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Niedersachsen Ferkelkastration ohne Betäubung bleibt doch erlaubt
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00:15 05.10.2018
Ferkel stehen in einer Box in einer Schweinezuchtanlage. Die betäubungslose Kastration bleibt zunächst weiter erlaubt. Quelle: Jens Büttner/dpa
Hannover/Berlin

Ferkel sollen in den kommenden beiden Jahren jetzt doch ohne Betäubung kastriert werden dürfen. Das hat die Große Koalition in Berlin beschlossen. Im Bundesrat hatten entsprechende Initiativen jüngst keine Mehrheit gefunden. Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) begrüßte die Entscheidung. Kritik kam von den Grünen in Niedersachsen.

Die Spitzen von Union und SPD wollen das zum 1. Januar 2019 greifende Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln verschieben. Die Koalitionsfraktionen sollen dafür im Bundestag eine Initiative mit dem Ziel auf den Weg bringen, die Übergangsfrist bis zum vollen Verbot um zwei Jahre zu verlängern. Das wurde am Dienstagmorgen in Berlin mitgeteilt. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, mit dem Kompromiss sei nun auch in Zukunft Ferkelzucht in Deutschland möglich.

Der Bauernverband hatte auch angesichts der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben und darauf verwiesen, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Das Verbot ab 2019 war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

Otte-Kinast zeigte sich nach dem Beschluss des Koalitionsausschusses zuversichtlich. „Damit besteht Hoffnung für die Sauenhalter, dass sie nun genau die zweijährige Verlängerung erhalten, die Niedersachsen im Bundesrat gefordert hat.“ Die Zeit bis 2020 müsse von der Branche genutzt werden, um tragfähige Lösungen zu entwickeln. Deshalb habe sie bereits am 8. Oktober zu einem Branchengipfel zur Zukunft der Schweinehaltung in Niedersachsen ins Ministerium eingeladen. „Ich erwarte dann die deutliche Bereitschaft, an konkreten Vorschlägen zu arbeiten. Der Ausstieg aus der Kastration ohne Betäubung wird von mir in keiner Weise in Frage gestellt. Je schneller er kommt, desto besser“, erklärte Otte-Kinast.

Erleichtert zeigt sich auch Niedersachsens Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke. „Unsere Tierhalter wollen weg von der betäubungslosen Ferkelkastration, benötigen dazu aber dringend eine klare und gangbare Perspektive, wie sie sich rechtskonform umstellen können“, erkärte Schulte to Brinke. Das Landvolk Niedersachsen setze dabei auf die in Dänemark gemeinsam mit den Tierschutzverbänden auf den Weg gebrachte Lokalanästhesie, wie sie auch in der Humanmedizin gebräuchlich sei. „Deren Umsetzung scheitert in Deutschland bislang an den rechtlichen Voraussetzungen.“

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. Tierschützer forderten, es beim geplanten Verbotsdatum zu belassen, um die „Ferkelqual“ nicht zu verlängern.

Im Bundesrat hatten Initiativen von Niedersachsen und Bayern, die bisherige Praxis noch bis Ende 2020 oder sogar Ende 2023 zu ermöglichen, kürzlich keine Mehrheit gefunden. Aus der Union wurden daraufhin Rufe laut, im Bundestag einen weiteren Anlauf für eine Verschiebung des Verbots zu nehmen.

Die Grünen warfen der Bundesregierung vor, den Bundesratsbeschluss in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ kippen zu wollen. „Die Länder haben sich gerade erst gegen eine Verlängerung der tierquälerischen Kastration von kleinen Ferkeln ausgesprochen und damit der Union und den Lobbyinteressen eine krachende Niederlage verpasst“, sagte Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte. „Trotzdem soll jetzt doch noch kurz vor knapp das Verbot des betäubungslosen Kastrierens verschoben werden – der Tierschutz wird den Lobbyinteressen geopfert.“ Zur betäubungslosen Ferkelkastration gebe es tierschutzgerechtere und praxistaugliche Alternativen wie die Immunokastration, die Inhalationsnarkose oder die Ebermast, betonte Staudte.

Der Bundesrat könnte noch im Oktober erstmals über eine für die Verlängerung notwendige Änderung des Tierschutzgesetzes beraten. Otte-Kinast erwartet eine Entscheidung des Bundesrates im Dezember. Kommt es zu keiner Einigung, müsste der Vermittlungsausschuss angerufen werden.

Von Marco Seng

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