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Deutschland / Welt TV-Serie über Clans: „Die Realität holt uns ein“
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11:00 01.10.2018
„Beim Schreiben begeben wir uns in die Köpfe der Clanmitglieder“: Richard Kropf, Bob Konrad und Hanno Hackfort (von links), die Drehbuchautoren der Serie „4 Blocks“. Quelle: Foto: Privat
, , Berlin

Die TV-Serie „4 Blocks“ über Leben und Geschäfte eines arabischen Familienclans in Berlin wird auf den Straßen Neuköllns genauso geliebt wie in den Jurys diverser Fernsehpreise. Weniger begeistert sind Polizei und Politik, die der Serie vorwerfen, Kriminelle zu heroisieren. Die zweite Staffel der Serie mit Kida Khodr Ramadan in der Hauptrolle startet am 11. Oktober auf dem Bezahlsender TNT Serie. Hanno Hackfort, Richard Kropf und Bob Konrad schrieben die Drehbücher.

Vieles in der Serie „4 Blocks“ wirkt sehr nah an der Realität. Wie recherchieren Sie?

Hackfort: Wir haben unsere eigenen, meist indirekten Drähte in diese Familien. Die Aktivitäten der arabischen Clans sind ja nicht neu, sie sind nur aktuell zu einem Riesenthema geworden. Zum Teil werden wir von der Realität eingeholt.

Wann zum Beispiel?

Hackfort: In der zweiten Staffel versucht die Polizei, den Immobilienbesitz der Hauptfigur Toni Hamady zu beschlagnahmen. Das war für uns eine logische Folge der Aktivitäten der Clans und der neuen gesetzlichen Möglichkeiten der Behörden. Genau so etwas ist jetzt in der Realität passiert – nachdem wir es uns ausgedacht hatten. Fast hätten wir den Erzählstrang dann wieder herausgenommen, um uns nicht dem Vorwurf auszusetzen, wir würden die Ereignisse kopieren.

Kropf: Bei der Recherche und später beim Schreiben begeben wir uns sozusagen in die Köpfe der Clanmitglieder hinein. Wir überlegen uns Strategien, die aus ihrer Sicht Sinn ergeben, und manchmal überlegen sich die echten Clans in der Realität ähnliche Strategien, weil sie naheliegen. Geldwäsche durch Investition in legale Geschäfte ist ein Beispiel. Aber wir machen hier keine Dokumentation, sondern erzählen eine fiktive Geschichte.

Konrad: Uns interessiert in „4 Blocks“ viel mehr die Familie und die Welt hinter den Ereignissen.

Hackfort: Wir wollen eine universelle Geschichte erzählen über Liebe und Verrat.

Wie kommt die Serie auf den Straßen Neuköllns an?

Hackfort: Sie wird dort sehr stark wahrgenommen. Wir haben schon eine gewisse Glaubwürdigkeit. Die Darsteller werden stark mit ihren Figuren identifiziert. Unser Hauptdarsteller Kida Khodr Ramadan hat sogar einen Friseursalon eröffnet und nach seiner Rolle „Toni Hamady“ genannt.

Konrad: Wir hören aber niemals von irgendjemandem: Die Hamadys (der Clan in der Serie) sind unsere Vorbilder. Was wir hören, ist: Endlich werden Geschichten aus unserer direkten Umgebung erzählt, aus unserem Milieu gezeigt, endlich richtet einer das Licht auf uns.

Polizei und Politik kritisieren die Serie, sie würde die Gangster heroisieren. Haben sie recht?

Hackfort: „4 Blocks“ ist Fiktion. Die Realität folgt nicht unserer Serie, wir erzählen eine Geschichte, die der Realität entnommen ist. Das sollte man trennen können. Und wir heroisieren nicht. Gut, wir zeigen die dicken Autos, aber die sieht jeder auch auf der Straße. Wir erzählen eine Geschichte, die nach unten führt, nicht nach oben.

Von Jan Sternberg

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