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Deutschland / Welt UN werfen Saudi-Arabien Kriegsverbrechen vor
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15:44 28.08.2018
Der Vorsitzender der Expertengruppe Kamel Jendoubi berichtet über eine „vertrauliche Liste“ von Personen, die mutmaßlich internationale Verbrechen begangen haben. Quelle: AP
Genf

Die Regierungen von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Jemen sind laut Experten des UN-Menschenrechtsrats möglicherweise für Kriegsverbrechen im Jemen verantwortlich. Während der seit dreieinhalb Jahren andauernden Kämpfe gegen Rebellen sei es dort zu Vergewaltigungen, Folter, Verschwindenlassen von Personen und „Entzug des Rechts auf Leben“ gekommen, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Die drei Experten beschuldigten auch „De-facto-Obrigkeiten“, womit offensichtlich die Anführer der Huthi-Rebellen gemeint sind, Verbrechen begangen zu haben, darunter willkürliche Festnahmen, Folter und das Rekrutieren von Kindersoldaten.

Behördenvertreter von Saudi-Arabien, den Emiraten und dem Jemen reagierten zunächst nicht auf eine Bitte um einen Kommentar. Die saudi-arabischen Staatsmedien berichteten, ihre Koalition habe den UN-Bericht erhalten und ihn an ihre eigenen Anwälte weitergegeben.

Keine Waffenlieferung an beteiligte Parteien

Die Experten riefen die internationale Gemeinschaft auf, keine Waffen zu liefern, die in dem Konflikt eingesetzt werden könnten. Dieser Hinweis bezog sich offenbar auf Länder wie die USA und Großbritannien, die bei der Bewaffnung des von Saudi-Arabien angeführten Kriegsbündnisses geholfen haben, und den Iran, der beschuldigt worden ist, den Huthi-Rebellen Waffen zu liefern.

Das Team des Menschenrechtsrats bereiste für die Erstellung des Berichts Teile des Jemens. Es berichtete von etwa 6475 Todesfällen durch den Konflikt im Zeitraum März 2015 bis Juni 2018. Die tatsächliche Zahl sei aber wahrscheinlich wesentlich höher.

Einige Kämpfer ignorierten Listen mit Nicht-Angriffs-Zielen

Die Experten kritisierten auch tödliche Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Allianz gegen die Rebellen. Einige Kämpfer des Bündnisses würden sich „routinemäßig“ nicht über Listen mit Orten informieren, die nicht angegriffen werden sollten.

Der tunesische Menschenrechtsaktivist Kamel Jendoubi, Vorsitzender der Expertengruppe, sagte, sie hätten eine „vertrauliche Liste“ von Personen erstellt, die mutmaßlich internationale Verbrechen begangen hätten. Die Liste sollte am (heutigen) Dienstag dem Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte übergeben werden. Jendoubis Team wollte nicht sagen, wie viele Personen oder Gruppen auf der Liste stehen.

Laut UN hat es der Jemen, das ärmste Land der Arabischen Welt, mit der schlimmsten humanitären Krise der Welt zu tun.

Von dpa/RND