im September 1985 in Mexiko-Stadt wurden noch sieben Tage nach der Katastrophe 41 neugeborene Säuglinge lebend gefunden. Diese so genannten Wunderbabys hatten nur überlebt, weil ihr Stoffwechsel mit minimaler Leistung gearbeitet hatte und sie keiner allzu starken Auskühlung ausgesetzt waren.

afp


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