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Minustemperaturen

Europa zittert unter Rekordkälte

Die sibirische Kälte lässt die Menschen in Niedersachsen schlottern. Im Landkreis Hameln-Pyrmont starb in der Nacht zum Donnerstag ein gehbehinderter Rentner aus Lehrte bei Hannover – es ist der erste Kältetote dieses Winters in Niedersachsen.
Foto: Nach der extremen Kälte soll es am Freitag auch in Deutschland schneien.

Nach der extremen Kälte soll es am Freitag auch in Deutschland schneien.

© dpa

Hannover/Berlin. Der  Mann, der mit einem Rollator unterwegs war, starb offenbar an Unterkühlung. Er hatte in einem Seniorenheim in Lehrte gewohnt. Dort war er am Mittwoch verschwunden.

In Magdeburg erfror ein Obdachloser; er wurde am Donnerstagmorgen leblos auf einer Bank gefunden. Der nordrhein-westfälische Sozialminister Guntram Schneider (SPD) appellierte an die Städte, Obdachlosen den Aufenthalt in U-Bahn-Schächten und an anderen geschützten Orten zu erlauben. Der Einzelhandel solle dulden, dass sich Betroffene im Eingangsbereich von Einkaufszentren aufwärmen. „Bei diesen Temperaturen brauchen Menschen den besonderen Schutz und die Solidarität der Gesellschaft“, betonte Schneider. „Wenn Vorschriften dagegen sprechen sollten, brauchen wir unkonventionelle Lösungen, um Obdachlose vor der Kälte zu schützen.“ Wegen des Ansturms auf die Notunterkünfte in Berlin werden in einer Kirche kurzfristig 40 weitere Schlafplätze für Wohnungslose eingerichtet. Die Kälte soll auch über das Wochenende noch andauern – mit Temperaturen bis zu minus 20 Grad.

In einigen Regionen Europas ist die extreme Kälte zu einem ernsten Problem geworden. Besonders dramatische Berichte kommen aus der Ukraine. Nach Angaben der Behörden sind dort weitere 20 Menschen erfroren. Damit stieg die Zahl der Kälteopfer in dem Land seit Beginn des harten Winters auf mehr als 60. Die meisten von ihnen waren obdachlos. Nach Angaben des Zivilschutzministeriums wurden in den vergangenen sechs Tagen mehr als 900 Menschen wegen Erfrierungen und Unterkühlungen in Krankenhäuser gebracht. Die Temperaturen in der Ukraine fielen zum Teil auf bis zu minus 30 Grad. Ministerpräsident Nikolai Asarow rief seine Landsleute auf, Ruhe zu bewahren. Das Land sei auf „diese Herausforderung vorbereitet“. Es seien ausreichende Reserven an Gas und Kohle vorhanden, um die Wärmeversorgung der Bevölkerung zu garantieren.

In Polen ist die Zahl der Kältetoten über Nacht auf 29 gestiegen. Allein in den vergangenen 24 Stunden starben neun Menschen an den Folgen der Kälte, teilte das Warschauer Innenministerium am Vormittag mit. Innenminister Jacek Cichocki rief die Bevölkerung auf, schlafende Obdachlose an Haltestellen oder in Treppenhäusern nicht einfach zu ignorieren. „Jetzt ist der Moment, wo von unserer Sensibilität und Solidarität Menschenleben abhängen“, sagte Cichocki.  Auch in Rumänien ist die Zahl der Kältetoten gestiegen – auf nun 22. Das teilte das Gesundheitsministerium in Bukarest mit. In der Nacht herrschten Temperaturen von minus 31 Grad, gemessen in der nordostrumänischen Stadt Radauti. In Südostrumänien tobten erneut Schneestürme. Teile der Autobahn von Bukarest zum Schwarzen Meer wurden vorsichtshalber geschlossen. Dutzende Züge fielen aus. Im Nachbarland Bulgarien gab es bislang zehn Kältetote.

Marina Leunig 
und Iris Auding


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