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Ölkonzern

BP-Chef Tony Hayward vor dem Rücktritt

Er war das „Gesicht der Ölkatastrophe“, doch beim Krisenmanagement machte er oft eine schlechte Figur: BP-Chef Tony Hayward. Der Geologe, der 28 Jahre für den Konzern gearbeitet hat, muss wohl seinen Hut nehmen. Mit seinem Rücktritt wird noch in dieser Woche gerechnet.
„Gesicht der Ölpest“ unter Druck: Tony Hayward.

„Gesicht der Ölpest“ unter Druck: Tony Hayward.

© dpa

BP macht mit Plänen für neue Tiefseebohrungen indes wieder Schlagzeilen. Obwohl die Ölpest im Golf von Mexiko noch nicht im Griff ist, sollen in wenigen Wochen Bohrschiffe im Mittelmeer aufkreuzen.

BP-Chef Hayward steht seit Wochen unter Druck. Wegen seiner mal zynischen, mal weinerlichen Sprüche ist er zu einer Art Hassfigur geworden. „Ich will mein Leben zurück“, rief Hayward nach wochenlangem Dauereinsatz genervt, während ölverschmierte Vögel hilflos verendeten. Als Bilder von einem Segeltörn mit eigener Jacht im sauberen Ärmelkanal die Runde machten, war der Ruf des Managers ruiniert. Berichten zufolge will BP am Montag über den Zeitpunkt seines Ausscheidens entscheiden. Robert Dudley wird als Nachfolger gehandelt. Der Amerikaner hat bereits die operative Leitung bei der Eindämmung der Ölpest übernommen.

Das Unternehmen trat den Gerüchten um Haywards Rücktritt am Sonntag entgegen. Vor drei Jahren war er es gewesen, der ein Geschäft mit Libyen in die Wege leitete. Der Konzern sicherte sich die Erschließungsrechte für vermutete 20 Quellen in der Mittelmeerbucht „Große Syrte“ für 900 Millionen Dollar. Das Geschäft wurde zum Politikum, denn Libyen verlangte offenbar als Gegenleistung die Freilassung des Lockerbie-Attentäters Abdel Bassett. BP bestätigt, dem damaligen Premier Tony Blair zu einer Einigung über einen Gefangenenaustausch geraten zu haben.

Die neue BP-Bohrung 200 Kilometer vor der Küste westlich der Hafenstadt Bengasi soll 1750 Meter tief reichen – 250 Meter tiefer als die havarierte Bohrung im Golf von Mexiko. Hohe Sicherheitsstandards sind laut BP gewährleistet. Zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen würden getroffen, „darunter die vollständige Kontrolle der Ölbohrplattform vom Typ Noble, die wir nutzen werden“.

Der Geologe Wilhelm Dominik von der TU Berlin sieht vor Libyen ein geringeres Gefahrenpotenzial als im Golf. „Immense Überdrucke treten dort nicht auf“, sagte Dominik gestern dieser Zeitung. Im Unglücksfall könnten allerdings nicht so schnell Absaugschiffe herangeschafft werden wie vor der US-Küste, wo die großen Ölfirmen residieren.

[Dr. Margit Kautenburger]

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