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Tour de France

Andy Schleck fährt ins Gelbe Trikot

Alberto Contador hat sich auf der Etappe nach L’Alpe d’Huez zurückgemeldet, Andy Schleck fährt jetzt in Gelb – aber größter Favorit auf den Tour-Sieg 2011 ist seit Freitag Cadel Evans. Über den Tagessieg durfte sich Pierre Rolland und damit der erste Franzose bei der 98. Tour de France freuen.
Foto: Pierre Rolland hat die Etappe nach L’Alpe d’Huez gewonnen.

Pierre Rolland hat die Etappe nach L’Alpe d’Huez gewonnen.

© dpa

L’Alpe d’Huez. Alberto Contador hat sich zurückgemeldet - aber größter Favorit auf den Tour-Sieg 2011 ist jetzt Cadel Evans. Die enormen Anstrengungen des Spaniers und sein mutiger Angriff auf der 19. Etappe der 98. Tour de France haben nicht für die große Wende gereicht. Vor dem entscheidenden Zeitfahren am Samstag in Grenoble hat jetzt Evans die Trümpfe in der Hand - es winkt der erste australische Toursieg. Der Ex-Weltmeister liegt nur 57 Sekunden hinter dem neuen Träger des Gelben Trikots, Andy Schleck. Der Luxemburger gilt als schlechter Zeitfahrer, so dass alles auf Evans hindeutet, seit Tour-Beginn die Konstanz in Person. "Ich habe mich ziemlich gut gefühlt, das Team war fantastisch", sagte Evans. "Ich versuche, in Grenoble so schnell wie möglich zu fahren. Ich hoffe, es reicht."

Contador trennen nach der 19. Etappe, die der Franzose Pierre Rolland gewann, 3:55 Minuten von Andy Schleck. "Das war ein guter Tag für uns", sagte Contadors Teamchef Bjarne Riis. "Das Team ist aufgestanden und Alberto ist aufgestanden. Wir hätten gerne die Etappe gewonnen - wir haben alles versucht." Den prestigeträchtigen Tagessieg in L'Alpe d'Huez zwei Tage vor dem Tour-Ende sicherte sich nach nur 109,5 Kilometern Rolland. Der 24-Jährige hatte mit einer enormen Energie-Leistung seinem Kapitän Thomas Voeckler in den vergangenen Tagen immer wieder Geleitschutz gegeben.

Auf der Etappe über drei Anstiege gingen bei seinem Chef aber die Lichter aus - nach zwölf Tagen musste Voeckler sein Gelbes Trikot ausziehen. "Ich bin mit dem heutigen Tag zufrieden, auch wenn es am Schluss nicht mit dem Etappensieg geklappt hat", meinte Contador, der die Mission "Vierter Tour-Sieg" damit offenbar ad acta legte. "Ich habe gekämpft. Es ist sehr schwer, in einem Jahr den Giro d'Italia und die Tour zu gewinnen." In Grenoble 2:58 Minuten auf den starken Zeitfahrer Evans über 42,5 Kilometer aufzuholen, erscheint unmöglich. Die beiden explosiven Alpenetappen hatten die zuvor eher langweilige Tour gerettet. Auf der "Königsetappe" am Vortag hatte Andy Schleck mit einer taktischen Meisterleistung und großem Mut geglänzt.

Am Freitag schlug Contador zurück, der am Donnerstag schon vernichtend geschlagen schien. Beim "Bergsprint" in die Ski-Station L'Alpe d'Huez über die Mini-Distanz hatte der Spanier ohne Rücksicht auf Verluste noch früher angegriffen als Andy Schleck am Tag zuvor. 16 Kilometer nach dem Start in Modane hatte die erstaunliche Comeback-Show begonnen. Dem Antritt des dreifachen Tour-Siegers, dem im August ein Doping-Prozess bevorsteht, konnten nur Andy Schleck, Evans und anfangs Voeckler folgen. Aber im Finale reichten bei Contador die Kräfte nicht mehr für den sehnlichst gewünschten Sieg und einen größeren Vorsprung auf Andy Schleck und Evans.

Voeckler war am Ende seiner Traum-Tour in Gelb. Er fiel der unbändigen Angriffslust Contadors zum Opfer und hatte schon am Col du Télégraph, dem ersten von drei Anstiegen, nach anfänglich verbissenem Widerstand den Kontakt zu den Topfahrern verloren. Der bisher so clever fahrende Evans schien seinen Ruf des ewigen Tour-Pechvogels doch noch zu bestätigen. Am Télégraphe hatte er dreimal technische Probleme mit seinem Rad und im Handumdrehen auf Contador und Andy Schleck fast zwei Minuten verloren.

Aber der BMC-Kapitän kämpfte sich mit unglaublicher Energie wieder an die Spitzengruppe heran. Noch vor Beginn des finalen 13,8 Kilometer langen Anstiegs nach L'Alpe d'Huez - für Hunderttausende Fans wieder die Bühne für ein feuchtfröhliches Volksfest - hatte Evans zu Contador, dessen verbündetem Euskaltel-Kapitän Samuel Sanchez und Andy Schleck aufgeschlossen. Alle Topfahrer nahmen den Schlussanstieg vereint in Angriff. 12,5 Kilometer vor der Ziellinie startete Contador seinen zweiten großen Angriff des Tages. Gegen die verrückte Menschenmenge hatte er sich einmal sogar mit der Faust zur Wehr setzen müssen.

dpa


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