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Parteiausschluss

Zustimmende Mails zu Sarrazin erreichen die SPD

An der SPD-Basis wächst Widerstand gegen das Vorhaben, Thilo Sarrazin wegen seiner umstrittenen Thesen zur Integration muslimischer Einwanderer aus der Partei auszuschließen.
Thilo Sarrazin (SPD), im Fernsehstudio in Hamburg nach der ARD-Sendung „Beckmann“.

Thilo Sarrazin (SPD), im Fernsehstudio in Hamburg nach der ARD-Sendung „Beckmann“.

© dpa

In den vergangenen Tagen erreichten dem Vernehmen nach rund 2000 E-Mails von SPD-Anhängern den Parteivorstand in Berlin – etwa 90 Prozent äußerten Zustimmung zu Sarrazins Aussage, dass Deutschland eine Überfremdung durch muslimische Einwanderer drohe.

Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel räumte ein, ein Ausschluss sei den Wählern und der SPD-Basis „nicht leicht zu vermitteln“. Man werde klarstellen, „dass es bei diesem Ausschluss nicht um Sarrazins Kritik an Fehlern der Integrationspolitik geht, sondern um sein fatales menschenverachtendes Menschenbild“. Ungeachtet der Unruhe an der Basis setzt die SPD offenbar auf einen schnellen Parteibuchentzug.

Der Berliner SPD-Landesverband, wo der 65-Jährige als Mitglied geführt wird, will bereits am kommenden Montag über ein verkürztes Verfahren beraten. Innerhalb der kommenden drei Monate müsste dann über den Rauswurf aus der Partei entschieden werden. In einer Emnid-Umfrage erklärten 51 Prozent der befragten Bundesbürger, Sarrazin solle SPD-Mitglied bleiben; nur 32 Prozent votierten für einen Ausschluss. Im Hinblick auf seine Thesen zur Überfremdung Deutschlands stimmen nur 30 Prozent Sarrazin zu. Der Parteienforscher Jürgen Falter warnte am Mittwoch in „Welt online“ die SPD davor, Sarrazin auszuschließen: „Er bewegt sich weitgehend in einem Bereich, den die Partei akzeptieren muss.“

Die Bundesbank zögerte am Mittwoch noch, Konsequenzen für ihr Vorstandsmitglied Sarrazin zu ziehen. Über die Ergebnisse einer Krisensitzung mit ihm und Notenbankchef Axel Weber wurde am Mittwoch nichts bekannt. Erst am Donnerstag will das Geldinstitut Stellung beziehen. Bundespräsident Christian Wulff, der über Sarrazins Abberufung aus dem Bankvorstand entscheiden müsste, wurde am Mittwoch beim Antrittsbesuch in Sachsen von der rechtsradikalen NPD im Landtag gestört. „Alle wissen: Sarrazin hat recht“, hieß es auf Plakaten, die NPD-Abgeordnete hochhielten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hielt Sarrazin am Mittwoch „verantwortungslosen Unsinn“ vor, der das Land nicht voranbringe. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sprach von „selbstverliebten wie wirren Äußerungen“.

Die Kritik indes scheint die Beliebtheit von Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ nur zu steigern.Vier Auflagen mit einer Stückzahl von 150.000 Exemplaren sind schon gedruckt. Bei Ebay erzielte ein Buch jetzt 74 Euro; sonst kostet es nur 22,99 Euro.

Alexander Dahl


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  • Keine Zustimmung für Sarrazin Mathe – 02.09.10
    Die neue N24-EMNID-UMFRAGE ergab lediglich, dass eine Mehrheit von 51 Prozent der "ca. 1000 Befragten", das sind gerade mal 500 Leutchen zwar
    gegen Entlassung Sarrazins aus dem Bundesbankvorstand sind. Eine Umfrage gilt es erst dann als repräsentativ, wenn sie mehr als 1000 Befragte aus einer Bevölkerungsschicht ermittelt, die für den Bundesdurchschnitt steht. Hier ist vage von "ca. 1000 Befragten" die Rede. Möchte man etwa, dass solche rassistischen Thesen in der breiten Bevölkerung Fuß fassen?

    56 Prozent der "ca." 1000 Befragten ( = 560) machen eher die Migranten selbst für ihre Integrationsprobleme verantwortlich. Nur 11 Prozent glauben, dass eher die Deutschen schuld an den Integrationsschwierigkeiten sind. Bleibt ein Rest, der weder Migranten noch deutschstämmige Bürger für die Integrationsschwierigkeiten verantwortlich macht, das wären dann 43 %, (also 430 Personen) die andere Ursachen sehen.

    Trotzdem gibt es unter diesen 1000 Leutchen mehrheitlich keine Zustimmung zu Sarrazins Thesen- entgegen aller sonstigen Verlautbarungen.

    32 Prozent von 1000 Befragten halten einen Rauswurf für dringend angebracht. Und offenbar hatten 17 Prozent gar keine Meinung abgegeben (51+32=83%).

    So lehnen 35 Prozent der Befragten der 1000 Befragten seine Thesen eher ab, nur 30 Prozent stimmen Sarrazins Theorien "eher" zu. Bei den Wählern seiner eigenen Partei genießt Sarrazin noch weniger Sympathien: 41 Prozent der SPD-Wähler innerhalb der 1000 Befragten lehnen seine Thesen ab, nur 30 Prozent stimmen ihm zu. Bei den Unionswählern ist der Trend allerdings anders: Hier stimmen 39 Prozent Sarrazin zu, nur 33 Prozent lehnen seine Thesen ab. Somit ist klar, wer Sarrazins Absonderungen eher teilt.


    (Umfragezeitraum: 31.08.2010 Befragte: ca. 1.000;
    Quelle N24)

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