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Eisschnelllauf

Pechstein nimmt WM-Medaille ins Visier

Wohl kaum jemand hätte Claudia Pechstein nach ihrer zweijährigen Sperre ein solches Comeback zugetraut. Mit fast 40 Jahren läuft sie munter in der Weltspitze mit und scheffelt Medaillen. Als nächstes will sie nun auch bei der WM auf dem Treppchen stehen.
Nimmt mächtig Fahrt auf: Claudia Pechstein.

Nimmt mächtig Fahrt auf: Claudia Pechstein.

© dpa

Budapest. Im noblen Ambiente des New York Palace Hotels von Budapest stieß Claudia Pechstein mit ihren Teamgefährten mit einem Gläschen Wein auf ihre elfte EM-Medaille an. Als sie dann aufgerufen wurde, um eine weitere Ehrung für ihren silbernen Auftritt bei den Eisschnelllauf-Europameisterschaften in Empfang zu nehmen, erhoben sich alle Mannschaftskameraden und spendeten kräftig Beifall.

Wieder einmal hatte Pechstein alle verblüfft. „Sie ist von ihrer körperlichen Verfassung her mit einer 25-Jährigen vergleichbar“, verteilte die 17 Jahre jüngere Trainingsgefährtin Isabell Ost Komplimente an die älteste Weltklasse-Läuferin der Eisschnelllauf-Geschichte. Und die Trainer lobten ihre Taktik, ihren Kampfgeist, ihre Erfahrung, die sie sich in mehr als 20 Jahren auf dem Eis erworben hat.

Weniger froh über das Comeback sind offenkundig die Funktionäre des Weltverbandes ISU, die sie 2009 wegen schwankender Blutwerte für zwei Jahre gesperrt hatten. So tobt mittlerweile ein neuer Streit mit ISU-Vizepräsident Jan Dijkema, der Pechsteins zufolge beim Weltcup in Heerenveen geäußert haben soll, dass ihm „alles leid tue“, er aber nichts für sie machen könne. In Budapest wies er diese Version zurück und sprach von „Unsinn“. Einzelheiten des so unterschiedlich interpretierten Gesprächs wollte Dijkema aber nicht preisgeben.

Pechstein empörte sich hingegen, als Lügnerin hingestellt zu werden und will nun erneut das Gespräch mit dem Niederländer suchen.

„Der Fall ist abgeschlossen"

Von Weltverbandsseite war in Budapest erwartungsgemäß nichts Neues in Sachen Pechstein zu erfahren. „Der Fall ist abgeschlossen. Es gibt nichts hinzuzufügen“, erklärte ISU-Präsident Ottavio Cinquanta. Und in der ARD ergänzte er: „Ich bin der Präsident der ISU. Ich habe mich für nichts zu entschuldigen.“ Im Hintergrund bereiten Pechsteins Anwälte den erneuten Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS vor, mit dem sie ihr Verfahren neu aufrollen will. Sie führt eine ererbte Blutanomalie als Grund für ihre Werte an, die auch nach Ablauf der Sperre weiter extrem schwanken.

Auch eine Schadensersatzklage vor einem Berliner Zivilgericht ist in Arbeit.

Sportlich stehen der Berlinerin harte Wochen des Trainings bevor, ehe dann in einem Monat beim Weltcup in Hamar die Generalprobe für die Mehrkampf-WM am 18. und 19. Februar in Moskau steigt. In der russischen Hauptstadt kommt mit der Kanadierin Christine Nesbitt eine ganz starke Konkurrentin hinzu. Und die Niederländerin Ireen Wüst will sich dort für ihre dritten Platz hinter Pechstein bei der EM revanchieren. Die Berlinerin bleibt aber bei ihrem Ziel: „Ich will auch dort um eine Medaille kämpfen.“

Die Zahl ihrer gewonnenen Plaketten interessiert sie jedoch nicht. „Da habe ich mir noch nie einen Kopf drüber gemacht“, behauptet sie. Drei Tage vor ihrem 40. Geburtstag könnte sie in Moskau ihre 57. Medaille bei internationalen Meisterschaften und Olympia erkämpfen.

dpa/kas


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