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Nach tödlicher Überdosis

Chantals Pflegeeltern nahmen bis zuletzt Heroin

Mehrere Hundert Menschen haben in Hamburg mit einem Trauermarsch der an einer Methadonvergiftung gestorbenen elfjährigen Chantal gedacht. Medien der Hansestadt berichten unterdessen, dass die Pflegeeltern noch bis vor Kurzem Heroin konsumiert haben sollen.
Mehr als hundert Menschen gedachten mit einem Gottesdienst der an einer Überdosis der Ersatzdroge Methadon gestorbenen Chantal.

Mehr als hundert Menschen gedachten mit einem Gottesdienst der an einer Überdosis der Ersatzdroge Methadon gestorbenen Chantal.

© dpa

Hamburg. Nach Informationen der "Welt" (Samstag) wurde in Blut- und Haarproben nicht nur die Ersatzdroge Methadon nachgewiesen, sondern auch Heroin. Das bedeute, dass Chantals Pflegeeltern keinesfalls ihre Sucht mit der Ersatzdroge Methadon im Griff gehabt hätten, berichtete die Zeitung. Chantal starb am 16. Januar im Stadtteil Wilhelmsburg an einer Überdosis Methadon. Die Elfjährige lebte bei den Pflegeeltern, beide waren in einem Methadon-Programm. Das Jugendamt Mitte will über all die Jahre keine Hinweise auf Drogenkonsum gehabt haben.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers, sagte dazu: „Die Staatsanwaltschaft äußert sich aus Ermittlungsgründen zu eventuellen Zwischenergebnissen nicht.“ Offiziell soll die Ermittlungsbehörde die Ergebnisse der Blut- und Haarproben von Chantals Pflegeeltern in der kommenden Woche erhalten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Bei eisiger Kälte haben mehrere hundert Menschen an einem Trauermarsch für Chantal in Hamburg teilgenommen. Die Polizei sprach am Freitagabend von 400 Teilnehmern. Unter ihnen waren Ältere und Jüngere sowie Eltern mit kleinen Kindern. Viele trugen brennende Kerzen. Das Deutsche Rote Kreuz verteilte heiße Getränke.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte nach dem Tod von Kindern in staatlicher Obhut Konsequenzen gefordert. „Der Tod von Chantal und Zoe ist eine Tragödie“, sagte sie der „Welt“ vom Freitag. Noch wichtiger als Aufklärung sei „die Lösung der strukturellen Probleme“, sagte sie dem Blatt.

Die Arbeitsbelastung bei den Jugendämtern sei häufig unerträglich gewesen, sagte die Ministerin. Sie verwies auf ihre Gesetzesreform, die sicherstelle, dass sich ein Amtsvormund in Zukunft höchstens um 50 Kinder kümmere. Der Vormund solle persönlichen Kontakt zum Kind halten und es einmal im Monat zu Hause besuchen. Die Regeln träten zum 5. Juli 2012 in Kraft.

frs/dpa


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