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Niedersachsen Aus Protest: Niedersachsens Ditib-Chef tritt zurück
Nachrichten Politik Niedersachsen Aus Protest: Niedersachsens Ditib-Chef tritt zurück
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00:17 28.11.2018
Yilmaz Kilic, Vorsitzender Islamische Religionsgemeinschaft DITIB Niedersachsen und Bremen e.V., tritt zurück, weil die Türkei zu viel Einfluss auf seinen Verband nimmt. Quelle: dpa
Hannover

Die zunehmende Einflussnahme türkischer Regierungsorganisationen auf muslimische Gemeinden in Deutschland sorgt nun auch in Niedersachsen für Erschütterungen. So ist der langjährige Vorsitzende der niedersächsischen Ditib-Gemeinden, Yilmaz Kilic, am Sonntag von seinem Amt zurückgetreten. „Wegen der wachsenden Einmischung habe ich jetzt die Reißleine ziehen müssen“, sagte der Osnabrücker Kaufmann der HAZ.

Er habe sich immer wieder gegen die Einmischung sowohl der Ditib-Zentrale in Köln als auch vom türkischen Religionsattaché wehren müssen. „Wir haben als niedersächsischer Landesverband immer einen eigenständigen Weg gehen wollen, doch hier leider keine Unterstützung aus Köln bekommen.“ Kilic ist nach eigenen Worten mit seinem gesamten Vorstand zurückgetreten. Zum Nachfolger wurde Ali Ihsan Ünlü gewählt.

Machtkampf verloren

Der Moscheeverband Ditib ist der größte in Niedersachsen und Bremen und vertritt mit 85 Gemeinden nach Kilic’ Angaben etwa 160.000 Muslime. Er untersteht der Aufsicht der türkischen Religionsbehörde, doch hat er sich seit Jahren als Landesverband um eine größere Eigenständigkeit bemüht. Die wurde in den vergangenen Jahren auch betont, als sich die Ditib-Gemeinden mit den etwas unabhängigeren Schura-Gemeinden um den Abschluss eines Staatsvertrages mit dem Land Niedersachsen bemühten. Dazu kam es aber nicht – letztlich auch wegen der innerstaatlichen Auseinandersetzungen in der Türkei.

Kilic war seit 2011 Ditib-Landesvorsitzender und im vergangenen Jahr für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt worden. Doch sei ihm nun wegen der anhaltenden Konflikte mit der Ditib-Zentrale in Köln nahegelegt worden, das Amt abzugeben. Deshalb trat er am Sonntag mit seinem Vorstand zurück. Auch die Vorstände des Jugend- und Frauenverbandes traten zurück.

 „Ditib ist eine gute Organisation, wir brauchen sie, weil sie einen Islam der Mitte vertritt“, sagte Kilic der HAZ. Aber die Landesverbände bräuchten auch Eigenständigkeit. Die habe es anfangs auch gegeben. Doch in den letzten Jahren habe es immer mehr Versuche gegeben, die niedersächsische Ditib zu kontrollieren. „Das war bei Wahlen als auch bei Gemeindeversammlungen. Ich kann als ehrenamtlicher Vorsitzender auch nicht täglich einen Bericht abgeben.“ Problematisch sei auch, dass Ditib über die aus der Türkei entsandten Imame Einfluss auf die Gemeinden nehme. „Das sind theologisch hoch qualifizierte Leute, die aber nicht wissen, wie wir Muslime hier in Niedersachsen fühlen und denken.“

Ministerpräsident Weil will Zusammenarbeit überprüfen

Kilic’ Rücktritt schlägt hohe Wellen – nicht nur in der islamischen Szene. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte, er empfinde Kilic’ Rückzug als „echten Rückschlag“ für die bisherigen Bemühungen, mit den Moslems auf eine vertiefte Gesprächsebene zu kommen. „Herr Kilic war für uns ein enger, seriöser Gesprächspartner. Es ist zu befürchten, dass der niedersächsische Landesverband auf Linie gebracht worden ist. Die weitere Zusammenarbeit wird nun zu überprüfen sein.“ Auch Recep Bilgen, der Vorsitzende des zweiten großen Moscheeverbandes, der Schura, bedauerte Kilic’ Rückzug. „Es ist sehr bedauerlich, dass sich das so entwickelt hat“, sagte Bilgen. Er hoffe nicht, dass Kilic’ Schritt negative Auswirkungen auf die muslimische Gemeinschaft in Niedersachsen haben werde. „Für seine Person ist der Schritt richtig, für uns Muslime aber ein Tiefschlag“, sagte Avni Altiner, langjähriger Vorsitzender der Schura, der mit Kilic und der Landesregierung über den Staatsvertrag verhandelt hatte – erfolglos.

Auf das Scheitern dieses Vertrages führt der Grünen-Landtagsabgeordnete Belit Onay auch die wachsende Einflussnahme Ankaras auf Niedersachsen zurück. „Die eher liberalen Kräfte sind dadurch geschwächt worden“, sagte Onay.

Die christlichen Gesprächspartner bedauern den Rückzug von Kilic. „Ich habe immer mit ihm Kontakt gehalten“, sagte etwa der hannoversche Landesbischof Rolf Meister: „Aber vielleicht eröffnet der Rückzug auch Gespräche darüber, ob es einen dritten Weg geben kann, für einen unabhängigen Verband.“

Von Michael B. Berger

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