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Beamtenrecht

Er will hier doch nur arbeiten

Die Geschichte von Elmar-Georg Hauf ist gelebter Föderalismus in Zeiten knapper Kassen: Seit sieben Jahren versucht der Finanzbeamte aus Trier vergeblich nach Niedersachsen zu Frau und Kind zu wechseln. Doch die Haushaltslage verhindert das. Jetzt hat sich der Petitionsausschuss des Landes der Sache angenommen.
Foto: Sehen sicht fast nur im Urlaub: Elmar-Georg Hauf und sein Sohn Aeneas.

Sehen sicht fast nur im Urlaub: Elmar-Georg Hauf und sein Sohn Aeneas.

© privat

Hannover. Wenn Elmar-Georg Hauf seine Frau und seinen fünf Jahre alten Sohn sehen will, dann muss er ins Auto steigen und 400 Kilometer von Trier nach Osnabrück fahren. Der Finanzbeamte arbeitet an der Mosel in Rheinland-Pfalz, seine Frau als Archäologin an der Hase in Niedersachsen. Jeden Freitag steigt er um 13 Uhr in sein Auto und fährt in Richtung Norden. Zurück geht es am Montagmorgen "um 3.15 Uhr", wie der 46-Jährige mit der gewünschten Akkuratesse eines Finanzbeamten sagt: "Dann bin ich um sieben Uhr auf der Dienststelle. Das ist ein ganz schöner Ritt."

Die Geschichte von Elmar-Georg Hauf ist gelebter Föderalismus in Zeiten knapper Kassen. Lehrer oder Richter machen ähnliche Erfahrungen. Seit fünf Jahren, seit der Geburt seines Sohnes Aeneas, versucht Hauf, von Rheinland-Pfalz nach Niedersachsen zu wechseln. Dies wird ihm regelmäßig verwehrt: Kein Geld, heißt es aus dem Finanzministerium. Hauf müsse schon einen Tauschpartner präsentieren, der im Gegenzug nach Rheinland-Pfalz ginge. Und selbst dann wäre nicht sicher, dass der 46-Jährige in den Landesdienst aufgenommen würde. Jetzt hat sich der Petitionsausschuss im Landtag der Sache angenommen. Der Linken-Abgeordnete Manfred Sohn hat den Fall zugewiesen bekommen: "Mich empört die Mentalität der Landesregierung gegenüber dem Recht einer Familie auf ein gemeinsames Leben", sagt er.

Doch das Finanzministerium stellt sich weiter quer. Es fehlt nicht nur das Geld im Personaletat, um einen weiteren Beamten der mittleren Laufbahn einzustellen. Hauf hat im Jahr 2002 eine negative Bewertung von seinem Vorgesetzten erhalten. Es habe "atmosphärische Störungen mit dem Vorgesetzten" gegeben, sagt Hauf. Dass er seitdem Beurteilungen erhalten hat, die ihm bescheinigen, besser als der Durchschnittsbeamte zu sein, lässt das Finanzministerium nicht gelten. Hauf komme für die Verwendung in der niedersächsischen Finanzverwaltung nicht in Betracht. Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) nehme damit die Haltung eines "Dorfpaukers aus dem 19. Jahrhundert" an, zürnt Sohn: "Einmal schlecht, immer schlecht."

Dabei fehlen dem Land Finanzbeamte an allen Ecken und Enden. Nach Angaben der Deutschen Steuergewerkschaft gibt es in der Finanzverwaltung in Niedersachsen ein Personalminus von 1200 Stellen. "Hinzu kommt, dass demnächst 4000 bis 5000 Kollegen in den Ruhestand gehen", sagt der Landesvorsitzende der Steuergewerkschaft, Thorsten Eichenauer.

Zwischenzeitlich hat das Ministerium seine Argumentation geändert: Es gebe ein bis zwei Bewerber aus Rheinland-Pfalz, die ebenfalls gewichtige persönliche Gründe für einen Wechsel nach Niedersachsen vorweisen könnten. Sie gingen Hauf "leistungsmäßig vor", heißt es.

Hauf ist am Dienstag wieder einmal ins Auto gestiegen, um Richtung Norden zu fahren. Diesmal hat er einen Zwischenstopp in Hannover eingelegt, um am Mittwoch im Petitionsausschuss sein zu können. Er hofft sehr auf die Hilfe des Landtages: "Endlich könnte ich meinen Sohn täglich sehen - und meine Frau besser unterstützen." Daniela Hauf könnte als Freiberuflerin die Hilfe ihres Mannes im Haushalt gut gebrauchen. "Ich arbeite auch abends und an Wochenenden." Derzeit macht die Vorbereitung der Feier zum 500. Jahrestag des Osnabrücker Rathauses viel Arbeit. Und außerdem: "Mein Sohn vermisst seinen Vater sehr."

[Karl Doeleke]

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