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Niedersachsen „Irgendwann wird man die Jäger rufen“
Nachrichten Politik Niedersachsen „Irgendwann wird man die Jäger rufen“
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00:19 15.02.2019
„Die Politik muss das Problem lösen“: Helmut Dammann-Tanke ist seit 2008 Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. Quelle: Handout

Herr Dammann-Tamke, nach neuesten Zahlen des Umweltministeriums haben Wölfe in Niedersachsen bereits 66 Weiderinder gerissen, also ziemlich große Tiere. Der Umweltminister will einen dieser Wölfe jetzt abschießen lassen.Was sagen Sie als Präsident der Landesjägerschaft dazu?

Wenn Wölfe schon auf Rinder losgehen, dann ist die Akzeptanz dieses unter strengem Naturschutz stehenden Raubtiers in der Bevölkerung gefährdet. Wenn ein Rudel sich auf Nutztierrisse spezialisiert hat, sieht sogar die sehr strenge Naturschutzrichtlinie der EU (FFH-Richtlinie) Ausnahmen vor. Da ist es nur konsequent, wenn der Umweltminister einen problematischen Wolfsrüden abschießen lassen will. Ich begrüße das.

Sie führen die Akzeptanz in der Bevölkerung an. Nun ist die Meinung in der Bevölkerung sehr geteilt. Die einen begrüßen die Rückkehr des Wolfes aufs Heftigste, die anderen, vor allem Schäfer und andere Nutztierhalter, fordern dringend ein staatliches Einschreiten. Was sagen Sie dazu?

Ich staune manchmal nur noch. Es gibt kaum ein anderes Thema, das so polarisiert in der Debatte ausgetragen wird, wie unser Umgang mit dem Wolf. Der Wolf übt ohne Zweifel auf die Menschen eine Faszination aus, die aber in beide Richtungen geht – von kategorischer Ablehnung bis hin zu einer fast schon religiösen Überhöhung dieses Tieres. Fakt ist: Der Wolf ist ein Prädator, ein Fleisch fressendes Raubtier, das an der Spitze der Nahrungspyramide steht. Wenn wir ihn lassen, wird er in den nächsten Jahren eine flächendeckende Besiedlung vornehmen. Es wird irgendwann auch ein Problem der Menge.

Wie meinen Sie das?

Zuerst haben die Menschen auch auf dem Lande die Rückkehr des früher ausgerotteten Wolfes begrüßt. Bis zu einem gewissen Grad sind die Menschen auf dem Lande auch bereit, im Sinne des Natur- und Artenschutzes Einschränkungen hinzunehmen. Die Balance ist aber gefährdet, wenn die Wolfspopulationen derart stark werden, dass sich Angriffe auf Schafe, Rinder, Pferde häufen. Da ist die Politik gefordert, etwas zu tun – auch im Hinblick auf den Artenschutz, den der Wolf auch in den Augen der Jäger weiterhin genießen soll. Wir stellen fest: deutschlandweit wächst die Population des Wolfes mit derzeit um dreißig Prozent, aber die bestätigten Wolfsterritorien in Niedersachsen wachsen mit einer Geschwindigkeit um sechzig Prozent.

Was heißt das?

Das Wachstum wird in den Territorien, wo der Wolf bereits ansässig ist, sich noch einmal wesentlich beschleunigen. Zuerst entstand das Wachstum durch zuwandernde Wölfe, die aus dem Osten kamen. Was in Sachsen und Brandenburg noch langsam begann, was in Sachsen-Anhalt sich schon dynamischer zeigte und sich in Niedersachsen ziemlich beschleunigte, wird in den Bundesländern, wo der Wolf sich jetzt ansiedelt, noch schneller geschehen.

Wie viel Wölfe verträgt Niedersachsen?

Das lässt sich leicht ausrechnen. Wenn wir es dem Wolf überlassen, dann braucht ein Rudel etwa 200 bis 300 Quadratkilometer freiliegender Landschaft. Dann ist es eine reine Rechenaufgabe.

Nach meiner Rechnung wären dann im 47618 Quadratkilometer großen Niedersachsen bei einer Durchschnittsrudelzone von 300 Quadratkilometern etwa 158 Rudel möglich. Heute haben wir 22 ...

Das ist aber nicht das, was wir in Niedersachsen als Ziel anstreben sollten. Ich nenne nur den Konflikt mit den Deichschäfereien an der Küste, die kaum Möglichkeiten haben sich vor Wolfsangriffen zu schützen. Dabei stellt das Abgrasen der Deiche durch die Schafe aktiven Deichschutz dar in einer Gegend, die unter dem Meeresspiegel liegt. In einer solchen Region, den Wolf für sakrosankt zu erklären, halte ich für fahrlässig.

Sie halten die Hürden, die einen Wolf vor einem Abschuss schützen, für zu hoch?

Die FFH-Richtlinie, die ihn unter strengen Schutz stellt, ist in vielen Bereichen eine wunderbare Sache. Nur sie ist 1992 entstanden – in einer Zeit, als wir die Wolfsproblematik so noch gar nicht hatten. Wenn wir die Population des Wolfes im Jahre 1992 in Europa mit der heute vergleichen, kann man sagen, dass diese Richtlinie ein Erfolg war. Denn der Wolf ist wieder in Europa etabliert. Aber so eine Richtlinie ist nicht in Stein gemeißelt, sondern muss neuen Erfordernissen angepasst werden – und die sind durch die rasante Ausbreitung des Wolfes gegeben. Im übrigen stellt auch der Wolf den Naturschutz infrage, etwa indem seltene Nutztierrassen, die auch unter Schutz stehen, gerissen werden. Dann nimmt der Wolf keine Rücksicht. Und wenn keine Weidetiere mehr im Freien gehalten werden können, leidet nicht nur die Fauna sondern auch erheblich die Flora.

Was empfehlen Sie?

Dass die Politik das Problem löst. Wir Jäger sind da raus. Ich rate meinen Verbandskollegen auch, sich da rauszuhalten, weil wir sonst nur als Menschen dargestellt werden, die nur schießen und nicht die Natur erhalten wollen. Nein, die Politik muss das Problem lösen..

Nun sind Sie selbst Mitglied des Landtages und Politiker. Was raten Sie?

Ich rate zu einem Blick nach Frankreich, wo die Franzosen schon vor Jahren weitsichtiger vorgegangen sind und einen regulatorischen Abschuss von Wölfen erlaubt haben. Irgendwann, das prophezeie ich Ihnen wenn die Akzeptanz völlig dahin ist, wird man auch in Deutschland wieder die Jäger rufen...

Von Michael B. Berger

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