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Deutschland / Welt „Ich tue mir den ganzen Hass nicht an“
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15:18 18.07.2018
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZdJ), Josef Schuster. Quelle: imago/epd
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Herr Schuster, in welchem Ausmaß sind Sie persönlich mit Antisemitismus und Hass im Netz konfrontiert?

Ich werde in den sogenannten sozialen Medien regelmäßig angefeindet. Aber ich tue es mir nicht an, das alles zu lesen. Die Absender können sich dennoch darauf verlassen, dass wir entsprechende Kommentare der Polizei oder dem Staatsschutz melden.

Was verstört Sie dabei am meisten?

Ich habe verstärkt den Eindruck, dass antisemitische Äußerungen nicht nur aus der politisch ganz äußeren rechten Ecke kommen, sondern insgesamt in der Gesellschaft der Tonfall immer aggressiver wird und Hemmschwellen gefallen sind. Übelste antisemitische Hetze wird als vermeintlich harmlose Kritik an Israel verbrämt. Wenn das dann noch mit einem Ausdruck moralischer Überlegenheit gekoppelt wird, finde ich es wirklich abstoßend.

Hetze im Internet kann jeden treffen

Wer ist aus Ihrer Sicht gefragt, wenn festgestellt werden muss, dass die modernen Medien Antisemitismus stärker verbreiten statt über ihn aufzuklären?

Zum einen sind die sozialen Netzwerke selbst gefragt. Sie müssen viel konsequenter gegen Hate Speech vorgehen. Inzwischen trägt hoffentlich das Netzwerkdurchsetzungsgesetz dazu bei, dass antisemitische Beiträge häufiger gelöscht werden. Daneben ist es eine Aufgabe der Bildung und Erziehung zu verdeutlichen, warum bestimmte Grenzen auch im scheinbar anonymen Netz gewahrt werden müssen. Hetze im Internet kann jeden treffen. Daher sollte jeder ein Interesse daran haben, Toleranz und Respekt zu den Grundwerten der Kommunikation zu machen, egal, wo sie stattfindet.

Warum, glauben Sie, halten sich bestimmte judenfeindliche Stereotypen so hartnäckig?

Das fragen Sie wohl besser einen Nicht-Juden. Aber Tatsache ist, dass bestimmte antisemitische Vorurteile von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sie halten sich vielleicht, weil viele Menschen überhaupt keine Juden kennen. Es findet also keine Begegnung statt, die ihre Vorurteile ins Wanken bringen könnte.

Positive Erfahrungen im Netz haben nichts mit Judentum zu tun

Haben Sie auch positive Erfahrungen im Netz?

Die positiven Erfahrungen, die ich in den sozialen Medien mache, haben nichts mit dem Judentum zu tun, sondern gelten generell für alle: Die Geschwindigkeit, mit der sich Nachrichten verbreiten, ist phänomenal. Und dann Reaktionen zu erhalten, manchmal von Norwegen bis nach Südamerika, das ist ein Vorteil der Netzwerke.

Von Thoralf Cleven

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