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Deutschland / Welt Hilfe im Dürresommer – darauf hoffen die Bauern
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Hilfe im Dürresommer – darauf hoffen die Bauern
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19:17 21.08.2018
Vor allem im Norden und im Osten Deutschlands sind vertrocknete Maispflanzen kein seltener Anblick. Quelle: Ina Fassbender/dpa
Berlin

Der Dürresommer hat in Deutschland seine Spuren hinterlassen, vor allem im Norden und im Osten. Normalerweise ist die Unterstützung der Bauern in solchen Situationen Ländersache – es sei denn, es herrscht eine Notlage nationalen Ausmaßes, dann kann sich der Bund einschalten und außerplanmäßige Mittel zur Verfügung stellen. Um dies zu prüfen, veranlasste Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine Erntebilanz aller Bundesländer. Die stellt sie am Mittwoch, 22. August, im Bundeskabinett vor.

Im gleichen Zug wird sie das Ergebnis der Verhandlungen mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz verkünden, wie hoch der vom Bund zur Verfügung gestellte Betrag sein könnte. Doch wie kommen die Hilfebestrebungen bei den Betroffenen an? Drei deutsche Bauern sprachen mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über ihre Hoffnungen und Ängste.

Winzer Reinhard Bossert aus der Pfalz

Der Winzer Reinhard Bossert hatte Glück – er hat seine Reben in Neustadt-Duttweiler in der Pfalz. „Bei uns hat es im Juni ganze 80 Liter an einem einzigen Tag geregnet, davon zehren wir heute noch“, sagt er. Auch die viele Sonne tat den Reben, die auf 50 Hektar verteilt sind, gut.

Kommende Woche wird er die Trauben ernten können. Riesling, Grauer Burgunder und Dornfelder. „Wenn nicht noch eine Katastrophe über uns hereinbricht in Form von Starkregen oder Hagel, dann wird die Ernte gut ausfallen“, sagt er.

Eine Hand hält in einem Weinberg Trauben der Rebsorte Frühburgunder. Quelle: Uwe Anspach/dpa

Der 67-Jährige vergleicht das Warten auf die erfolgreiche Ernte mit einem Fußballspiel: „Wir sind in der 80. Minute. Es steht 4:1 für uns, aber noch haben wir nicht gewonnen.“ In den letzten Jahren lief die Weinernte relativ stabil ab. Der letzte kritische Sommer war 2010, als es kurz vor der Ernte noch einmal Starkregen gab.

Doch natürlich er kennt die Probleme in der Landwirtschaft: „Ich kenne einige, die verlieren ihr ganzes Vermögen. Die Preissituation ist so knapp bemessen, dass sie selbst in den besten Jahren keine nennenswerten Gewinne verzeichnen. Von Altersvorsorge und Rücklagen ganz zu schweigen“, sagt Reinhard Bossert. Er weiß, dass die Dürre die Viehbauern besonders hart trifft, da sie kaum Futter ernten konnten und teilweise Notschlachtungen durchführen mussten.

Agrargesellschaft mit 350 Milchkühen aus Brandenburg

So geht es auch der Laprog Agrargesellschaft Gottow im brandenburgischen Woltersdorf. Dort verwaltet Betriebsleiter Stefan Hoy auf einer Gesamtfläche von 1200 Hektar Ackerbau und 350 Milchkühe. Er beziffert die Ernteausfälle durch den Dürresommer auf etwa 35 Prozent. Der Mais ist noch nicht geerntet, doch er geht auch hier von einer weitaus schlechteren Erntebilanz als im Vorjahr aus.

„Nicht nur die Menge, auch die Qualität ist viel schlechter. Dadurch, dass die Maissilage viel geringer ist, müssen wir Kraftfutter für die Kühe zukaufen“, sagt Stefan Hoy. Dafür seien die Zahlungen von Bund und Ländern hilfreich. Doch das Grundproblem bleibe: „Mehr Geld ist immer gut, aber helfen tut uns einfach nur Futter“, betont der Landwirtschaftsexperte.

Um dieses Problem weiß auch das Landwirtschaftsministerium. Deshalb setzte sich Julia Klöckner für eine Gesetzesänderung ein, nach der die Zwischenfrüchte futterseitig genutzt werden dürfen. Doch damit ist das Problem nicht gelöst: „Auch Zwischenfrüchte brauchen Wasser. Und es ist noch kein Ende der Dürreperiode abzusehen“, erklärt Hoy.

Damit einher geht ein weiteres Problem: „Im Oktober müssten wir schon wieder die neuen Saaten für kommendes Jahr in die Erde bringen. Aber auch die wachsen nur, wenn sie genügend Wasser bekommen“, sagt Hoy. Deshalb helfe das Geld eigentlich nur den Ackerbauern, die ihre wirtschaftlichen Verluste ausgeglichen bekämen, nicht aber den Viehbauern.

„Am wohlsten fühlen sich die Tiere bei 15 bis 20 Grad. Bei der derzeitigen Hitzelage geben sie schon unter normalen Fütterungsbedingungen deutlich weniger Milch“ – etwa zwei Liter Milch pro Tag pro Kuh weniger, rechnet Hoy vor. Im Juli musste der 34-Jährige bereits fünf Prozent des Viehbestands in Woltersdorf schlachten.

Agrargenossenschaft mit rund 1800 Tieren aus Mecklenburg

So weit musste Bernd Rieprecht noch nicht gehen. Er verwaltet als Vorstandsvorsitzender den mecklenburgischen Hof der Agrargenossenschaft Plate. Sie hält 600 Milchkühe und weitere 1000 bis 1200 Färsen, Kälber und Bullen zur Nachzucht und zum Verkauf. Der Dürresommer hat für die 1600 Hektar große Agrargesellschaft fatale Folgen: „Die Ernte war katastrophal. Schlimmer gehts nicht“, sagt Bernd Rieprecht.

Bernd Rieprecht (r.), Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Plate in Mecklenburg Vorpommern, spricht von einem katastrophalen Erntesommer. Quelle: privat

„Am schlimmsten war die Ernte vom Mais und vom Dauergrünland. Mehr als 50 Prozent sind weggefallen“, beziffert der Vorsitzende die Ernteeinbußen. Beides wird an die Tiere verfüttert. „Nun muss das Stroh mit eiweißhaltigen Zusatzstoffen von der Industrie vermischt werden, zum Beispiel Soja- oder Rapsschrot. Aber das kostet natürlich wieder und durch die schlechte Ernte haben wir kein Geld“, erklärt Rieprecht. „Deshalb will ich mich auf jeden Fall für die Unterstützung von Bund und Ländern anmelden, auch wenn das wieder ein großer Aufwand wird.“

Rieprecht kennt den Ablauf schon, bereits im Dürresommer 2003 brauchte er die Finanzspritze. „Aber so richtig glaube ich sowieso noch nicht daran, dass der Bund sich beteiligt“, sagt Rieprecht. Er setzt seine Hoffnung lieber darauf, dass der letzte Grasschnitt doch noch Erträge bringt und es bald wieder „ordentlichen Regen“ gibt.

Von Josefine Kühnel/RND

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