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Deutschland / Welt Hunderte Hitlergrüße: Polizei bettelt um Videos
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19:49 17.07.2017
Da waren die Arme noch unten: Neonazis in dem thüringischen Ort Themar.  Quelle: imago
Themar

 6000 Neonazis feierten grölend in einem Festzelt am Rande der Kleinstadt Themar in Südthüringen. Gegen Ende der Veranstaltung brachen alle Dämme: Auf einem Video ist zu sehen, wie Hunderte von ihnen den rechten Arm zum Hitlergruß heben und laut „Heil“ brüllen. Die Polizei schritt nicht ein. Und sie filmte die hundertfachen Straftaten auch nicht selbst. Um nachträglich ermitteln zu können, muss das Polizeipräsidium in Erfurt nun auf das private Material zurückgreifen. Ein Videojournalist aus der Region wird es im Laufe des Montags den Ermittlern übergeben, die dann versuchen werden, einzelne Täter zuzuordnen.. Die Landtagsabgeordnete Katharina König (Linke) ist schockiert: „Ich halte das für fatal. Die Neonazis etablieren einen rechtsfreien Raum und die Polizei lässt es geschehen. Das hätte sie zumindest selbst dokumentieren müssen.“

Bereits zuvor hatte es Straftaten gegeben: Ein Sänger begrüßte die Menge mit dem verbotenen „Sieg Heil“. Dennoch filmte die Polizei die Veranstaltung nicht und ließ die Neonazis ungestört abreisen. Etwa 1000 Beamte waren beim bundesweit größten Rechtsrock-Konzert des Jahres vor Ort. Nach Angaben des Videojournalisten, der die Aufnahmen gemacht hat, konnte die Szene frei von außen eingesehen werden. Zu Gegenprotesten versammelten sich am Sonnabend mehrere hundert Menschen. Laut Innenministerium wurden 46 Strafanzeigen aufgenommen. Sechs Menschen wurden vorläufig festgenommen, von 440 weiteren wurde die Identität festgestellt. Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) wertete den Polizeieinsatz als Erfolg. „Das Konzept der Polizei ist hervorragend aufgegangen, die Polizei hatte die Lage jederzeit im Griff“, hatte er am Sonntag erklärt. Versuche, das als politische Veranstaltung angemeldete Konzert gerichtlich verbieten zu lassen, waren zuletzt vor dem Oberverwaltungsgericht Weimar gescheitert. Am 29. Juli hat Veranstalter Tommy Frenck das nächste Rechtsrock-Konzert angemeldet.

Von Jan Sternberg/RND

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