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Deutschland / Welt Hohenschönhausen: Ex-Chef Knabe bleibt freigestellt
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16:33 26.11.2018
Hubertus Knabe wurde am Montagmorgen von Anhängerinnen und Anhängern mit Blumen begrüßt. Danach ging er ins Büro –vorübergehend. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Am Montagmorgen war das Aufsehen in der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen groß. Da erschien der bisherige und zuletzt abberufene Direktor Hubertus Knabe, um wieder seiner Arbeit nachzugehen. Anhänger begrüßten den 59-Jährigen vor der Tür mit Blumen, bevor er sein Büro betrat. Zuvor hatte Knabe via Twitter seine Freude kundgetan, sich ab Montag erneut seiner „Lebensaufgabe“ widmen zu können – der DDR-Aufarbeitung.

Doch am Nachmittag war die Rückkehr schon wieder vorüber. Da setzte das Berliner Landgericht eine zuvor erlassene einstweilige Verfügung außer Vollzug. Im Umfeld der Stiftung hieß es, die Lage sei „ein wenig unübersichtlich“.

Am 25. September war Knabe vom Stiftungsrat der Einrichtung zum 31. März 2019 entlassen und bis dahin freigestellt worden. Grund waren Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiterinnen über „strukturellen Sexismus aus der Führungsetage“. Diese richteten sich im Wesentlichen gegen Knabes Stellvertreter Helmuth Frauendorfer. Knabe jedoch wurde vom Stiftungsrat unter Vorsitz des Berliner Kultursenators Klaus Lederer (Linke) einstimmig der Vorwurf gemacht, gegen die Belästigungen trotz vielfacher Hinweise nicht eingeschritten zu sein.

Knabe erwirkte eine einstweilige Verfügung

Knabe erwirkte gegen die Entscheidung die besagte einstweilige Verfügung. Demnach sollte er mit sofortiger Wirkung wieder als Gedenkstättendirektor tätig werden können. Daraufhin wiederum berief der Stiftungsrat den Ex-Direktor am Sonntagabend mit sofortiger Wirkung als Vorstand und Direktor der Gedenkstätte mit dem Verweis auf „diverse Rechtsverstöße“, Pflichtverletzungen und ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis ab. Grundlage der Abberufung war ein Bericht der früheren Stasi-Unterlagen-Beauftragten Marianne Birthler. In mehr als 40 Gesprächen habe ihr gegenüber keine der Frauen die Vorwürfe angezweifelt. „Die Mitarbeiterinnen hätten nach wie vor große Angst vor dem Antragsteller“, gab das Gericht Birthlers Bericht wieder. Zugleich legte der Stiftungsrat beim Landgericht Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung ein. Das Gericht setzte sie nun im Eilverfahren außer Vollzug, bis über den Widerspruch in der Sache entschieden ist. Das kann dauern.

Der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Dieter Dombrowski, der wegen seiner Zustimmung zu Knabes Rauswurf selbst in die Kritik geraten war, hat unterdessen die Unterstellung zurückgewiesen, der Rausschmiss sei politisch motiviert gewesen. „Herr Lederer hat es nicht darauf angelegt, sich mit Herrn Knabe zu duellieren“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Schließlich wisse Lederer als Linken-Politiker, dass er sich durch so eine Abberufung politisch angreifbar mache. Zentral für die Abberufung seien die Sexismus-Vorwürfe der Frauen, so Dombrowski. Die könne man „nicht außen vor lassen“.

Von Markus Decker/RND