Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Deutschland / Welt Spitzenkandidatin: CDU Hamburg nominiert Aygül Özkan
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Spitzenkandidatin: CDU Hamburg nominiert Aygül Özkan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:07 20.08.2018
Soll Hamburger Spitzenkandidatin der CDU für die Bürgerschaftswahlen 2020 werden: die Juristin Aygül Özkan. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Hamburg

Auf ein geteiltes Echo sind die Pläne der Hamburger CDU gestoßen, die frühere niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan zur Herausforderin von Regierungschef Peter Tschentscher (SPD) zu machen. Die Grünen-Spitzenfrau Katharina Fegebank wertete die Entscheidung als „positive politische Überraschung“, wie sie bei Twitter schrieb. Aus dem ganz rechten Spektrum hagelte es dagegen Kritik: Mit der Entscheidung für Özkan verlasse die CDU in Hamburg ihren „bürgerlich konservativen Weg“, erklärten AfD-Fraktionschef Alexander Wolf und Parteichef Dirk Nockemann.

Die Entscheidung für Özkan war am Wochenende überraschend veröffentlicht worden, zumal zugleich bekannt wurde, dass die 46-Jährige schwer erkrankt ist. Özkan teilte schriftlich mit: „Diese tolle Herausforderung, Hamburgs Erste Bürgermeisterin zu werden, kann ich aber im Moment aus persönlichen Gründen leider nicht annehmen“. Die Hamburger CDU hält aber trotz der Krankheit, von der sie – wie Özkan selbst – erst vor wenigen Tagen erfuhr, an der Kandidatur fest. „Wir machen etwas, was in der hektischen Politik sonst unmöglich scheint, wir atmen durch und nehmen uns die Zeit, die Aygül Özkan braucht“, sagt CDU-Fraktionschef André Trepoll.

Ministerin im Kabinett Christian Wulff in Niedersachsen

Die Juristin und gebürtige Hamburgerin, deren Vater im Stadtteil Altona eine Änderungsschneiderei betreibt, war 2008 bis 2010 Mitglied der Bürgerschaft in der Hansestadt gewesen, bevor sie der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) zur Sozialministerin im Nachbarbundesland berief. Dort bekam die CDU-Politikerin gleich zu Beginn ihrer Amtszeit auch aus den eigenen Reihen viel Kritik für ihre Forderung, Kreuze aus öffentlichen Schulen zu entfernen. Wirbel löste sie zudem mit dem Vorstoß aus, eine verbindliche Sprachregelung für niedersächsische Medien beim Thema Integration einzuführen. In beiden Fällen ruderte Özkan später zurück. Mit dem Machtwechsel 2013 in Niedersachsen verlor sie ihr Ministeramt und wechselte zu einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank in die Wirtschaft. 2010 war Özkan die erste türkischstämmige Ministerin muslimischen Glaubens in Deutschland gewesen.

Özkan soll 2020 Peter Tschentscher herausfordern, der seit gut vier Monaten im Amt ist und Olaf Scholz als Ersten Bürgermeister abgelöst hatte. Nach einer repräsentativen Umfrage sind 44 Prozent der Hamburger mit der Arbeit von Tschentscher zufrieden. 28 Prozent der Befragten äußerten sich in einer Umfrage für das RTL/n-tv-Trendbarometer unzufrieden. Die übrigen 28 Prozent hatten sich noch keine Meinung gebildet. Mit Tschentschers Vorgänger Olaf Scholz seien vor seinem Wechsel an die Spitze des Bundesfinanzministeriums 59 Prozent der Hamburger zufrieden gewesen, teilte der Fernsehsender RTL am Montag mit.

CDU wittert Morgenluft

Die CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft wertete das Ergebnis als negativ. „Die Hamburger werden mit Tschentscher wohl nicht richtig warm, so wird es im Wahlkampf schwer für ihn“, sagte Fraktionschef André Trepoll. „Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat das Vertrauen in den Bürgermeister klar abgenommen.“

Im Auftrag des RTL/n-tv-Trendbarometers befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 9000 Bürger in den 15 größten deutschen Städten zur Arbeit ihrer Stadtoberhäupter. Dabei kam Tschentscher auf den siebten Platz. Am besten schnitt der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly ab (72 Prozent positiv), am schlechtesten der Bremer Bürgermeister Carsten Sieling (64 Prozent negativ). Beide Stadtoberhäupter sind wie Tschentscher und Scholz SPD-Politiker.

Von RND/dpa