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Deutschland / Welt Videos zeigen massiven Migranten-Ansturm auf die USA – Mexiko will abschieben
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Videos zeigen massiven Migranten-Ansturm auf die USA – Mexiko will abschieben
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15:57 27.11.2018
Migranten versuchen von Mexiko in die USA zu fliehen. Quelle: AP
Tijuana

Mehrere hundert Migranten haben am Sonntag versucht, von Mexiko aus über die Grenze in die USA zu gelangen. US-Grenzschutzbeamte feuerten mit Tränengas auf die anstürmende Menge, als einige von ihnen den Grenzzaun durchbrechen wollten, wie eine Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete.

Zahlreiche Migranten haben am Sonntag versucht, die Grenze zu den USA zu überqueren. Die Polizei war dabei stellenweise komplett überfordert.

Wie die Polizei von San Diego berichtet, hätten sich am Sonntagnachmittag mehrere hundert Menschen aus dem Protestzug gelöst und seien durch die Grenzübergänge gelaufen. Andere seien über die mehrere Meter hohen Blechzäune geklettert, die sich noch auf mexikanischem Staatsgebiet befinden.

Als sich die Flüchtlinge der eigentlichen US-Grenze näherten, habe die Polizei Tränengas abgefeuert. Ob und wie viele Menschen letztlich in die Vereinigten Staaten gelangten, konnten die Behörden zunächst nicht beantworten. Nur wenige Minuten nach den tumultartigen Szenen schlossen die Grenzbeamten den Übergang sowohl für Fußgänger als auch für Fahrzeuge.

Bei Twitter kursierten zahlreiche Videos und Bilder vom Sturm der Migranten auf die USA.

Mehr als 5000 Migranten aus Zentralamerika campieren seit Tagen rund um eine Sporthalle in Tijuana, nachdem sie in den vergangenen Wochen teils zu Fuß und teils in Bussen oder Lkws aus Staaten wie El Salvador und Honduras nach Norden gezogen waren. US-Präsident Donald Trump hatte vor einer „Invasion“ durch die sogenannte Migrantenkarawane gewarnt und zusätzliche Soldaten an die Grenze geschickt.

Trump will Migranten stoppen

Am Sonntag schrieb er auf Twitter: „Es wäre sehr klug, wenn Mexiko die Karawanen stoppen würde, lange bevor sie an unsere Südgrenze gelangen, oder wenn die Ursprungsländer gar nicht erst zulassen, dass sie sich formieren“. In Klammern fügte er hinzu: „auf diese Weise bekommen sie gewisse Leute aus ihrem Land und laden sie in den USA ab. Nicht mehr“. Beweise für diese Behauptung legte Trump nicht vor, er beschuldigte aber die Demokraten, dieses Problem geschaffen zu haben.

US-Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen warf den Migranten in einer ersten Stellungnahme am Sonntagabend vor, mit Steinen auf die Beamten geworfen und einige Wurfgeschosse eingesetzt zu haben. Jeder, der das Eigentum des US-Staates beschädige oder die Souveränität des Landes verletze, werde strafrechtlich verfolgt, betonte Nielsen. Diese Art von Rechtlosigkeit werde ihre Behörde nicht dulden und nicht zögern, Grenzübergänge aus Sicherheitsgründen zu schließen.

Auch die mexikanische Regierung protestierte gegen den gewaltsamen Grenzübertritt und sprach von einem Akt der Provokation. Für die Menschen aus Honduras, Guatemala und El Salvador, die seit Wochen auf der Flucht sind, seien Aktionen dieser Art alles andere als hilfreich. Gewalttäter würden daher umgehend nach Mittelamerika abgeschoben. Auch sollen die Polizeieinheiten auf mexikanischer Seite verstärkt werden. Auch die US-Heimatschutzministerin sprach am Sonntag davon, dass es weiterhin eine „robuste Präsenz“ entlang der Grenze geben werde.

8200 Menschen fliehen vor Gewalt und Armut

Darf Mexiko die Migranten abschieben? Ja, Mexiko darf theoretisch alle Migranten, die sich ohne Einreiseerlaubnis im Land befinden, abschieben. Der Großteil der sogenannten Migranten-Karawane hatte die Grenze zwischen Mexiko und Guatemala ohne die nötigen Papiere überquert. Nach Angaben des Innenministeriums sind rund 8200 Menschen aus Mittelamerika derzeit in Mexiko unterwegs.

Woher kommen die Menschen? Rund 7400 von ihnen befanden sich zuletzt in Mexicali und Tijuana. Die Migranten in Tijuana stammen größtenteils aus Honduras, El Salvador und Guatemala und hoffen auf Asyl in den USA. Sie sind auf der Flucht vor Gewalt und Armut in ihren Heimatländern. In Tijuana ist mittlerweile ein „humanitärer Notstand“ ausgerufen worden.

Polizei kann Migranten nicht stoppen

Die Migranten müssen in Tijuana vermutlich monatelang warten, bevor ihr Asylantrag überhaupt bearbeitet wird. Einen Bericht, wonach sie in der Zwischenzeit in Mexiko ein Aufenthaltsrecht erhalten sollen, dementierte die künftige Innenministerin Olga Sánchez. Sie teilte der Nachrichtenagentur AP mit: „Es gibt keine Einigung irgendeiner Art zwischen der neu gewählten mexikanischen Regierung und der US-Regierung.“

Um auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen, sei am Sonntag ein Marsch zur Grenze organisiert worden, sagte Irineo Mujica von der Hilfsorganisation Pueblo Sin Fronteras. Dieser Marsch endete aber schnell in Tumult, als die Menge ohne Probleme einen ersten Polizeikordon durchbrach. Die zweite Gruppe von Polizisten vor dem Grenzübergang Chaparral war mit Schilden ausgestattet, konnte die Migranten aber ebenfalls nicht aufhalten.

Durch ein Flussbett gelangten sie Richtung Grenzzaun. Dort hätten US-Grenzschutzbeamte Tränengas abgefeuert, als einige Migranten ein Loch in den Grenzzaun schneiden wollten, sagte die Honduranerin Ana Zuniga, die ihre dreijährige Tochter in den Armen hielt. „Wir sind weggerannt, aber wenn man rennt, nimmt einem das Gas noch mehr die Luft.“

Kritik am Einsatz von Tränengas

Das harsche Zurückdrängen der Migranten löste einige Kritik aus. An der Grenze mit Tränengas gegen unbewaffnete Familien vorzugehen, sei ein „neuer Tiefpunkt“, schrieb etwa Hawaiis demokratischer Senator Brian Schatz auf Twitter.

Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International kritisierte, es falle schwer zu glauben, „dass ein paar tausend Menschen aus den ärmsten Regionen der Welt, die ein besseres Leben suchen, eine Bedrohung für die USA darstellen sollen“. Medico-Lateinamerikareferent Moritz Krawinkel, der die Karawane jüngst selbst begleitet hatte, berichtete: „Solange das Recht der Menschen auf ein menschenwürdiges Leben in ihren Ländern nicht gewährleistet ist, solange werden sie ihr Recht in Anspruch nehmen, dorthin zu gehen, wo sie sich ein Überleben erhoffen.“

Von RND/Stefan Koch/dpa