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Deutschland / Welt Luther? Find ich gut!
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06:00 30.10.2017
Der deutsche Reformer: Im Profil des Doktor Martin Luther, platziert zum 500. Reformationsjubiläum, spiegelt sich die Wartburg . Quelle: dpa
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Wittenberg

An jenem Tag wollte Luther gar nicht mit dem Volk reden. Egal ob er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel am 31. Oktober 1517 tatsächlich wütend an die Tür der Schlosskirche schlug (sehr unwahrscheinlich) oder ob er sie doch eher still per Post an zwei Bischöfe schickte (sehr wahrscheinlich): Der Wittenberger Mönch wollte erst mal nur eine innerkirchliche Diskussion anzetteln. Es ging ihm nicht darum, die Massen anzustacheln, eine neue Epoche auszurufen oder die Kirche zu spalten. All das ist trotzdem passiert.

Kritische Historiker haben sich jüngst bemüht, die Bedeutung Martin Luthers für jenen gewaltigen Umbruch namens Reformation ein wenig zu relativieren. Er war nicht der Erste und schon gar nicht der Letzte, der die Korruption der Geistlichkeit seiner Zeit kritisierte. Es brauchte auch keinen besonders scharfen Blick, um zu erkennen, dass in Rom zu dieser Zeit vieles gewaltig schieflief. Papst Leo X. verprasste und verschenkte sein Gold tonnenweise, er brauchte dringend Geld, das ihm die Ablassbriefe bringen sollten – Papiere, die den Gläubigen die Zeit im Fegefeuer verkürzen sollten.

Es war ein düsteres Geschäft mit der Angst der Menschen. Luthers Unbehagen an dieser verkommenen, veräußerlichten Kirche bedeutete auch keinen Bruch mit allem Vorigen – er stand mit seinem Glauben und Denken in einer mittelalterlichen Tradition, der Mystik. Und hätte sein Aufbegehren nicht ein paar machtbewussten Landesherren ganz prima in den Kram gepasst, wäre es mit der Reformation auch nichts geworden.

Ganz Deutschland feiert den Reformationstag

Doch wer will all das im Jahr des Luther-Überschwangs schon so genau hören? Was sind ein paar wissenschaftlich redliche Thesen gegen eine Million verkaufte Playmobil-Luther? Vielen Deutschen ist ihr Luther in diesem Jahr wieder oder zum ersten Mal ein großes Stück näher gekommen. Auch darin liegt, all seinen fragwürdigen Sätzen zum Trotz, ein Wert. Tatsächlich waren es ja seine Thesen, die die große Erneuerung entscheidend beförderten, die zum wichtigsten Katalysator dieser Revolution wurden – und deretwegen morgen zum ersten Mal die ganze Nation, Katholiken und Protestanten gemeinsam, den Reformationstag feiert (oder sich über ein samt Brückentag sehr langes Wochenende freut).

Nur: Der Ursprung ist über all dem in Vergessenheit geraten. Alle kennen die 95 Thesen – aber kaum einer weiß mehr, was drinsteht. Diese 13 Antworten übersetzen Luthers Thesen in die Gegenwart.

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Alexander Garth, 60, ist Gründer der Jungen Kirche Berlin und Pfarrer in Wittenberg: Ich bin Pfarrer in Wittenberg, einer der am stärksten entchristlichten Gegenden Europas. Das ist schon eine Herausforderung. Meine Lieblingsthese ist These 62: „Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“ Die Initialzündung der Reformation war die Frage der Menschen, wie man einen gnädigen Gott bekommt. Luther kritisierte, dass man die Vergebung seiner Sünden kaufen konnte. Heute ist diese Frage in ganz anderer Weise aktuell: Die Menschen in unserer Kultur haben Gott vergessen – gleichzeitig sehnen sie sich nach Sinn, Orientierung, Gemeinschaft und Geborgenheit. Es geht also wie zu Luthers Zeiten darum, wie man Gottes Nähe und Hilfe erfahren kann. Das Evangelium steht für Freude, Befreiung, ja letztlich für Gotteserfahrung. Das suchen die Menschen. Aber häufig finden sie das in der Kirche nicht. Da geht es oft zu sehr um das, was wir tun sollen, und weniger um das, was Jesus tat, damit wir Gottes Freunde werden.

Von Thorsten Fuchs

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