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Niedersachsen Bauern sehen nationalen Notstand
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20:27 27.07.2018
Die Ernteeinbußen in diesem Jahr werden wohl immens sein – das fürchtet der Bauernverband. Quelle: dpa
Hannover

Hitze und Trockenheit machen den Landwirten schwer zu schaffen. Niedersachsen sei von der Dürre mit am stärksten betroffen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landesbauernverbandes, Jörn Ehlers, am Freitag: „Die Not besonders bei den Futterbaubetrieben ist dramatisch.“

Vielerorts werde nur die Hälfte der üblichen Getreidemenge geerntet. Auch Kartoffeln und Rüben litten enorm. Rinderhalter hätten angesichts vertrockneter Wiesen Mühe, genug Raufutter für die Tiere vorzuhalten.

Die Berufskollegen benötigten dringend staatliche Hilfe, die ihnen die Situation erträglicher mache, meinte das Mitglied des Landvolkvorstands. Denkbar sei unter anderem, den nationalen Notstand auszurufen, wie es zuvor mehrere Bauernverbände gefordert hatten. „Das könnte ein Baustein von mehreren sein“, sagte Ehlers der HAZ.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums kann frühestens nach Abschluss der Ernte im August geprüft werden, ob ein „Ereignis von nationalem Ausmaß“ vorliegt und somit der Notstand auszurufen sei. Nur dann könne der Bund mit Geld helfen.

Für Dienstag sei zunächst ein Treffen von Abteilungsleitern des Bundes und der Länder geplant. Dabei solle eine vorläufige Bestandsaufnahme der Schäden vorgenommen werden.

Mit dem niedersächsischen Agrarministerium hat sich das Landvolk bereits darauf verständigt, dass die regelmäßigen EU-Zahlungen in diesem Jahr so früh wie möglich an die Bauern weitergeleitet werden sollen. „Das Geld kann aber frühestens Anfang Dezember überwiesen werden“, sagte Ehlers übereinstimmend mit dem Ministerium.

Millionen junge Bäume drohen zu vertrocknen

Auch die Forstwirte befürchten erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Während ältere Bäume sich durch frühzeitigen Laubabwurf schützen, drohen nach Angaben von Berufsverbänden die ein und zwei Jahre alte Bäume zuhauf der Dürre zum Opfer zu fallen. Allein die Landesforsten haben zuletzt 4 Millionen Bäume, darunter viele Buchen, gepflanzt, wie Sprecher Mathias Aßmann berichtet: „Um die machen wir uns wirkliche Sorgen.“

Es gebe keine Möglichkeit, die Flächen mit Wasser zu versorgen. Wenn es mal einen Schauer gebe, dringe der wenige Regen kaum durch die Kronen älterer Laubbäume bis zu den bedürftigen Jungpflanzen vor. Der Bund für Umwelt und Naturschutz forderte die Bürger auf, in Städten eigenständig junge Bäume zu wässern und so zu retten.

Weiter erhöht hat sich die Waldbrandgefahr. In ganz Niedersachsen galt am Freitag die höchste Warnstufe 5. „Einzige Ausnahme ist der Landkreis Rotenburg, wo in der Nacht ein Unwetter niedergegangen ist“, sagte Michael Lemmel vom Innenministerium. Für Sonnabend erwartete Schauer würden die Lage voraussichtlich nur kurz entspannen. Die Überwachungsflugzeuge der Feuerwehr, die von Hildesheim und Lüneburg aus starten, sind derzeit täglich rund sechs Stunden im Einsatz.

Sie ergänzen die Arbeit der Waldbrandzentrale in Lüneburg, die mit 20 fest installierten Kameras den besonders gefährdeten Nordosten des Landes im Blick hat. Bisher seien meist kleinere Brände auf Ernteflächen geortet und erfolgreich bekämpft worden.

Die hohe Brandgefahr führte am Freitag dazu, dass die Stadt Hannover das Grillen in öffentlichen Parks und Grünanlagen verboten hat.

Stader Wasserwerk verbietet das Rasensprengen

Um die Wasserversorgung müssen sich die Niedersachsen nach Angaben des Umweltministeriums derzeit keine Sorgen machen. Wegen des ausgiebigen Regens im vergangenen Jahr sei noch ausreichend Grundwasser da. Allerdings meldeten einzelne Wasserversorger Engpässe – etwa in Osnabrück, wo der erhöhte Bedarf über Reservebrunnen gedeckt wird.

Der Wasserverband Stader Land entschloss sich zu einem Verbot und teilte seinen Kunden mit: „Bis zum Ende der Trockenperiode ist die Nutzung des Trinkwassers für Beregnungszwecke, Wagenwaschen und die Befüllung privater Schwimmbäder untersagt.“

Relativ gut haben bisher die Autobahnen die hohen Temperaturen überstanden. Nach Angaben der Landesbehörde für Straßenbau mussten in dieser Woche drei hitzebedingte Schadstellen an Betonfahrbahnen der A 27 und A 29 im Nordwesten des Landes behoben werden. Zwei Drittel der insgesamt 1300 Autobahnkilometern bestünden aus Asphalt, sagte eine Sprecher: „Der ist wenig hitzeempfindlich.“ Trotzdem werde etwa auf der A 7 weiterhin Beton neu verbaut, das als langlebiger und in der Regel als kostengünstiger gelte.

Ab Sonntag sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) wieder trockenes Sommerwetter voraus. In der kommenden Woche werde das Thermometer in Niedersachsen zwar nicht mehr ganz so hoch klettern, sagte DWD-Meteorologin Julia Schmidt in Hamburg. Aber bei annähernd 30 Grad könnte es deutlich schwüler werden.

Von Gabriele Schulte

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