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Deutschland / Welt Zwischenfall vor der Krim: Was ist los im Asowschen Meer?
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16:32 26.11.2018
Ein Schiff unter der Kerch-Brücke blockiert die Passage. Zwischen Russland und der Ukraine kam es im Seegebiet um die Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asowschen Meer zu Zwischenfällen. Quelle: dpa
Berlin

Der ukrainisch-russische Konflikt spitzt sich zu. Nach dem Aufbringen mehrerer ukrainischer Marineschiffe durch Russland will das ukrainische Parlament am Montagnachmittag bei einer Sondersitzung über eine eventuelle Einführung des Kriegsrechts entscheiden. Wie ist es soweit gekommen – und was droht? Fünf Fragen, fünf Antworten.


Warum spitzt sich die Lage am Asowschen Meer so zu?

Der seit Längerem schwelende Konflikt um die Straße von Kertsch ist eine Folge der Krim-Krise. Über die Meerenge ist das nördlich gelegene Asowsche Meer mit dem Schwarzen Meer verbunden. Seit 1991 gehört das Nordwestufer des Asowschen Meeres zur Ukraine, das Ostufer zu Russland. Schon bald nachdem Russland 2014 die Halbinsel Krim annektiert hatte, legte es mit dem Bau einer Brücke über die Straße von Kertsch los. Im Mai dieses Jahres eröffnete Russlands Präsident Wladimir Putin die Brücke – seitdem ist das russische Festland mit der annektierten Krim verbunden. Mit nur 35 Metern Höhe ist die Brücke zudem so niedrig gebaut, dass sie von großen ukrainischen Containerschiffen nicht mehr passiert werden kann. Kleinere Schiffe werden nach Angaben der ukrainischen Regierung durch langwierige Kontrollen und fragwürdige Auflagen an der Durchfahrt gehindert.


Warum ist die Meerenge für die Ukraine so wichtig?

Der Handelsverkehr der Ukraine findet maßgeblich über die Verbindung vom Asowschen ins Schwarze Meer statt. Mit Mariupol und Berdjansk sind zwei große ukrainische Hafenstädte am Asowschen Meer gelegen. Von dort aus gelangen Stahl-, Kohle-, Erz- und Getreidetransporte in die USA, nach Europa und nach Asien. Nach ukrainischen Angaben hat Russland bis Ende September mehr als 200 Schiffe überprüft, was zu Verzögerungen von bis zu sechs Tagen geführt habe. Weil es wegen der langwierigen Kontrollen mitunter zu tagelangen Verzögerungen kommt, meiden internationale Reedereien zunehmend die Region. Kiew sorgt sich um die Auslastung seiner Häfen und fürchtet schwere Einbußen im Exportgeschäft. Bisher sollen 54 Millionen Dollar Schaden durch die russische Blockade entstanden sein. Zudem ist die ukrainische Stadt Mariupol weitgehend abgekoppelt vom ukrainischen Kerngebiet, da die Landverbindung schlecht ausgebaut ist.


Was will Moskau?

Russland schafft Fakten. Mit der Brücke über der Meerenge von Kertsch bindet Moskau die Ukraine stärker an sich. Ukrainischen Angaben zufolge haben russische Firmen auch bereits Unterwasserkabel und eine Gasleitung hin zur Halbinsel verlegt. Durch die weitgehende Abkopplung der ukrainischen Küstenstädte am Asowschen Meer von Kiew schreitet zudem die Schwächung der gesamten Ostukraine voran – geostrategisch wäre der Küstenstreifen für Russland von großem Nutzen, stellt er doch eine Landverbindung zwischen dem von Moskau-treuen Separatisten besetzten Donbas und der Krim dar. Die fortwährende Verlegung russischer Kriegsschiffe in die Region deutet zudem auf zunehmende machtpolitische Ambitionen Russlands im Kaukasus sowie in Südosteuropa hin.


Droht ein Krieg?

Nach Einschätzung europäischer Diplomaten ist Russland nicht an einer kriegerischen Auseinandersetzung gelegen. Eher geht es Moskau um eine dauerhafte Destabilisierung des Nachbarstaates – durch immer wieder aufflackernde Eskalationen. Geostrategisch ist Moskau an einem Verbindungsweg zwischen der Krim, dem Donbas und russischem Territorium interessiert. Am Montagvormittag öffnete Russland die Meerenge von Kertsch wieder für den Verkehr und rief den UN-Sicherheitsrat an. Es bat um eine Sondersitzung unter dem Tagesordnungspunkt „Erhalt von internationalem Frieden und Sicherheit“. Derweil mahnten Vertreter der EU auch Kiew eindringlich zur Zurückhaltung.


Warum will Poroschenko das Kriegsrecht ausrufen – und welche Folgen hätte das?

In der Nacht zu Montag verkündete der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, er werde dem Parlament die Ausrufung des Kriegsrechts vorschlagen. Dieses soll am Montagnachmittag darüber entscheiden. Zudem setzte Poroschenko die Reservisten der Streitkräfte in Bereitschaft. Er stellte jedoch sogleich klar, dass eine Einführung des Kriegsrechts nicht bedeute, dass die Ukraine Kampfhandlungen unternehmen wolle. Es gehe „ausschließlich um den Schutz unseres Territoriums und die Sicherheit unserer Bürger“. Poroschenkos markige Rhetorik soll Stärke vermitteln. Er muss sich schon seit Längerem den Vorwurf gefallen lassen, dem russischen Treiben im Asowschen Meer tatenlos zugeschaut und die voranschreitende Blockade Mariupols achselzuckend hingenommen zu haben. Poroschenko muss sich im nächsten Frühjahr einer Präsidentschaftswahl stellen. Seine Chancen auf Wiederwahl stehen nicht gut.

Von Marina Kormbaki/RND

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