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Niedersachsen Wie Niedersachsen zum Reformationstag fand
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17:56 29.10.2018
Wie auf diesem Gemälde von Hugo Vogel stellte man sich die Verbreitung der 95 Thesen von Martin Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg vor. Heute weiß man: Einen solchen Thesenanschlag gab es nicht – Luther verteilte wohl eher Flugblätter. Quelle: epd
Hannover

Die Grüne Anja Piel will den neuen Feiertag ganz bewusst „in den Dienst der Aufklärung“ stellen und mit dem Parteinachwuchs, der Grünen Jugend, auf den Bückeberg bei Hameln ziehen. Der war einst eine Kultstätte der Nationalsozialisten und soll bald Gedenkstätte werden. „Den Tag mit Arbeit zu nutzen ist doch ganz im Sinne Calvins, eines großen Reformators“, sagt Piel.

Der Liberale Stefan Birkner will den ersten neuen Feiertag der Niedersachsen „ganz für Freizeit und Familie nutzen“. Beide waren vehement dagegen, ausgerechnet den Reformationstag zum neuen Feiertag zu erheben.

Wie auch Johann Albrecht Haupt von der Humanistischen Union. Er wird am Reformationstag an einem Aufsatz feilen, der die erheblichen staatlichen Leistungen an die Kirchen infrage gestellt: „Ganz im Sinne der Trennung von Staat und Kirche.“

So werden am morgigen Mittwoch auch viele Gegner von der neuen Feiertagsregelung profitieren, die in Niedersachsens Landtag hoch umstritten war, aber für die sich dennoch eine breite Mehrheit fand. Kein Wunder, in Niedersachsen regiert seit knapp einem Jahr eine Große Koalition.

Luther ließ es gerne krachen

Der Reformator Martin Luther, der es selbst in Debatten gerne krachen ließ, hätte wohl seine Freude gehabt an den lebhaften Kontroversen, die im Landtag ausgebrochen waren, als über den neuen Feiertag gestritten wurde. Denn endlich konnte in einem Parlament, das sich sonst mit der betäubungslosen Kastration von Ferkeln oder der Reduktion von Nährstoffüberschüssen herumschlägt (so vornehm wird in Niedersachsen die Gülle tituliert) über die großen Sinnfragen diskutiert werden. Wollen wir endlich einen weltlichen Feiertag oder noch einen kirchlichen? Müsste nicht eher der Weltfrauentag mehr gewürdigt werden oder der Europatag? Könnte man nicht alle Verstimmungen mit den jüdischen Gemeinden vermeiden, die wie deren Landesverbandsvorsitzender Michael Fürst in Luther vor allem den Antisemiten sahen?

Konnte man nicht. Denn Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zog sein Projekt durch, den Niedersachsen den Reformationstag als neuen Feiertag zu bescheren – auch unter leichtem Druck auf die eigene Fraktion. Und die befreundete CDU-Fraktion zerriss die leidige Feiertagsfrage nicht, obwohl einige Prominente in den eigenen Reihen die Seiten wechselten und etwa Landtagsvizepräsident Bernd Busemann plötzlich für den Buß-und Bettag warb, obwohl er als Landtagspräsident noch als einer der ersten den Reformationstag einführen wollte.

Keine Chance gegen Halloween?

Doch nun herrscht Frieden – und es freut sich nicht nur der Deutsche Gewerkschaftsbund über einen Gedenktag, weil er ein freier ist, während Wirtschaftsverbände über diese Subventionierung des Freizeitgedankens immer noch grummeln. Und weil der Reformationstag schon lange kein Sturmgeschütz der Protestanten gegen die vermeintlich feindlichen Katholiken mehr ist, wird der (katholische) Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer am 31. Oktober als Festprediger im Braunschweiger Dom erwartet. Die Festandacht in der hannoverschen Marktkirche bleibt an diesem Tag indes in evangelischer Hand.

Doch sind auch am protestantischsten aller Feiertage die größten christlichen Anstrengungen vonnöten: Gegen den merkantilen Halloween-Kürbiskult kam selbst Margot Käßmann nicht an. Das will in diesen gruseligen Zeiten viel bedeuten!

Von Michael B. Berger

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