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06:15 14.10.2017
„Vorwürfe politisch motiviert“: Landeschef Hampel.  Quelle: Foto: Imago
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Hannover

 Es war ein Bild mit Symbolcharakter: Sorgfältig geschminkt trat Dana Guth, die niedersächsische AfD-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl, am 29. September für eine Talkshow vor die Kameras. Die Fassade stand, doch dahinter wurde eine bizarre Rochade ausgeführt. Die Göttinger AfD-Kreistagsfraktion warf Guth raus, noch während sie ihren TV-Auftritt hatte – angeblich wegen „großer Differenzen“. Das Verwaltungsgericht Göttingen kassierte die Entscheidung zwar, doch wieder einmal war deutlich geworden, was die Partei in Niedersachsen kennzeichnet: ein Grabenkampf.

Ja, der niedersächsische Landesverband sei schwierig, räumt auch der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, ein. Eine wohlwollende Umschreibung für Parteiskandale, mit denen sich die Justiz beschäftigt. Der AfD-Bundesschatzmeister Bodo Suhren aus Osnabrück, von Beruf Polizeibeamter, soll Informationen zu Flüchtlingszahlen aus internen Polizeiberichten an Parteifreunde weitergereicht haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Gleichzeitig rempelte Suhren öffentlich den AfD-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Armin-Paul Hampel an, dieser habe „exorbitante Mehrkosten für Alkohol“ verursacht.

Hampel selbst steht in der Partei seit Monaten unter Druck. Sein niedersächsischer Spitzenplatz auf der Bundestagswahlliste wurde von innerparteilichen Gegnern erbittert bekämpft. Vor Gericht wurde eine Annullierung der Liste angestrebt – allerdings vergeblich. Zusätzlich tauchte im Sommer ein gefälschter Brief der Landeswahlleiterin auf, mit dem der Eingang der AfD-Landesliste bestätigt wurde. Die Ermittlungsbehörden schalteten sich ein; bisher erfolglos.

Am Montag schließlich ließ die Staatsanwaltschaft Lüneburg Hampels Wohnung und die Landesgeschäftsstelle in Lüneburg durchsuchen. Vorwürfe, der Landesvorsitzende habe der Partei eine Kameraausrüstung verkauft, diese aber nicht geliefert, bestätigten sich nicht. Auch den Vorwurf, ein Filmwerbespot sei vom 60-Jährigen gegenüber der Partei doppelt abgerechnet worden, ließ die Behörde am Freitag fallen. Hampel hatte die Vorwürfe als „politisch motiviert“ abgetan.

Vielen Wählern ist das innerparteiliche Chaos egal. Für sie reicht es offenbar, dass die AfD als quengelnde Konkurrenz den etablierten Parteien zusetzt. Der Einzug in den Landtag scheint sicher; in Umfragen kommt die AfD beständig auf bis zu 8 Prozent.

Von Alexander Dahl

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