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Deutschland / Welt So düster schaut die europäische Presse auf Trump
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10:49 17.07.2018
US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz nach ihrem Treffen in Helsinki. Quelle: imago
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Hannover

Nach dem Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki regt sich Kritik in der ganzen Welt. Viele Kongressabgeordnete in den USA werfen Trump massive Fehler vor. Er habe die USA klein und Russland groß gemacht, hieß es. Dass Trump beim Thema Wahlmanipulation Putin mehr glaube als den eigenen Geheimdienstmitarbeitern sei beschämend.

Mehr zum Thema: Putin kam, sah und siegte

Auch in den europäischen Tageszeitungen kommt das Treffen nicht gut weg. Die Pressestimmen im Überblick:

Die Londoner „Times“ schreibt:

„Es war eine Reise, auf der sich Donald Trump die deutsche Bundeskanzlerin zur Brust genommen hat, Theresa Mays Verhandlungsversuche für den Brexit schlechtmachte und die Queen in der Sonne warten ließ. Es stand zu befürchten, dass er in die Gespräche mit Putin geht und im Ausgleich für russische Zugeständnisse bei der Ukraine den Abzug amerikanischer Truppen aus Europa anbietet. Das Schweigen Trumps zur Ukraine war beschämend. Aber vielleicht am beunruhigendsten war die Weigerung des US-Präsidenten, sein eigenes Land zu verteidigen, als er gefragt wurde, ob er an eine russische Einmischung bei den amerikanischen Wahlen glaube. Es ist schwer vorstellbar, dass auch nur einer seiner Amtsvorgänger eine derart pro-russische Linie vertreten hätte.“

Die niederländische Zeitung „De Telegraaf“ schreibt:

„(Kremlchef) Wladimir Putin, der wegen der Annexion der Krim und der Einmischung in die Ukraine auf der Weltbühne lange als Paria galt, ist vom mächtigsten Mann der Welt in einen Sessel gehievt und zurückgebracht worden an die Spitze. Er ist dort, wo er sein wollte. Auf Augenhöhe mit (US-Präsident Donald) Trump. Und Gleiche unter Gleichen machen sich keine Vorschriften.“

Die italienische Tageszeitung „La Stampa“ schreibt:

„Es war fast wie eine Umarmung unter Freunden, mit gegensätzlichen Interpretationen. Für Putin und Trump hat der Gipfel gestern in Helsinki das wahre „Ende des Kalten Krieges“ besiegelt (...), was die Tür zu einer nützlichen Zusammenarbeit an allen Fronten der Welt öffnet. Für Kritiker aber hat er das geheime Vorgehen des Weißen Hauses mit dem Kreml bewiesen, wenn nicht sogar einen Verrat an der Nation.“

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Hannover schreibt:

„Es ist immer besser, wenn Amerika und Russland miteinander reden, als wenn sie nur übereinander reden. Insofern liegt schon darin eine gute Nachricht, dass der Gipfel in Helsinki überhaupt stattgefunden hat. Die konkreten Inhalte und Schlussfolgerungen liegen allerdings im Nebel. Ein Spitzentreffen, so schön es auch erst mal aussieht, schließt nachfolgende Krisen nicht aus.“

Lesen Sie hier den ganzen Kommentar: Trump und Putin: Ein Gipfel im Nebel

Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt:

„Was Trump mit seiner eigenartigen Anbiederung an Putin bezweckt, bleibt ein Rätsel. Sicher ist nur, dass sich der Kreml keinen besseren Akteur im Weißen Haus wünschen kann als ihn – einen Mann, der es in kürzester Zeit geschafft hat, das westliche Bündnis zu zerrütten und die einst so wichtigen Beziehungen mit Berlin, London und Paris toxisch zu machen, der aber auch die amerikanischen Institutionen untergräbt und zugleich naiv darüber hinwegsieht, wie Russland die USA auf dem nahöstlichen Schachbrett ausmanövriert.“

