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Deutschland / Welt Das kühle Wasser von Meseberg
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22:01 19.08.2018
Kanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin Quelle: Steffen Kugler/Bundesregierung via Getty Images
Meseberg

Die Abendsonne senkte sich über Schloss Meseberg, die Fontäne rauschte. Da trat ein Kellner mit einem Tablett voller kühler Getränke an einen kleinen runden Tisch im Garten. Dort hatten gerade zwei der wichtigsten Spieler der Weltpolitik Platz genommen: Angela Merkel und Wladimir Putin. Weißwein? Rosé? Merkel und Putin waren sich schnell einig: Wasser.

Das Treffen in Meseberg war anders als viele Gipfelbegegnungen der letzten Zeit. Niemand verkündete anschließend, das Treffen sei „großartig“ gewesen – was für Donald Trump zur Routine gehört. Der hatte nach seinem Treffen mit Putin in Helsinki allen Ernstes gesagt, „noch vor wenigen Stunden“ sei das Verhältnis zu Moskau schlecht gewesen wie nie, aber jetzt habe sich alles grundlegend gewandelt.

Ein enger Draht in schwierigen Zeiten

Den Teilnehmern des Treffens von Meseberg wären Bemerkungen dieser Art zu dumm. Merkel und Putin haben nie in Schwarz-Weiß-Kategorien gedacht, nie eindimensional. Die beiden hielten stets einen engen Draht, auch in schwieriger Zeit. Jüngst entwickelten sich ihre Beziehungen sogar in dramatischem Ausmaß besser, als es nach außen hin schien. So saß, wie erst im Nachhinein bekannt wurde, bereits im Juli der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow zu diskreten Sondierungen im Berliner Kanzleramt.

Über die damaligen Geheimgespräche wird nun ebenso gerätselt wie über die Begegnung in Meseberg. Gibt es bald Schritte zur Beruhigung der Konflikte in der Ukraine und in Syrien? Klar ist nur, dass Russland Hilfe braucht. Der Wiederaufbau Syriens überfordert Moskau ökonomisch. Aber auch für die überfällige Modernisierung des eigenen Landes braucht Putin Partner – während ihn sein angeblicher neuer Freund Trump mit neuen Sanktionen überzieht, die bald den Technologie- und Finanzsektor empfindlich treffen könnten.

Jemand, der auf das Völkerrecht baut

Merkel ist bereit zur Hilfe. Aber sie stellt Bedingungen. In der Ukraine will sie den Vereinten Nationen eine Schlüsselrolle geben, ganz im Sinne eines regelbasierten Konfliktmanagements. In Syrien verlangt sie einen Neubeginn, der zurückkehrenden Flüchtlingen Rechtssicherheit bietet. Offenbar hat sie Putin anvertraut, wenn er nicht sofort ein neues Flüchtlingsdrama in Idlib vermeide, könne er seine gesamten Avancen vergessen.

Ein harter Poker ist im Gang. Doch schon das Treffen als solches ist ein Hoffnungsschimmer in düsterer Zeit. Es gibt noch jemanden in der westlichen Welt, der stur auf die Herrschaft des Völkerrechts pocht, auf ein verlässliches Sich-Vertragen. Geduldig weist Merkel Putin und dem Rest der wirr gewordenen Welt einen Rückweg Richtung Rationalität. Das kühle Wasser von Meseberg tut gut. Es könnte auch noch anderen Autokraten, Recep Tayyip Erdogan vorneweg, beim Abklingenlassen nationalistischer Machtbesoffenheit helfen.

Von Matthias Koch

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