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Deutschland / Welt Nach Todessturz: Räumung der Baumhäuser gestoppt
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22:54 19.09.2018
Notärzte versorgen den Mann, der von einem Baumhaus im Hambacher Wald gefallen ist. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Hannover

Während der großen Räumungsaktion im Hambacher Wald ist ein Journalist von einem Baum in die Tiefe gestürzt und an seinen schweren Verletzungen gestorben. Daraufhin erklärte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbeet Reul, die Räumung der Baumhäuser zu unterbrechen: „Man könne „nicht einfach so weitermachen“, sagte Reul.

Weiter sagte der Innenminister: „Ich habe eine Riesenbitte an alle Menschen, die irgendwie mit dem Wald, dem Gelände, den Häusern, den Bäumen zu tun haben (...) dass wir jetzt alle mal versuchen, uns aus dem Gelände fernzuhalten, Ruhe zu halten, und dass wir dann weitersehen, wie es weitergehen wird. Das ist eine Bitte, die ich habe. Ich hoffe, sie hat eine Chance. Aber eigentlich müsste so ein Ereignis ja alle nachdenklich machen.“

Das Aktionsbündnis „Hambi bleibt“ hatte nach dem Unglück den sofortigen Stopp der Räumung gefordert. „Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen. Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden“, schrieb die Initiative in ihrem Blog. Zu dem tödlichen Sturz sei es vermutlich gekommen, weil der Journalist einen SEK-Einsatz in der Nähe habe beobachten wollen. Über die Brücke habe er anscheinend näher an den Einsatz herangehen wollen, schrieb die Initiative in ihrem Blog.

Durch eine Hängebrücke gebrochen

Rettungskräfte hatten sich zunächst vor Ort um den abgestürzten Mann gekümmert, schließlich wurde er mit einem Hubschrauber abtransportiert. Letztlich kam aber jede Hilfe zu spät. Der Aachener Polizeisprecher Paul Kemen sprach von einem „tragischen Unglücksfall“. Der Journalist habe seit Längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern dokumentiert, sagte er. Dieser habe gerade seine volle Speicherkarte eintauschen wollen, als er abstürzte.

Bei dem Opfer soll es sich um den Leverkusener Blogger, Schauspieler und Regisseur Steffen M. handeln. M. soll an einer Dokumentation über den die Ereignisse im „Hambi“ gearbeitet haben. Kurz vor dem tödlichen Unfall postete er auf Twitter noch ein Kurzvideo.

Der Mann sei nach ersten Erkenntnissen über eine Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gelaufen und dabei durch die Brücke gebrochen. Der Unfall habe sich nicht bei einem polizeilichen Zugriff ereignet, betonte der Sprecher.

Am vergangenen Donnerstag haben die Behörden mit einem massiven Polizeiaufgebot begonnen, die Baumhäuser der Umweltaktivisten zu räumen und abzubauen. Die meisten Bauten waren bereits innerhalb der ersten Tage geräumt.

Unterdessen zieht der Arbeitsbühnen-Verleiher Gerken nach eigenen Angaben seine Geräte aus dem Hambacher Forst ab. Das Unternehmen sei von dem betreffenden Kunden, bei dem es sich nicht um die Polizei handle, zuvor in keinster Weise über den geplanten Einsatzzweck informiert gewesen. „Da auch wir mit der Vorgehensweise im Hambacher Forst absolut nicht einverstanden waren und sind und wir auch den Einsatz unserer Bühnen dort nicht weiter rechtfertigen können, haben wir heute beschlossen, dass wir unsere Geräte dort stilllegen“, schreibt die Gerken-Geschäftsleitung in einer Mitteilung vom Mittwoch auf der Homepage des Unternehmens. „Wir machen das, obwohl wir es rein rechtlich nicht dürfen, und setzen uns damit hohen Regressansprüchen unseres Kunden aus“, hieß es weiter.

Technik mit der Firmenaufschrift „Gerken vermietet Arbeitsbühnen“ war auf Fotos zu sehen, die die Räumung von Baumhäusern durch die Polizei zeigen. Eine Sprecherin der Polizei Aachen bestätigte am Abend, dass die Firma Gerken ihre Zusagen am Mittwoch zurückgezogen habe.

Umweltschützer protestieren im Hambacher Wald zwischen Köln und Aachen seit Jahren dagegen, dass der Energiekonzerns RWE im Herbst weite Teile des Waldes abholzen und die Braunkohleförderung fortsetzen will. In bis zu 25 Metern Höhe hatten sie rund 55 Baumhäuser errichtet und halten den Wald damit seit sechs Jahren besetzt.

Aus Sicht von RWE ist die Abholzung des Hambacher Waldes unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Vor Beginn der Kohleförderung war der Wald 4100 Hektar groß; nach Angaben des Tagebau-Betreibers RWE Power wurden bislang 3900 Hektar für den Kohleabbau gerodet, nun soll noch einmal gut die Hälfte des verbliebenen Waldes abgeholzt werden.

Der Wald hat nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine 12.000 Jahre lange Geschichte. Es gibt dort Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus. Der Protest vor Ort richtet sich auch gegen den Abbau von Braunkohle allgemein.

Von RND/dpa

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