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Deutschland / Welt USA schieben früheren Nazi-Lageraufseher nach Deutschland ab
Nachrichten Politik Deutschland / Welt USA schieben früheren Nazi-Lageraufseher nach Deutschland ab
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14:59 21.08.2018
Das Visum von Jakiv Palij – der 95-Jährige wurde nun nach Deutschland abgeschoben. Quelle: Uncredited/US Department of Justice/dpa
Düsseldorf/New York

Der einzig bekannte, in den US-lebende Nazi-Kollaborateur ist nach Deutschland abgeschoben worden. Wie das Weiße Haus bestätigte, wurde der ehemalige KZ-Aufseher Jakiv Palij am Montag in New York festgenommen und noch am Abend mit dem Flugzeug nach Deutschland ausgeflogen. Er landete am Morgen in Düsseldorf.

Der Abschiebung waren jahrelange Verhandlungen zwischen Berlin und Washington vorausgegangen. Palij gab sich gegenüber den US-Behörden als Bauer und Fabrikarbeiter aus und konnte so 1949 in die USA einreisen, wo er unbehelligt zunächst als technischer Zeichner und dann als Rentner lebte.

Palij dementiert Beteiligung an Kriegsverbrechen

Vor 25 Jahren wurde bekannt, dass Palij als Aufseher im Zwangsarbeitslager Trawniki ausgebildet wurde. Er soll später im Vernichtungslager Treblinka tätig gewesen sein, wo während des Zweiten Weltkriegs rund 900.000 Menschen ermordet wurden.

Palij gab 1993 gegenüber Ermittlern des Justizministeriums zu, falsche Angaben gemacht zu haben. „Ich hätte niemals mein Visum bekommen, wenn ich die Wahrheit gesagt hätte. Alle haben gelogen.“ Er räumte ein, in Trawniki gedient zu haben, bestritt aber, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein.

Im Jahr 2005 entzog ein US-Richter dem heute 95-Jährigen daraufhin die US-Staatsbürgerschaft und ordnete seine Abschiebung an.

Ein Foto aus dem Jahr 2003 zeigt den ehemaligen KZ-Aufseher Jakiw Palij Quelle: AP

Doch die deutschen Behörden verweigerten die Aufnahme. Zum einen war der gebürtige Pole nie deutscher Staatsbürger. Andererseits sahen die hiesigen Justizbehörden nicht genug Indizien, um Anklage wegen Mordes oder Beihilfe zum Mord zu erheben. Es gibt weder Dienstausweise noch eine Personalakte, die belegen könnten, dass er an der Shoa beteiligt gewesen war.

Oberstaatsanwalt: Ohne neue Beweise keine Ermittlungen gegen SS-Mann

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird es gegen Palij zunächst keine neuen Ermittlungen in Deutschland geben. Das gegen den Mann geführte Verfahren wegen Beihilfe zum Mord sei Mitte 2016 aus Mangel an Beweisen von der Staatsanwaltschaft Würzburg eingestellt worden. Sollten sich keine neuen Beweise ergeben, bleibe der heute 95-Jährige ein „nicht mehr Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren in Deutschland“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen, Jens Rommel, am Dienstag in Ludwigsburg. Eine Einstellung solcher Verfahren sei aber „nichts für die Ewigkeit“, sollten sich neue Beweise ergeben.

Von RND/mkr

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