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Deutschland / Welt Zahl der Flüchtlinge hat sich wieder verdoppelt
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18:19 13.10.2017
Hunderte Schwimmwesten säumen den Strand von Lesbos. Quelle: dpa
Athen

In Griechenland wächst die Sorge vor einer neuen Flüchtlingskrise. Die Auffanglager auf den griechischen Inseln sind schon jetzt hoffnungslos überlastet. Jeden Tag wird es enger. Lokalpolitiker und Hilfsorganisationen warnen vor einem drohenden Chaos.

Nachdem zu Beginn dieses Jahres pro Tag im Durchschnitt 60 Menschen von der türkischen Küste zu den griechischen Inseln der Ostägäis übersetzten, steigen die Zahlen jetzt wieder an. Im Juni wurden auf den Inseln rund 2.000 Neuankömmlinge gezählt, im August waren es fast 3.600 und im September bereits nahezu 5.000. Seit Anfang Oktober kamen fast 2.000 Menschen, allein von Montag bis Donnerstag waren es 915. Es sind Kriegsflüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, aber auch Armutsmigranten aus asiatischen und afrikanischen Ländern, die den Schleusern an der türkischen Küste oftmals tausende Dollar bezahlen, um in überfüllten Schlauchbooten oder morschen Holzkähnen zu den griechischen Inseln überzusetzen.

Die Balkanroute ist dicht

Weil die Grenzen auf der Balkanroute dicht sind, versuchen Menschen immer häufiger, mit gefälschten Pässen, wie man sie in Athen für rund 1.000 Euro kaufen kann, weiterzureisen, zum Beispiel nach Deutschland. Täglich werden am Athener Flughafen im Schnitt etwa 20 bis 30 Passagiere bei dem Versuch geschnappt, mit gefälschten Papieren in andere EU-Staaten zu fliegen. Wie viele unerkannt durchkommen, weiß keiner.

Nach der Schließung der Balkanroute und dem Abschluss des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei gingen die Zahlen im vergangenen Jahr stark zurück. Warum sie jetzt wieder steigen, ist unklar. Das ruhige, windstille Spätsommerwetter erleichtert die Überfahrt. Es gibt auch Vermutungen, die türkische Regierung könnte ihre Kontrollen an der Küste gelockert haben, um Druck auf die EU auszuüben. Der Bürgermeister der Insel Lesbos, Spyros Galinos, fürchtet bereits eine Wiederholung der Krise vom Sommer 2015. Er schildert „unerträgliche Zustände in den Auffanglagern“. Galinos fordert, die Lager müssten deshalb dringend entlastet und Menschen aufs Festland gebracht werden.

Nur wer Asyl erhält, darf aufs Festland weiterreisen

Nach den Regeln des Flüchtlingspakts müssen die Ankömmlinge so lange auf den Inseln bleiben, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. Das kann allerdings Monate oder sogar Jahre dauern. Nur wer Asyl erhält, darf aufs Festland weiterreisen. Auch deshalb platzen die Lager aus allen Nähten. In den Einrichtungen auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Leros und Kos leben 11.317 Menschen. Ausgelegt sind die Camps nur für 5.576 Personen. Tausende Flüchtlinge und Migranten hausen in Campingzelten ohne Isolierung und Heizung. Damit droht auf den Inseln eine Wiederholung des Dramas vom vergangenen Winter. Damals brachen viele Zelte unter der Last des Schnees zusammen, die Lager versanken im Schlamm.

In einem diese Woche veröffentlichten offenen Brief an Ministerpräsident Alexis Tsipras macht die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf den „dramatisch schlechten seelischen Gesundheitszustand“ vieler Flüchtlinge aufmerksam. „Diese Menschen haben Bombardements, extreme Gewalt und traumatische Erfahrungen in ihren Heimatländern und auf der Flucht nach Europa erlebt“, sagt Jayne Grimes, die das psychosoziale Programm von Ärzte ohne Grenzen auf der Insel Samos leitet. „Jeden Tag behandeln unsere Teams Patienten, die ihnen sagen, dass sie lieber in ihren Heimatländern gestorben wären, als hier gefangen zu sein.“

Von Gerd Höhler

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