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Deutschland / Welt Werbung für Ehen mit Flüchtlingen? Streit um Aufruf von Seenotrettern
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Werbung für Ehen mit Flüchtlingen? Streit um Aufruf von Seenotrettern
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18:13 28.01.2019
Das Seenotrettungsschiff «Lifeline» im Hafen von Malta Quelle: Annette Schneider-Solis/dpa
Berlin

Ein Tweet der Seenotretter von „Mission Lifeline“ sorgt für einen verbalen Schlagabtausch zwischen der Organisation und der „Bild“-Zeitung. Am 23. Januar teilte „Mission Lifeline“ einen Aufruf, den die „Bild“ als Werbung zu Scheinehen mit Flüchtlingen deutet.

Die Organisation schrieb in ihrem Beitrag: „Vielleicht verliebt Ihr Euch zufällig in einen Menschen, der*die hier noch kein Bleiberecht hat. Könnte passieren, oder? Bleibt offen!“. Im zweiten Teil des Beitrags ruft die Organisation zum Spenden auf.

Unter der Überschrift „Seenotretter werben für Ehen mit Flüchtlingen“ berichtet das Blatt über den Twitter-Aufruf und macht darin zugleich Stimmung gegen die Organisation. In dem Text ist von Vorwürfen gegenüber „Mission Lifeline“ die Rede, die Rettungsschiffe würden Flüchtlinge auf See locken.

In fettgedruckter Schrift schreibt die „Bild“ dazu: „Doch jetzt gehen die Retter einen Schritt weiter! Werben kaum verhohlen bei Twitter für Ehen mit Flüchtlingen und Asylbewerbern!“ Vorangegangen ist diesem Artikel ein Tweet von Ulf Poschardt. Der Chefredakteur der „Welt“, die wie „Bild“ zum Axel-Springer-Verlag gehört, teilte „Mission Lifeline“-Beitrag verbunden mit der Frage: „Kann mir ein Jurist erklären, zu was hier aufgerufen wird?“

Strafrechtler: Keine Strafbarkeit, aber Motivation zur Scheinehe

Im Gespräch mit der „Bild“ sagt Strafrechtler Matthias Waldraff über den Aufruf der Seenotretter: „Es reicht nicht für eine Strafbarkeit aus.“ Weiter zitiert ihn das Blatt: „Dass hier zur Scheinehe motiviert werden soll, ist offenkundig.“

„Mission Lifeline“ hält dagegen. Es gehe lediglich um einen Spendenaufruf – und um Liebe, nicht um den Aufruf zu Scheinehen. Sie veröffentlicht auf Twitter auch ihre Antworten auf die „Bild“-Anfrage.

„Lifeline“: Können keine Werbung für Scheinehen erkennen

In einer Pressemitteilung erklärt der „Lifeline“-Vorsitzende Axel Steier: „Diese Nachricht (der erwähnte Tweet, Anm. d. Red.) dient dem Anliegen, die Menschen hinter abstrakten Begriffen wie „Flüchtling“ oder „Ertrunkene“ sichtbar zu machen. Viel zu oft wird in der politisch aufgeladenen Diskussion vergessen, dass es bei der Seenotrettung um das Leben und die Gefühle von Menschen geht.“

Durch ihre Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer würden Verbindungen zwischen Rettern und Geretteten entstehen, die „auch zu Liebe“ führen. „Von dieser Liebe handelt unser Tweet. Eine Werbung für Scheinehen können wir darin nicht erkennen“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme weiter.

Steier kritisiert darin die Berichterstattung, ohne das Blatt namentlich zu nennen und bezeichnet diese als unwahr und herzlos. Sie habe dazu geführt, „dass wir persönlich und unsere Organisation von Rechtsextremen massiv beleidigt und bedroht werden.“

Auch die Organisation zieht ihrerseits einen Juristen zu Rate. Der Rechtsanwalt Dr. Jonas Kahl bezieht sich auf die Darstellung der „Bild“, wonach der „Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch in Malta wegen „Schleuserei“ vor Gericht stehe. „Das ist unwahr. Wir werden gegen diese Falschberichterstattung vorgehen“, erklärt Kahl.

Politiker zum „Lifeline“-Tweet befragt

Das Blatt wiederum befragte auch Politiker zu dem Tweet von „Mission Lifeline“. „Dieser absurde Aufruf zum Eingehen von Scheinehen zeigt überdeutlich, dass diese ‚Seenotretter‘ in Wahrheit eine viel größere Agenda verfolgen“, sagte Philipp Amthor (CDU), Innen- und EU-Experte der Unions-Bundestagsfraktion, dem Blatt. der „Bild“.

„Sie wollen unser Ausländerrecht mit ihrer linken Ideologie hintertreiben und unseren Rechtsstaat an der Nase herumführen.“

Der Vize-Chef der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, wird mit den Worten zitiert: „Die Organisation diskreditiert sich mit diesem Quasi-Aufruf zur Scheinehe nicht nur selbst, sondern vor allem auch andere Hilfsorganisationen.“

Von RND/jw

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