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Deutschland / Welt „Zeit ist für viele wichtiger als Geld“
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10:00 12.10.2017
„Neue Antworten für individuelle Bedürfnisse finden“: Bundesfamilienministerin Katarina Barley. Quelle: Foto: dpa
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Berlin

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD), die derzeit auch die Geschäfte des Bundesarbeitsministeriums führt, begrüßt die Forderung der IG Metall nach einem Recht auf Reduzierung der Arbeitszeit. „Zeit für Familie, die Pflege von Angehörigen oder persönliche Weiterbildung ist für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer inzwischen wichtiger als mehr Gehalt“, sagte Barley dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Immer mehr Menschen wollten ihre Arbeitszeit selbstbestimmt gestalten und flexibel an ihre Lebenssituation anpassen, so die Ministerin weiter. „Darauf müssen auch die Arbeitgeber reagieren, wenn sie Fachkräfte gewinnen und halten wollen.“ Die Berufswelt befinde sich in einem radikalen Wandel, so die Sozialdemokratin. „Wenn die ständige Erreichbarkeit immer öfter zum Regelfall wird, ist es wichtig, neue Antworten für individuelle Bedürfnisse zu finden.“

Die IG Metall hatte am Dienstag angekündigt, in der anstehenden Tarifrunde erstmals seit Langem wieder kürzere Arbeitszeiten zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Neben 6 Prozent mehr Lohn verlangt die Gewerkschaft für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie die Möglichkeit, über einen Zeitraum von zwei Jahren ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren zu können. Ausdrücklich wird diese Forderung auch für die ostdeutschen Bundesländer erhoben, in denen die tarifliche Regelarbeitszeit nicht 35, sondern 38 Stunden beträgt. Nach Vorstellung der Gewerkschaft sollen Arbeitnehmer, die Eltern junger Kinder sind, pflegebedürftige Angehörige versorgen oder im Schichtdienst arbeiten, für den entgangenen Lohn Ausgleichszahlungen in unterschiedlicher Höhe bekommen.

Die IG Metall ist mit ihrer Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten nicht allein. Der am Dienstag wiedergewählte Chef der IG BCE, Michael Vassiliadis, will das Thema ebenfalls vorantreiben. „Die Beschäftigten wünschen sich eine Arbeitszeit, die sich an ihren Lebensumständen orientiert – und nicht umgekehrt“, sagte Vassiliadis nach seiner Wiederwahl in Hannover. Die Arbeitgeber sollten nicht nur in Sonntagsreden über Work-Life-Balance fabulieren. „Wir werden in den kommenden Jahren dafür sorgen, dass den Worten Taten folgen – und zwar bundesweit“, sagte Vassiliadis.

Arbeitgebervertreter wiesen die Forderung zurück. Die Folge wäre, dass sich der Fachkräftemangel verschärfe, erklärte etwa der Chef des Thüringer Metallarbeitgeberverbandes, Thomas Kaeser. „Angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland und des jetzt schon spürbaren Fachkräftemangels wäre eine Arbeitszeitverkürzung fatal für den Standort und dessen Wettbewerbsfähigkeit.“

Von Andreas Niesmann/RND

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