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Deutschland / Welt Iraker wollen weg aus Deutschland
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17:53 14.01.2016
Neben den regulären Fluggästen checken auch Flüchtlinge am Berliner Flughafen Tegel ein. Quelle: Gregor Fischer/dpa
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Berlin

Vor sechs Monaten floh Thamer Talip zu Fuß und per Schlauchboot aus dem Irak nach Deutschland. Heute fliegt er zurück. "Wollen Sie wiederkommen nach Deutschland?", fragt ihn ein Polizist am Berliner Flughafen Tegel auf Englisch. "Nein", lautet die klare Antwort.

Mit ein paar Freunden steht der junge Mann vor Schalter C60 – hier findet der Check-In für eine Maschine statt, die nach Erbil startet und dann weiter nach Bagdad fliegt. Fast ausschließlich Männer warten hier, darunter Dutzende irakische Flüchtlinge. Ein Mitarbeiter der Iraqi Airways schlängelt sich hektisch zwischen den Menschen durch. Immer wieder reichen ihm Männer 500-Euro-Scheine. Sie kaufen sich auf den letzten Drücker ihre Tickets für die Rückkehr in die Heimat – für 295 Euro.

Thamer Talip hat sein Ticket im Voraus besorgt. Eigentlich dürfte er mit seiner Aufenthaltsgenehmigung mindestens ein weiteres halbes Jahr in Deutschland bleiben. Aber er hat genug: "Die Behandlung am Lageso ist sehr schlecht", erzählt er auf Arabisch von den Zuständen am inzwischen überregional berüchtigten Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin – und ein Freund übersetzt. Außerdem habe er gehofft, dass er seine Frau und seinen kranken Vater nachholen kann, das sei aber nicht möglich.

"Ich war gekommen, um zu bleiben", berichtet Salam Mohammad, ein 42-jähriger Kurde aus Kirkuk. "Aber Deutschland tut nichts für mich." Es gebe sehr viele Iraker, die wie er Deutschland den Rücken kehrten.

"Freiwillige Ausreisen in Krisenländer sind keine Einzelfälle", sagt Johann Ehrnsperger vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg. Auch nach Afghanistan und Pakistan gingen Menschen zurück. "Meistens ist die Familie die treibende Kraft." Außerdem kämen viele mit überhöhten Erwartungen an das Leben in Deutschland.

Genaue Zahlen zu freiwilligen Rückkehrern gibt es nicht. Statistisch erfasst werden nur Flüchtlinge, die ein spezielles Rückkehr-Förderprogramm von Bund und Ländern in Anspruch nehmen. Ein Recht darauf hat nur, wer sich die Reise sonst gar nicht leisten könnte.

Im vergangenen Jahr nutzten nach Angaben des Bundesamtes mehr als 37.220 Menschen das Angebot; die meisten stammten aus den Balkanstaaten. Syrer können sich derzeit nicht bei der Rückkehr in ihr Heimatland unterstützen lassen – die Sicherheitslage lässt das nicht zu. Im Dezember und November machten rund 377 Iraker von der Förderung Gebrauch.

Viele buchen ihre Reise aber auf eigene Faust. Allein Alaa Hadrous, Inhaber eines Reisebüros in der Nähe des Lageso in Berlin, hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 400 irakischen Flüchtlingen den Weg zurück ermöglicht. Seit vier Monaten bietet er Tickets für Flüge nach Erbil und Bagdad an. Zu ihm kämen täglich 10 bis 15 Flüchtlinge. "Die hatten sich das ganze komplett anders vorgestellt", berichtet er.

Immer mehr Iraker lassen sich zudem Reisepapiere für die Rückkehr ausstellen. Im Herbst verzeichneten die irakischen Vertretungen in Deutschland einen sprunghaften Anstieg: Hatten sie von Januar bis Oktober insgesamt nur rund 150 solcher Dokumente ausgehändigt, waren es allein im letzten Quartal 1250. Das Auswärtige Amt bestätigte entsprechende Medienberichte.

Osama Salam ist noch hin- und hergerissen. Am Gate im Flughafen Tegel erzählt der 32-Jährige, dass er sich um seinen Freund Talip sorge, der heute abreist. Schließlich sei das Leben im Irak alles andere als sicher. Aber auch er selbst vermisse seine Frau und seine zwei kleinen Töchter und habe Angst um sie. "Wenn ich in einem Monat keine Bestätigung habe, dass sie kommen dürfen, fliege ich auch."

Von Violetta Kuhn, dpa

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