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Bohren in 1700 Metern Tiefe

BP beginnt in kommenden Wochen mit Ölbohrung im Mittelmeer

Der wegen der riesigen Ölpest im Golf von Mexiko in die Kritik geratene britische Energiekonzern BP will in wenigen Wochen mit einer Ölbohrung in 1700 Metern Tiefe vor der libyschen Mittelmeerküste beginnen.
© ap

Das Unternehmen nehme seine Verantwortung „sehr ernst“, sagte ein Sprecher am Sonnabend. Allerdings überschatten Gerüchte, wonach das Geschäft bei der Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters eine Rolle gespielt habe, die Pläne in Libyen.

„Wir rechnen damit, dass die erste Bohrung in den nächsten Wochen beginnt“, sagte BP-Sprecher David Nicholas der Nachrichtenagentur AFP und bestätigte einen Bericht der „Financial Times“. Es gebe jedoch keinen genauen Zeitplan für die insgesamt fünf geplanten Tiefseebohrungen, ergänzte er. BP hatte 2007 einen Vertrag mit Tripolis geschlossen, mit dem er sich für umgerechnet mindestens 700 Millionen Euro die Rechte zur Erschließung eines riesigen Öl- und Gasfeldes im Golf von Sirte vor der Küste des nordafrikanischen Landes sicherte.

Tiefsee-Bohrungen stehen seit der Explosion der BP-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im April im Golf von Mexiko in der Kritik. Das Unglück löste die schwerste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Die BP-Bohrungen im Mittelmeer sollen nun in rund 1700 Meter Tiefe erfolgen - tiefer als im Golf von Mexiko. Der Konzern sei bereit, Lehren aus der Ölpest vor der US-Küste zu ziehen und nehme seine Rolle „sehr ernst“, sagte Unternehmenssprecher Nicholas.

Das Geschäft zwischen Libyen und BP wird vor allem in den USA mit Argwohn verfolgt, nicht nur wegen der Ölpest. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, der Ölkonzern habe sich für die Begnadigung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi eingesetzt, um das Millionengeschäft voranzutreiben. Um die Vorwürfe zu prüfen, soll am Donnerstag eine Anhörung vor dem Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten des US-Senats stattfinden. Unter anderem soll BP-Chef Tony Hayward befragt werden.

Die schottische Regierung hatte den schwer krebskranken Megrahi, der als einziger Attentäter des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug über der schottischen Kleinstadt Lockerbie im Jahr 1988 verurteilt worden war, vor elf Monaten aus humanitären Gründen vorzeitig freigelassen. Bei dem Anschlag waren 270 Menschen getötet worden, die meisten stammten aus den USA. Megrahis Freilassung löste vor allem dort Empörung aus.

Der britische Premierminister David Cameron hatte die Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen Megrahis Freilassung und Geschäften des BP-Konzerns in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Außenminister William Hague bezeichnete die Vorwürfe in einem am Samstag veröffentlichten Brief an US-Senator John Kerry, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses der Kongresskammer, als „unbegründet“. Hague kritisierte in seinem Schreiben die Freilassung Megrahis als „falsch und töricht“.

Das Unternehmen selbst argumentiert, es habe sich bei der Regierung in London für eine Beschleunigung eines Abkommens über einen Gefangenenaustausch mit Libyen eingesetzt. Dabei sei es aber niemals spezifisch um den Fall Megrahi gegangen.

afp


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