Die spanische Zeitung „La Vanguardia“ schreibt:

„Putin war gestärkt durch den organisatorischen Erfolg der WM nach Helsinki gekommen, und Trump kam, nachdem er rechts und links gegen seine Nato-Verbündeten gewettert und die britische Premierministerin kritisiert hatte. Putin verlässt die finnische Hauptstadt, nachdem er ein Doppelziel erreicht hat: internationale Legitimität und die Anerkennung von Russland als Weltmacht. Trump hinterlässt das Gefühl, seinem „Konkurrenten“, wie er Putin definierte, viele Zugeständnisse gemacht zu haben.“

Die dänische Tageszeitung „Politiken“ aus Kopenhagen schreibt:

„Die Pressekonferenz in Helsinki war grotesk. Trump war mehr daran interessiert, auf Abstand zur Justiz in seinem eigenen Land zu gehen, als an Putins Versuch, Russlands Unschuld zu beteuern. [...] In einer Sitcom würde das übertrieben rüberkommen. Dass allerdings der US-Präsident so unzusammenhängend, umständlich und schlecht überlegt spricht, ist peinlich und beängstigend.“

Die slowakische Tageszeitung „Sme“ schreibt:

„Wladimir Putin hat sich mit steinernem Gesicht die bombastische Erklärung von Donald Trump angehört, wonach sich ihre Beziehungen, die noch nie so schlecht waren wie zuletzt, soeben vollkommen geändert hätten. Das Gerede vom konstruktiven Dialog ist ein Klischee, um vor den Journalisten den wahren Gesprächsinhalt zu verbergen. Zumindest vorläufig. Denn Trump wird sicher noch einige Details des Treffens veröffentlichen – als Beweis seiner großen Fähigkeiten.“

Die lettische Tageszeitung „Neatkariga Rita Avize“ schreibt:

„Ein guter Anfang, um eine gemeinsame Sprache zu finden – so haben US-Präsidenten Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin auf der offiziellen Pressekonferenz ihr erstes bilaterales Treffen beschrieben. Selbst die schärfsten Fragen beantworteten sie dabei mit allgemeinen Phrasen. Gleichzeitig ist nicht bekannt, was sie besprochen haben und wie die Atmosphäre bei dem Gespräch hinter verschlossenen Türen war, als die Präsidenten mehr als zwei Stunden von Angesicht zu Angesicht miteinander redeten.“

Die linksliberale polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“ schreibt:

„Es tat weh zuzusehen, wie der Präsident der USA sich immer mehr verstrickte, als er Journalisten vor den Augen der Weltöffentlichkeit versicherte, er habe auf ehrliche Weise die Wahlen vor zwei Jahren gewonnen. Der daneben stehende Putin beobachtete ruhig, wie sich sein Rivale öffentlich bloßstellte.“

Und die russische Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ kommentiert:

„Die USA versuchen Russland auf ihre Seite zu ziehen – vor allem bei den internationalen Konfrontationen mit anderen Mächten wie mit dem Iran und China. Auch das lässt sich zwischen den Zeilen der Verhandlungen zwischen Trump und Putin in Helsinki lesen. Schon während der Begrüßung haben beide sofort alle wichtigen Punkte des historischen Gipfels abgeklopft. Alles kam wie erwartet. Doch gleichzeitig hat sich der Chef des Weißen Hauses das Thema China auf die Fahne geschrieben. Und nun kann man sich ausmalen, dass er sich wünscht, Putin in diesen Handelskrieg hineinzuziehen.“

Von dpa/RND/ang

Mit seiner Weltsicht eckt US-Präsident Trump nach dem Helsinki-Gipfel selbst bei engsten Vertrauten an. Es hagelt eine so massive Kritik auch aus dem eigenen Lager wie nie zuvor in den knapp 18 Monaten von Trumps Präsidentschaft. Zu Hause warten schon Kongressabgeordnete.

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