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Deutschland / Welt „Unsere Verantwortung endet nie“
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15:42 20.08.2018
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) besucht das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Oświęcim

Heiko Maas steht auf einem schmalen Streifen verdorrten Grüns. „Das ist der schrecklichste Ort der Welt“, sagt der deutsche Außenminister. Im Laufe der zurückliegenden knapp drei Stunden war Maas in der Gaskammer von Auschwitz, er hat in den Ausstellungsräumen der Baracken Tausende Kinderschuhe und Tonnen menschlichen Haars gesehen. „Hier muss man sich entscheiden“, sagt Maas. „Entweder verliert man den Glauben an die Menschlichkeit - oder man gewinnt die Hoffnung und die Kraft dafür einzutreten, dass die Menschenwürde gewahrt wird.“

Zum zweiten Mal hat Außenminister Maas am Montag Polen besucht. Diesmal aber flog er nicht in die Hauptstadt Warschau, sondern in den Süden des Landes, um das ehemalige deutsche Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zu besichtigen. Es war, so wird es Maas später schildern, eine sehr persönliche Reise.

Maas richtet die Schleife, schweigt, verneigt den Kopf

„Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen“ - dieser Satz stand im Mittelpunkt von Maas‘ Antrittsrede im März. Kurz darauf reiste Maas nach Israel, wo er Holocaust-Überlebende traf, ihre Leidensgeschichte hörte und schließlich mit ihnen auf das Leben anstieß. Nun ist der Sozialdemokrat nach Auschwitz gekommen, zum Ort des einst größten unter den von Deutschen errichteten Vernichtungslagern. 1,1 Millionen Menschen wurden hier ermordet, die meisten von ihnen waren Juden.

Im Gedenken an die Toten legt Maas an diesem schwülen Sommertag vor der Todeswand des Stammlagers einen Kranz nieder. Tausende Todesurteile wurden hier vollstreckt, meist an polnischen Zivilisten. Maas richtet die schwarz-rot-goldene Schleife, schweigt, verneigt den Kopf.

Bundesaußenminister Heiko Maas bei der Kranzniederlegung an der Todeswand im ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Quelle: imago/photothek

Nachwuchsdiplomaten im Schlepptau

26 Jahre sind seit dem letzten Besuch eines deutschen Außenministers in Auschwitz vergangen. Kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs durchschritt Klaus Kinkel, FDP-Außenminister unter Helmut Kohl, das Tor mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“. Seither stand die Gedenkstätte nicht mehr auf dem Reiseprogramm von Deutschlands Chefdiplomaten. So als wollte er ein Versäumnis wettmachen, ist Maas nun mit großer Delegation in die Gedenkstätte gekommen. Zehn deutsche Anwärter für den diplomatischen Dienst begleiten den Minister. Die Nachwuchsdiplomaten sind auch dabei, als Maas mit polnischen und deutschen Jugendlichen diskutiert.

Eine Mahnung für alle Zeiten

Er sei in Auschwitz seinen Zweifeln an Gott begegnet, seinem Misstrauen gegenüber Menschen und seiner Verachtung vor Teilen der Geschichte, bekennt der Minister vor den jungen Menschen, die als Freiwillige in der Gedenkstätte arbeiten. Sie wiederum schildern Maas, wie eindrücklich für sie das Wachhalten der Erinnerung ist. Und Maas ermuntert die jungen Menschen, „den Mund aufzumachen“. „Ich glaube, dass die Lautstärke der Rassisten und Antisemiten vor allem was mit der Stille der anderen zu tun hat“, sagt er.

Schon als Justizminister hat Maas immer wieder gegen Antisemitismus und Rassismus Position bezogen. Er trieb die Aufarbeitung der Verstrickung deutscher Juristen in die NS-Verbrechen voran. Die Jahre zwischen 1933 und 1945 sind für den 51-Jährigen steter Bezugspunkt. Auschwitz, das wird an diesem Montag deutlich, ist für den Saarländer nicht bloß eine historische Stätte. Sie ist ihm Mahnung für alle Zeiten. „Unsere Verantwortung endet nie“, sagt Maas.

Von Marina Kormbaki/RND

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