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Abwasser

Streit um Salz-Pipeline in die Nordsee

In der Debatte über den Bau einer Salzabwasser-Pipeline zur Nordsee bahnt sich Streit zwischen den Ländern Niedersachsen und Hessen an. Die Fernleitung würde größtenteils durch Niedersachsen verlaufen.
K+S-Mitarbeiter stehen im Werk Werra bei Heringen vor einem Großlader für den Abtransport von Salz.

K+S-Mitarbeiter stehen im Werk Werra bei Heringen vor einem Großlader für den Abtransport von Salz.

© dpa

Der geplante Bau einer Salzabwasser-Pipeline zur Nordsee sorgt für Streit zwischen den Ländern Niedersachsen und Hessen. Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) lehnte eine solche Fernleitung am Mittwoch in Hannover klar ab. Aus Sicht der hessischen Landesregierung ist die Entscheidung aber noch offen.

Mit der Pipeline soll das salzhaltige Abwasser aus den Werken des Kasseler Kaliherstellers K+S entsorgt werden. Bisher wird das Salzwasser in die Werra und in den Untergrund geleitet. Darunter leidet aber unter anderem die Landwirtschaft in der Region, so dass ein Runder Tisch seit längerem nach einer Neulösung für die Wasser-Entsorgung suchte.

Das Gremium schlug am Dienstagabend in Kassel den Bau einer Pipeline vor. Niedersachsens Umweltminister Sander sagte dazu: „Nach wie vor halte ich den Bau einer Pipeline zur Nordsee für völlig unrealistisch. Wir müssen alles dafür tun, um weitere Belastungen unseres Küstenmeeres und des Weltnaturerbes Wattenmeer zu vermeiden.“ Dagegen teilte seine Amtskollegin in Wiesbaden, Silke Lautenschläger (CDU), mit: „Ungeachtet der derzeit skeptischen Haltung Niedersachsens und von K+S ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das Thema bleibt auf der Tagesordnung.“

Dem Runden Tisch gehören Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kommunen und Verbänden von fünf Bundesländern an. Auch Niedersachsen ist dort vertreten. Eine Sprecherin von Umweltminister Sander sagte, bei der Entscheidung des Runden Tisches über die Pipeline hätte es drei Gegenstimmen gegeben, 20 Vertreter stimmen mit Ja. Eine Fernleitung zur Nordsee würde größtenteils durch Niedersachsen verlaufen.

Seit fast vier Jahren wird heftig um die 14 Millionen Kubikmeter Salzlösung gestritten, die jedes Jahr bei der Kali-Förderung von K+S anfallen. Bislang wird das Salzwasser zur Hälfte in die Werra gekippt und zur Hälfte in den Untergrund gepresst. Zwar gibt es seit Jahren Klagen über die Umweltschäden, aber an der Kaliförderung hängen in Nordhessen und Westthüringen auch rund 5700 Arbeitsplätze.

Sander forderte das Kasseler Unternehmen K+S auf, es solle mit Hilfe technischer Lösungen die Entstehung von Laugen verringern. „Ich bin sicher, dass gemessen an den geschätzten Kosten einer Pipeline von 500 Millionen Euro eine weitgehende Reduzierung der Belastung an der Quelle machbar ist. Hier sehe ich noch weitaus mehr Potenzial als mit dem von K+S beschlossenen 360 Millionen Euro Investitionsprogramm realisiert werden soll“, erklärte der Umweltminister.

Mit Standorten in Europa sowie Nord- und Südamerika ist das Unternehmen einer der führenden Kali-Hersteller der Welt. K+S hatte stets eine 63 Kilometer lange Leitung favorisiert, die die Lauge von einem Werk bei Fulda an die Werra transportieren soll. Derzeit geschieht das mit etwa 200 Lastwagenfahrten täglich. Die Belastung für den Fluss ist jedoch erheblich. Aus Sicht des runden Tisches soll spätestens im Jahr 2020 die Einleitung des Salzes in die Werra und den Untergrund aufhören.

lni


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