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Niedersachsen Straffes Programm duldet keine Erschöpfung
Nachrichten Politik Niedersachsen Straffes Programm duldet keine Erschöpfung
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20:09 20.09.2018
Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (2. v. r) besucht das VW-Werk in Wreschen. Quelle: Privat
Warschau/Posen/Hannover

Die Mundwinkel zucken, die Augen bekommen einen leichten Glanz. „Ich habe ihnen eine 50-seitige Grundsatzrede über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Polen mitgebracht“, sagt Bernd Althusmann beim Festakt in Posen. Ein gut abgehangener Politiker-Scherz, der seine Wirkung dank der Übersetzung ins Polnische aber lange entfalten kann. Einige Gäste schauen tatsächlich entsetzt. „Sie können sich entspannen, es wird kurz“, sagt der CDU-Politiker trocken – zur allgemeinen Erleichterung. Vielleicht auch, weil das Buffet schon verlockend duftet.

Dann tut der Minister das, was ein guter Politiker tun sollte. Er bringt seine Botschaft in wenigen, wohl überlegten Sätzen unters Volk. Der Minister lobt die 25-jährige Partnerschaft zwischen Niedersachsen und der Region Großpolen, spricht von einer „herausragenden Bilanz“ der wirtschaftlichen Beziehungen, bezeichnet die Reise seiner Delegation als Erfolg. Und hebt er für einen Moment den Zeigefinger. „Das Erstarken des Nationalismus ist ein Warnsignal für alle, die für ein freies Europa stehen. Europa ist unser Friedensanker und wird es auch in Zukunft bleiben.“ Eine Mahnung in unruhigen Zeiten, die sich an Deutsche und Polen richtet.

Bernd Althusmann ist seit knapp einem Jahr Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung sowie stellvertretender Ministerpräsident. Er ist CDU-Landeschef, Aufsichtsratschef der Deutschen Messe AG – im Aufsichtsrat von VW sitzt er auch. Althusmann, der Vielbeschäftigte. Althusmann, der viel kritisierte. Topos-Affäre, Verzögerungen beim Masterplan Digitalisierung, Probleme bei Enercon. Ein Spitzenpolitiker, an dem sich die Opposition gerne abarbeitet, der auch in der eigenen Partei noch nicht jeden mitreißt. Die 60 Nein-Stimmen bei der Wiederwahl zum Landeschef vor zwei Wochen können als Beleg dafür gelten.

In Polen spielt das alles keine Rolle. Es ist die erste Auslandsreise. Eine Delegation von rund 50 Unternehmern begleitet den Minister. „Polen ist ein wichtiger Handelspartner für Niedersachsen und bietet für deutsche Unternehmen attraktive Geschäftschancen. Wir wollen die guten Wirtschaftsbeziehungen beider Länder weiter ausbauen“, begründet Althusmann das Reiseziel.

Der Start verläuft etwas holprig, weil sich die Zahl der Gesprächspartner in Warschau schnell halbiert. Ein Staatssekretär ist krank, ein anderer sagt kurzfristig ab, weil er mit dem Präsident in die USA fliegen muss. Der Dritte hat Zeit, erkundigt sich aber erst mal nach den Hintergründen des tödlichen Unfalls eines polnischen LkW-Fahrers an der A7. Althusmann nimmt es gelassen. Zwischen Suppe und Hähnchenkeule koordiniert er mittags in einem Restaurant die Positionen der CDU-geführten Länder im Bundesrat. Noch ein Nebenjob.

Beim polnischen Digitalisierungsminister Marek Zagórski findet der Gast offene Ohren. Man versteht sich offenbar unter studierten Pädagogen. Doch als Althusmann um polnische Arbeiter für den Breitbandausbau in Niedersachsen wirbt, winkt Zagórski lächelnd ab. An Fachkräften mangelt es auch in Polen. Man will im Gespräch bleiben. Trotz des guten Gesprächs insgesamt eher dicke Luft in Warschau. Vielleicht auch, weil hier die nationalkonservative PiS-Partei regiert, die gerne gegen Deutschland und die EU stänkert.

Rund 300 Kilometer weiter westlich läuft es am nächsten Tag deutlich besser. Das neue VW-Werk in Wreschen ist ein deutsch-polnisches Vorzeigeprojekt. Der Crafter wird hier gebaut. Alle vier Minuten rollt ein Auto vom Band. VW Posen hat rund 11 000 Mitarbeiter, gilt als einer der beliebtesten Arbeitgeber im Land. Das hört der Aufsichtsrat natürlich gerne. Der Diesel-Skandal ist kein Thema.

Es mag an der strapaziösen Reise liegen oder am langatmigen Vortrag – beim Besuch in der Dependance des Oldenburger Energieversorgers EWE in Posen nickt der nimmermüde Althusmann kurz ein, fängt sich aber schnell wieder. Das straffe Programm eines Minister duldet keine Erschöpfung.

In Posen laufen die Geschäfte auch für die mitgereisten Unternehmer besser als in Warschau. Das hebt die Stimmung. Das bringt offenbar auch Punkte für den Minister. In der Delegation wird er als „sympathisch“ und „zugänglich“ beschrieben. Den zaudernden, den misstrauischen Althusmann haben sie hier nicht kennengelernt. „Der Minister ist jetzt in seinem Element“, sagt einer nach der Festrede in Posen.

Von Marco Seng

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