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Deutschland / Welt Steinmeier im Schatten der Vergangenheit
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17:16 11.10.2018
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht am Donnerstag das ehemalige Konzentrationslager Chaidari westlich von Athen. Quelle: dpa
Berlin

Der Griechenland-Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll für einen Neuanfang im deutsch-griechischen Verhältnis stehen. Man wolle die während der Schuldenkrise auf beiden Seiten erstarkten Vorurteile überwinden und ein neues Kapitel aufschlagen, beteuern Steinmeier und der griechische Premier Alexis Tsipras. Das wird nicht einfach. Denn auf diesem Verhältnis lastet der Schatten einer ferneren Vergangenheit, dem auch Steinmeier bei seinem Besuch nicht entkommt. Die Frage nach einer finanziellen Entschädigung für die von Deutschen im Zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen begleitet ihn.

Die Forderung nach Reparationszahlungen lassen sich schnell als Polemik von Radikalen und Populisten in einem nach wie vor pleitebedrohten Staat abtun. Doch diese reflexhaft vorgebrachte Sichtweise verkennt, dass Athen Schadensansprüche nicht erst seit der Schuldenkrise vorträgt, sondern seit Kriegsende.

Die Nachkriegsregierungen brachten ihre Forderungen zurückhaltend vor. Man wollte mit Kritik an Deutschland, dem „Bollwerk gegen den Sozialismus“, die Westbindung nicht gefährden. Zudem vertagte das Londoner Abkommen zum Schuldenerlass Deutschlands 1953 die „Prüfung“ aller aus dem „Krieg herrührenden Forderungen“ bis zur deutschen Vereinigung. Als es 1990 so weit war, flammte die Forderung nach Wiedergutmachung wieder auf. Doch seitdem heißt es aus Deutschland: zu spät.

Die deutsche Besatzung ist für Griechen keine antike Tragödie, die Erinnerung daran ist in fast jeder Familie lebendig. Distomo, Kondomari, Kalavryta – in Deutschland mögen die Ortsnamen kaum bekannt sein. In Griechenland sind es Synonyme für Massenerschießungen, Brandschatzungen, Kindstötungen. 60.000 griechische Juden wurden ermordet, die Opferzahl nichtjüdischer Griechen ist unbekannt, das Land wurde geplündert und verwüstet.

Das Leid lässt sich nicht in Euro beziffern. Hoffnungen auf individuelle Opferentschädigung prallen am internationalen Recht ab. Im Falle des Kredits, den die griechische Nationalbank den Nazis unter Zwang gewährte und zu dessen Rückzahlung sich selbst das NS-Regime verpflichtet hatte, könnte die Bundesregierung Verhandlungsbereitschaft zeigen. Der Fall ist einzigartig, Berlin müsste keinen Präzedenzfall fürchten.

Die Beschäftigung mit der deutschen Besatzung Griechenlands darf sich aber nicht auf Schadenssummen beschränken. Wichtiger ist es, heutige Generationen für die gemeinsame Geschichte zu sensibilisieren – damit sie keine Quelle für Konflikte bleibt. Der Zeitpunkt ist günstig: Nie zuvor gab es zwischen Deutschen und Griechen so viele Bande. Das schon lange geplante deutsch-griechische Jugendwerk könnte zum besseren Kennenlernen beitragen, ebenso wie einige Schulstunden in geteilter Geschichte. Denn eine gemeinsame Zukunft, wie sie Steinmeier skizziert hat, kann es ohne eine gemeinsame Vergangenheitsbewältigung nicht geben.

Von Marina Kormbaki / RND

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