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Deutschland / Welt Hunderte Separatisten sperren Bahngleise und Autobahnen in Barcelona
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14:24 02.10.2018
Am Jahrestag des Unabhängigkeitsreferendums haben Demonstranten mit Blockaden und anderen Aktionen an die gescheiterte Abstimmung erinnert. Dabei kam es zu Ausschreitungen in Barcelona. Quelle: Celestino Arce Lavin/dpa
Barcelona

Genau ein Jahr nach dem Scheitern des Unabhängigkeitsreferendums haben in Katalonien Tausende Katalanen in Barcelona demonstriert. Laut Polizeimeldungen versammelten sich 180.000 Teilnehmer. Die Menge zog am Montagabend von der zentralen Plaza Catalunya zum katalanischen Regionalparlament. Dort wollten die Demonstranten dem neuen Regionalpräsidenten Quim Torra Wahlurnen überreichen, die beim Referendum am ersten Oktober 2017 zum Einsatz gekommen waren.

Sowohl vor dem Regionalparlament, als auch vor dem Hauptquartier der Nationalpolizei gab es harsche Ausschreitungen: Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Beamten und radikalen Separatisten, die sich von dem Demonstrationszug gelöst hatten. Aus der Menschenmenge, die sich vor dem Polizeihauptquartier versammelt hatte – auch hier Tausende – flogen Rauchbomben und Feuerwerkskörper auf die Beamten. Die reagierte mit Gummigeschossen. Nach Medienberichten stürmten Demonstranten auch die Polizeiabsperrungen vor dem Regionalparlament, rissen Barrieren nieder und hielten einen Sitzstreik ab.

Besetzungen und Blockaden zum Jahrestag

Bereits zuvor hatten Proteste den Verkehr in der nordöstlichen Region Spaniens lahm gelegt: Demonstranten blockierten wichtige Fernstraßen, Zugverbindungen und andere Verkehrswege in Katalonien. Sogenannte Komitees zur Verteidigung der Republik (CDR) verbreiteten Bilder, auf denen Straßenblockaden zu sehen waren. Sie zeigten unter anderem die AP-7 (Autopista del Mediterráneo), die entlang der spanischen Ostküste nach Frankreich führt.

In Girona besetzten am Montag Hunderte Aktivisten die Gleise von Hochgeschwindigkeitszügen, während die Polizei versuchte, weitere Menschen davon abzuhalten, in die Bahnhofsgegend zu gelangen. Einige Demonstranten drangen in die lokale Vertretung der spanischen Zentralregierung ein und verlangten, die spanische Nationalflagge abzunehmen. In Barcelona hingegen gingen Tausende Schüler und Studenten auf die Straße und bekundeten ihre Unterstützung für ein unabhängiges Katalonien.

Proteste zum Jahrestag: Separatistische Demonstranten überwinden die Barrieren zwischen ihnen und der Polizei. Quelle: Manu Fernandez/AP/dpa

„Wir werden nicht vergessen, noch werden wir vergeben.“

In der Gemeinde Sant Julià de Ramis versammelten Mitglieder der Regionalregierung und Hunderte Studenten. Letztere zogen friedlich hinter einem Transparent mit der Aufschrift: „Wir werden nicht vergessen, noch werden wir vergeben.“ In Sant Julià de Ramis hatte die Polizei vor einem Jahr verhindert, dass der damalige Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigedmont, seine Stimme beim Referendum abgeben konnte. Die Polizei stürmte das örtliche Wahllokal, sodass er auf einen anderes ausweichen musste.

Am ersten Oktober 2017 hatte die katalanische Regionalregierung versucht, in einem Referendum über eine Abspaltung der Region von Spanien abzustimmen. Das spanische Verfassungsgericht hatte die Abstimmung zuvor bereits für verfassungswidrig erklärt. Die Polizei ging daher gegen die Abstimmung mit einem massiven Aufgebot und unter dem Einsatz von Gewalt vor. Nachdem das Regionalparlament die Unabhängigkeit erklärt hatte, wurde es von der spanischen Zentralregierung des Amts enthoben und abgesetzt. Führende Separatisten wurden verhaftet, vor Gericht gestellt und der „Rebellion“ angeklagt. Carles Puigdemont entzog sich der Justiz durch seine Ausreise ins Ausland. Bei den Neuwahlen erhielten die Separatisten erneut eine knappe Mehrheit.

Ein Befürworter der Unabhängigkeit verbrennt eine spanische Flagge bei dem Protest vor dem Parlament von Katalonien. Zuvor waren Tausende Menschen durch die Stadt gezogen und hatten ein neues Referendum sowie demokratische Selbstbestimmungsrechte verlangt. Quelle: Nicolas Carvalho Ochoa/dpa

Separatistenbewegung wie die Katalanen gespalten

Quim Torra, der aktuelle Präsident der katalanischen Regionalregierung, rief seine Unterstützer dazu auf, die Unabhängigkeit der Region voranzutreiben. Er ging nicht so weit wie sein Vorgänger Puigedmont, der verkündete, nur in einem unabhängigen Katalonien sei eine vollständige Demokratie möglich. Via Twitter verschickte er eine Botschaft, in der er die Katalanen aufrief, einig und beharrlich auf das Ziel der Loslösung von Spanien hinzuarbeiten. „Lasst uns nicht abweichen vom einzig möglichen Weg in voller Demokratie zu leben: Der (katalanischen) Republik und ihrer internationalen Anerkennung“, twitterte er.

Torra forderte die Separatisten auf, die Lehren der Vergangenheit zu beherzigen. Während er dies sagte, war auf einem Banner hinter ihm zu lesen: „Das Volk fordert, die Regierung gehorcht.“ Eine Doppeldeutigkeit, die an die Zentralregierung in Madrid gerichtet sein konnte, aber auch an ihn selbst. Auch Torra hat den Katalanen die Unabhängigkeit versprochen, erreicht hat er sie nicht. Er hat den neuen spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez aufgefordert, ein neues Unabhängigkeitsreferendum zuzulassen.

Während Sánchez in Madrid keine Parlamentsmehrheit hat, sind allerdings auch die Separatisten über das weitere Vorgehen zerstritten. Zudem zeigen Umfragen, das die katalanische Bevölkerung in der Unabhängigkeitsfrage ohnehin tief gespalten ist: Von etwa 7,5 Millionen Einwohnern Kataloniens befürwortet nur die Hälfte eine Abspaltung von Spanien. Die andere ist dagegen.

Von RND/nie/AP

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