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Deutschland / Welt Regierungsmaschine auf Abwegen – Das ist über den technischen Defekt bekannt
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15:15 30.11.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlässt auf dem Flughafen Köln/Bonn den Kanzler-Airbus «Konrad Adenauer». Quelle: dpa
Berlin

 Die Notlandung des Regierungsflugzeuges von Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstagabend sorgte schnell für zahlreiche Spekulationen. Obwohl die Ursache schnell als technische Panne deklariert wurde, sind noch einige Fragen offen. Fliegt die ganze Delegation trotzdem nach Buenos Aires und ist so etwas schon einmal passiert? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist über den Ablauf bekannt?

Eine Stunde nach dem Start der Maschine vom Typ Airbus A340-300 in Berlin wird Bundeskanzlerin Angela Merkel während eines Gesprächs mit Journalisten zum Kapitän gebeten. Er erklärt der Kanzlerin, dass er wegen eines technischen Problems nicht weiter fliegen kann. Die Maschine mit dem Namen „Konrad Adenauer“ dreht über den Niederlanden um und nimmt Kurs auf den Flughafen Köln/Bonn.

Über die Bordanlage erklärt der Kapitän, einige elektrische Systeme an Bord seien ausgefallen. Später wird bekannt, dass es sich um die Funkanlage handelt. Merkel selbst spricht gegenüber Journalisten von einer „ernsthaften Störung“.

Auf dem Flughafen wird die Maschine von einem Löschzug der Flughafenfeuerwehr mit Blaulicht empfangen. Das gehört zum Standardprotokoll in derartigen Situationen. Denn das Flugzeug war für den 15-Stunden-Flug nach Argentinien vollgetankt. Unter diesen Bedingungen ist eine Landung ein gewisses Risiko.

Welche Spekulationen stehen im Raum?

In Presseberichten hieß es unter Berufung auf „Sicherheitskreise“, der Kapitän habe Merkel gegenüber von einem beispiellosen Ausfall des Kommunikationssystems gesprochen. So etwas sei nicht für möglich gehalten worden. Nun werde der Ausfall „kriminalistisch aufgearbeitet“ und es werde „in alle Richtungen“ ermittelt. Diese Berichterstattung erweckt den Eindruck, es werde auch Sabotage für möglich gehalten.

Wie reagiert die Luftwaffe auf die Gerüchte?

Sie dementiert die Berichte sehr hart: „Es gibt nicht den kleinsten Anhaltspunkt für einen kriminellen Hintergrund“, sagte ein Sprecher des Bundeswehr-Kommandos Luftwaffe dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Luftwaffe spricht von einem Ausfall einer „elektronische Verteilerbox“. Das System für den Satellitenfunk habe jedoch weiterhin funktioniert, so der Sprecher.

Wie konnte es zum Ausfall eines so wichtigen Bauteils kommen?

Das wird derzeit von Experten der Luftwaffe untersucht. Sie haben nach Informationen des RND auch Kontakt zum Hersteller Airbus und anderen zivilen Fluggesellschaften aufgenommen um herausfinden, ob es diesen Fehler schon einmal gegeben habe. Bei der Bundeswehr selbst war er den Angaben zufolge noch nie aufgetreten.

Wie sieht das Standardverfahren in solchen Fällen aus?

Das Standardverfahren ist laut Luftwaffe entweder „(A) Weiterflug zum Zielflughafen oder B Rückkehr zum Startflughafen“.

Warum hat sich der Pilot in diesem Fall anders entschieden?

An der Verteilerbox neben der Steuerung für den Funkverkehr auch der Notfallmechanismus zum Ablassen von Sprit hängt. Das kann notwendig sein, um das Gewicht der Maschine vor einer ungeplanten, vorzeitigen Landung zu reduzieren. Beim Regierung-Airbus verhinderte der Ausfall ein Ablassen. „Es ist eine extreme Belastung für das Bremssystem. Dies war der Grund dafür, dass die Passagiere zunächst noch an Bord bleiben mussten. Es ging darum auszuschließen, dass es zu einer Gefährdung durch Brandentwicklung kommt“, so ein Luftwaffen-Sprecher.

Wie funktioniert die Kommunikation mit Flughäfen an Bord?

Normalerweise funktioniert die Kommunikation in Flugzeugen mit Funkanlagen. So wird der ständige Kontakt zwischen den Piloten und den Mitarbeitern am Boden gehalten. Fällt dieses aus, kehrt der Pilot im Normalfall zum Startflughafen zurück oder fliegt weiter bis zum Ziel. Wird der Defekt über einen längeren Zeitraum vom Pilot nicht bemerkt, kommen die Eurofighter zum Einsatz, erklärt ein Sprecher. Die Kampfjets spüren das Flugzeug ohne Funkkontakt auf und begleiten es zu einem Flugplatz.

Wie konnte das Flugzeug ohne Kommunikationsanlagen landen?

Den Piloten gelang die Organisation der Landung in Köln-Bonn nur dank eines Satellitentelefons, was sich an Bord befand. Das bestätigt der Leiter der Flugbereitschaft, Oberst Guido Heinrich, gegenüber n-tv.

Wieso gab es keinen Ersatzflieger?

Beim Start des Kanzlerinnen-Jets am Abend in Berlin-Tegel stand zwar dort noch eine Ersatzmaschine bereit, die Theodor Heuss“, ebenfalls ein A340. Sie hätte dort theoretisch auch den Kanzlerinnen-Tross aufnehmen können. Nur: „Es gab keine zweite Crew“, räumt der Luftwaffen-Sprecher ein. Der Grund: Alle Crews befanden sich in der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeit von 10 Stunden. Und die Mannschaft an Bord der „Konrad Adenauer“ hätte, da sie ja schon einmal gestartet war, die maximal zulässige Flugdienstzeit von 18 Stunden überschritten.

Was ist die Flugbereitschaft?

Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung ist ein militärischer Verband der Luftwaffe. Mit den Maschinen werden Soldaten und Material transportiert, aber auch Führungskräfte aus dem politisch-parlamentarischen Bereich.

Zur Flugbereitschaft gehören fünf Airbus A310, je zwei Airbus A340 und A319CJ, vier Bombardier Global 5000 sowie drei Hubschrauber.

Für lange Direktflüge über den Atlantik ohne Zwischenlandungen sind lediglich die „Konrad Adenauer“ sowie die „Theodor Heuss“ in der Lage. Die Maschinen können 13500 Kilometer nonstop fliegen. Zwei Prozent aller VIP-Flüge sind im Jahr 2017 ausgefallen.

Wie ging es für Merkel dann weiter?

Merkel ist am frühen Freitagmorgen zunächst mit einer kleineren Maschine der Flugbereitschaft der Luftwaffe von Köln/Bonn nach Madrid geflogen. Von dort startete sie gegen 9 Uhr an Bord einer Linienmaschine der Fluggesellschaft Iberia nach Buenos Aires. Sie wird nur noch von einer kleinen Delegation begleitet, darunter Vizekanzler Olaf Scholz, Regierungssprecher Steffen Seibert und der außenpolitische Berater Jan Hecker.

Kommen die Delegierten trotzdem zum G20-Gipfel?

Nicht alle: Zurück blieben unter anderem Merkels Ehemann Joachim Sauer und zahlreiche Journalisten. Sie mussten die Heimreise antreten, da für sie der Anschlussflug in Madrid nicht mit einem Linienflug erreichbar war.

Von Timot Szent-Ivanyi und Lisa Leuteritz/RND

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