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Deutschland / Welt Ansturm auf den Kleinen Waffenschein
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06:18 07.12.2018
Ein Kleiner Waffenschein liegt zwischen einer Schreckschuss-Pistole „Walther P22“, einem Magazin und einer Knallpatrone. Quelle: Oliver Killig/dpa
Berlin

Die Zahl der Kleinen Waffenscheine ist seit 2014 bundesweit um mehr als das Doppelte gestiegen. Das ergibt sich aus einer Umfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) bei den Innenministerien aller 16 Bundesländer. Gab es 2014 noch 261.332 Kleine Waffenscheine, so waren es 2018 (Stand Ende Oktober) bereits 599.940. Bundesweit bedeutet das einen Zuwachs von rund 130 Prozent.

Der Anstieg betrifft alle Länder. In Nordrhein-Westfalen wuchs die Zahl der Kleinen Waffenscheine zum Beispiel von rund 65.000 im Jahr 2014 auf rund 154.000 im Jahr 2018, in Niedersachsen von rund 24.000 auf rund 59.000, in Berlin von knapp 9000 auf annähernd 19.000.

Wer einen Kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen verdeckt führen, aber nur im Notfall damit schießen. Voraussetzung für die Erteilung ist, dass der Bewerber volljährig ist sowie persönlich geeignet und zuverlässig erscheint. Scharfe Waffen sind in Deutschland nicht ohne weiteres zugänglich.

Der Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, warnte. „Es besteht die Gefahr, dass Waffen nicht ordnungsgemäß eingesetzt werden und ihre Inhaber sich selbst gefährden“, sagte er dem RND. Denn das Gegenüber könne meist nicht einschätzen, welche Natur die Waffe habe und wie geübt ihr Inhaber sei. Dies könne wiederum zu Überreaktionen führen.

Radek fügte hinzu: „Eine Gesetzesverschärfung hilft uns nicht. Was uns hilft, ist die Einsicht, dass Waffen das Problem nicht lösen.“ Das Land mit der größten Waffendichte seien schließlich die USA. Und die hätten erhebliche Schwierigkeiten. „Wir müssen aufpassen, dass wir in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse bekommen“, so der Polizeigewerkschafter. „Das wäre der inneren Sicherheit abträglich.“

Konfliktforscher sieht Anzeichen für eine Radikalisierung der Gesellschaft

Die innenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, warnte ebenfalls: „Mehr private Waffen schaffen nicht mehr Sicherheit – im Gegenteil: Sie haben das Potenzial, Konflikte in Gewalt eskalieren zu lassen.“ Es dürfe keinen Zweifel daran geben, dass das Gewaltmonopol beim Staat liege. Mihalic fuhr fort, eine steigende Zahl privater Waffen sei „ein Misstrauensvotum gegen den Bundesinnenminister und die Folge jahrzehntelanger staatlicher Verunsicherungspolitik“.

Der Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, Andreas Zick, sagte dem RND, Waffenkäufe wiesen einerseits auf Befürchtungen hin, andererseits aber auch auf eine „Eskalation von radikalen Meinungen“. Im Zuge der gestiegenen Immigration hätten sich Meldungen über Gefahren, die vermeintlich und in einzelnen Fällen real vorhanden seien, sprunghaft vermehrt. Dort, wo Flüchtlinge konzentriert untergebracht würden, seien Bilder von Bedrohungen entstanden. Dieser Trend habe nach der Kölner Silvesternacht 2016/17 zugenommen.

Zugleich hätten sich mehr Menschen radikalisiert, indem sie Ideen aus populistischen Gruppen übernommen hätten, wonach der Staat die Kontrolle verloren habe und die Bürger Widerstand leisten müssten. Diese Ideen habe in Umfragen des Instituts schon 2016 fast jeder fünfte Befragte geteilt. Ebenso zeige sich, dass Vorurteile wie jenes, dass Flüchtlinge zu Gewalt neigten, die Gewaltbereitschaft erhöhten. Zick will über diese Veränderungen der Gesellschaft reden, denn: „Die Mehrheit bewaffnet sich nicht, aber jene, die sich bewaffnen, verlieren vielleicht die Bindung und bilden Parallelgemeinschaften. Zudem steigt mit solchen Spaltungsphänomenen das Ausmaß an Meinungen, die dem Gemeinschaftsgedanken zuwiderlaufen.“

Von Markus Decker und Fabian Wenck/RND

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